Samstag, 9. August 2008

"Großangelegte Anschläge": Deutsche Behörden warnen vor Hisbollah-Angriffen

  • 900 Anhänger der Miliz leben in der Bundesrepublik
  • Terror-Anschläge möglich: Hisbollah auf Abruf bereit

Deutsche Sicherheitsbehörden warnen vor einer möglichen Mobilisierung der 900 in Deutschland lebenden Hisbollah-Anhänger. Die Miliz verfüge über die Logistik, "großangelegte objekt- und personenbezogene Anschläge durchzuführen", schrieb das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf ein angebliches BKA-Dossier.

Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz warne in einem internen Papier vor Hisbollah-Anhängern in Deutschland. Die Hisbollah-Mitglieder könnten im Falle einer "nahöstlichen Krise jederzeit für terroristische Aktivitäten" eingesetzt werden. Ob es sich dabei um mögliche Anschläge in Deutschland oder im Ausland handle, schrieb das Blatt nicht. Das BKA gab am Samstag keinen Kommentar zu dem Bericht ab.

Hintergrund des Berichtes ist offenbar ein Verfahren gegen einen israelischen Araber, der in Göttingen Medizin studierte. Der 1979 geborene Mann wurde nach seiner Landung in Tel Aviv am 16. Juli verhaftet. Die israelische Anklage wirft ihm Kontakte mit einem ausländischen Agenten und die Weitergabe von Informationen vor.

13.000 Euro für Kontaktdaten
Nach Angaben des israelischen Geheimdienstes Shin Beth soll der Angeklagte während seines Studiums in Deutschland von einem Hisbollah-Mitglied angesprochen worden sein. Dieses soll ihm 13.000 Euro gegeben haben. Als Gegenleistung habe der Angeklagte unter anderem weitere israelisch-arabische Staatsbürger genannt, die von der Hisbollah kontaktiert werden könnten.

Die Anklage nennt vier Zeugen, darunter vier israelische Geheimdienstagenten, die nur mit Decknamen aufgeführt werden. Der Anwalt des Angeklagten, Amnon Zichroni, sagte, sein Mandant habe Israel keinen Schaden zugefügt. Laut "Focus" wurde der Student bei seinen konspirativen Treffen in Deutschland vom israelischen Geheimdienst beobachtet.

Ziel: Fundamentalistischer Staat
Die Hisbollah ist eine radikale schiitische Organisation im Libanon, die einen fundamentalistischen Staat nach dem Vorbild des Irans schaffen will. Experten zufolge verübte die Gruppe seit 1982 knapp 200 Anschläge, bei denen 800 Menschen ums Leben kamen. Im Libanon ist die Hisbollah an der Regierung beteiligt.

(apa/red)

9.8.2008 17:39