"Vollständiger Krieg gegen Georgien": Konflikt im Südkaukasus eskaliert zusehends
- Kämpfe auch in Abchasien. Putin sieht "Völkermord"
2.000 Menschen getötet, 30.000 sind auf der Flucht - Krisenstab eingerichtet: 25 Österreicher in der Region
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Georgien hat seine Streitkräfte mobilisiert

Der Konflikt um die von Georgien abtrünnige Region Südossetien eskaliert immer weiter: Der georgische Präsident Michail Saakaschwili verhängte das Kriegsrecht, unterdessen tat sich in der ebenfalls abtrünnigen Region Abchasien eine weitere Front auf. Die Regierung in Tiflis sprach von einem "vollständigen Krieg Russlands gegen Georgien". Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin traf überraschend im Grenzgebiet zu Südossetien ein. Bisher kamen bei den Kämpfen rund 2.000 Menschen ums Leben, 30.000 sind auf der Flucht. Das österreichische Außenministerium hat einen Krisenstab eingerichtet, da sich 25 Staatsbürger in der Region aufhalten.
Die russischen Militärschläge gegen Georgien nannte Putin in der nordossetischen Hauptstadt Wladikawkas "begründet und juristisch legitim". Georgien habe mit der Militäroffensive in Südossetien einen "Völkermord" am ossetischen Volk begangen, sagte Putin. Die Regierung in Tiflis habe damit der territorialen Einheit Georgiens "den Todesstoß" versetzt. "Es ist schwer vorstellbar, dass man Südossetien jetzt noch zum Verbleiben im gemeinsamen Staat bewegt", sagte Putin.
"Blutige Abenteuer"
Putin warnte die NATO erneut scharf vor einer Aufnahme Georgiens. Die Regierung in Tiflis würde bei einer NATO-Mitgliedschaft andere Länder in ihre "blutigen Abenteuer" hineinziehen, sagte Putin laut der Agentur Interfax. "Jeder sieht jetzt, dass es Georgien bei seinem Beitrittswunsch nicht um einen Beitrag zur internationalen Sicherheit geht", kritisierte der 55-Jährige, der von den Olympischen Spielen in Peking kommend überraschend in der russischen Teilrepublik Nordossetien-Alanien eingetroffen war.
Abchasien startet Offensive
Als Reaktion auf den Konflikt in Südossetien hat die ebenfalls von Georgien abtrünnige autonome Republik Abchasien unterdessen eine Luft- und Bodenoffensive gegen die georgischen Streitkräfte gestartet. Ziel sei es, die georgischen Soldaten aus dem Kodori-Tal zu vertreiben, erklärte der abchasische "Außenminister" Sergej Schamba. Der nördliche Abschnitt dieser Schlucht ist der einzige Teil Abchasiens, der noch von der georgischen Regierung verwaltet wird.
Russland schuld?
Der Sekretär des georgischen Nationalen Sicherheitsrats, Alexander Lomaia, machte indessen Russland für die Angriffe verantwortlich. "Wir bezeichnen die Situation als vollständigen Krieg Russlands gegen Georgien", sagte Lomaia der deutschen Zeitung "Welt am Sonntag". Moskau habe eine "umfassende" Militäraktion mit Luft-Boden-Einsätzen gestartet. Auch die Schwarzmeerflotte habe Kurs auf Abchasien genommen.
Bush: Gefährliche Eskalation
Der russische Präsident Dmitri Medwedew sagte, die Truppen Moskaus sollten Georgien zu einer Waffenruhe zwingen. US-Präsident George W. Bush bezeichnete in Peking die Kämpfe als Bedrohung für den Frieden in der gesamten Region. Die Ausweitung der Gefechte über das eigentliche Konfliktgebiet hinaus sei eine gefährliche Eskalation. US-Vize-Außenminister John Negroponte bestellte den russischen Geschäftsträger Alexander Darchijew ins Washingtoner Außenamt ein.
Sitzung im Sicherheitsrat
Der Weltsicherheitsrat hat in New York seine Beratungen zum Krieg im Südkaukasus aufgenommen. Dem höchsten UNO-Gremium lag der Entwurf für eine Erklärung vor, die eine sofortige Waffenruhe in Georgien verlangt. Es ist das dritte Treffen des 15-Länder-Gremium zu dem blutigen Konflikt innerhalb von zwei Tagen.
Pipeline angegriffen
Bei den Kämpfen um Südossetien hat Russland nach georgischer Darstellung auch versucht, eine für die Rohstoffversorgung des Westens wichtige Öl-Pipeline zu zerstören. Die Baku-Tiflis-Ceyhan-Leitung sei von russischen Kampfjets angegriffen worden, der Angriff sei jedoch gescheitert, sagte die georgische Ministerin für wirtschaftliche Entwicklung, Ekaterina Scharaschidse.
Georgien startete Großoffensive
Der Konflikt war eskaliert, nachdem Georgien nach tagelangen Kämpfen eine Großoffensive zur Rückeroberung Südossetiens gestartet und Russland daraufhin Truppen in die von Moskau unterstützte Kaukasus-Region geschickt hatte.
Krisenstab im Außenministerium
Wegen der schweren Kämpfe ist im Wiener Außenministerium ein Krisenstab eingerichtet worden. Insgesamt habe das Ministerium derzeit Kenntnis von 25 österreichischen Staatsangehörigen sowie einer Georgierin, die mit einem Österreicher verheiratet ist, die sich in der Region aufhalten, hieß es.
Zu den meisten österreichischen Staatsangehörigen habe man bereits Kontakt herstellen können. Viele von ihnen seien im Begriff, aus Georgien auszureisen oder hätten das Land bereits verlassen. Sechs Österreicher seien als Touristen im Inneren des Kaukasus-Landes unterwegs; man versuche derzeit, Kontakt zu ihnen herzustellen. Nach Angaben des Außenministeriums ist bisher in den Auseinandersetzungen kein österreichischer Staatsangehöriger zu Schaden gekommen.
(apa/red)
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