Dienstag, 5. August 2008

Gefahr am K2 scheint endgültig gebannt:
Italienischer Bergsteiger erreicht Basislager

  • Elf Bergsteiger waren durch Eislawine getötet worden
  • Scharfe Kritik am kommerziellen K2-Tourismus

Nach dem tödlichen Lawinenunglück am K2 ist der letzte überlebende Bergsteiger der Gruppe in Sicherheit. Der Italiener Marco Confortola stieg aus eigener Kraft ins Basislager hinab. "Er ist außer Gefahr", sagte Shaukat Zaman vom pakistanischen Tourismusministerium. Sobald sich das Wetter gebessert habe, könne er mit dem Hubschrauber geborgen werden.

Confortola hatte den zweithöchsten Gipfel der Erde erreicht, ehe dort eine Lawine herunterging. Dabei kamen vermutlich elf von 30 Bergsteigern ums Leben. Zwei Niederländer konnten gerettet werden. Confortala erreichte mit Hilfe von zwei nepalesischen Sherpas und eines amerikanischen Bergsteigers zunächst das in 5.900 Metern Höhe gelegene Lager 1 und setzte dann den Abstieg fort.

Der 8.610 Meter hohe K2 befindet sich an der Nordgrenze Pakistans zu China. Einer der niederländischen Bergsteiger, Wilco Van Rooijen, machte Fehler bei der Vorbereitung auf den letzten Anstieg für das Unglück mitverantwortlich. So hätten die vordersten Bergsteiger Seile an falschen Stellen befestigt, was eine stundenlange Verzögerung zur Folge gehabt habe.

Bergung zu gefährlich
Unter den elf vermutlich tödlich verunglückten Bergsteigern ist Gerard McDonnell, der als erster Ire den K2 bestieg. Sein Freund Pat Falvey sagte, es sei zu gefährlich, die Bergung der in 8.000 Meter Höhe verschütteten Männer in Angriff zu nehmen.

Der Südtiroler Extrembergsteiger Hans Kammerlander übte Kritik an kommerziellen Expeditionen. "Es ist fahrlässig, Bergsteiger, die sich nicht kennen, auf so einen Berg zu locken. Ich mag das überhaupt nicht, das kann ich nicht befürworten", sagte Kammerlander. Der Südtiroler kennt die Unglücksstelle am K2. "Dort kann ständig etwas abbrechen", sagte er. "Wenn jemand auf so einen Berg geht, sollte er schon auf anderen Achttausendern gewesen sein und man muss ein guter Kletterer sein. Auf die Fixseile dort kann man sich nicht verlassen", sagte der Alpinist. Obwohl Kammerlander selbst dreimal am K2 gewesen ist, würde er sich nicht zutrauen, andere Bergsteiger dort zu führen. Daher kann er auch nicht nachvollziehen, wie das kommerzielle Anbieter tun können. "So etwas ist absoluter Blödsinn", sagte er.

Kritik an kommerziellen Touren
Kritik an kommerziellen Bergtouren hat es von Alpenvereins-Generalsekretär Robert Renzler gegeben. "Es gibt genug Berichte, dass viele Bergsteiger, die den Mount Everest bezwingen wollen, dort im Basislager zum ersten Mal in ihrem Leben Steigeisen anziehen", sagte er. Als Reaktion auf diese Entwicklung hat der Alpenverein bereits vor 15 Jahren seine Förderungen für Expeditionen auf Achttausender eingestellt.

Der Steirer Christian Stangl und sein Landsmann Thomas Strausz, die dem Unglück entgangen waren, wollten sich nun auf den Rückweg machen. Der Skyrunner Stangl wollte ursprünglich binnen eines Tages auf den Gipfel und retour marschieren.

(apa/red)

5.8.2008 15:23