Dienstag, 5. August 2008

Clinton bei Welt-Aids-Konferenz: "Millionen Kämpfer" gegen den "Großen Drachen"

  • Hilfsanfragen an Globalen Fonds dramatisch gestiegen
  • Ex-Präsident widmet sich seit Jahren dem Thema

In einer viel beachteten Rede auf der internationalen Aids-Konferenz in Mexiko-Stadt hat der ehemalige US-Präsident Bill Clinton die Immunschwächekrankheit einen "großen Drachen" genannt, der "von Millionen und Abermillionen Kämpfern" besiegt werden müsse. "Wir wissen, dass noch viel zu tun ist, um die Vorbeugung und Behandlung von Aids voranzubringen, um die Gesundheitssysteme in den Entwicklungsländern zu stärken", sagte Clinton in seinem von tausenden Zuhörern begeistert aufgenommenen Beitrag. Die Anfragen an den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkolose stiegen dieses Jahr dramatisch an.

Clinton sagte, im Gegensatz zum "mythologischen Drachen", der vom Heiligen Georg, einem "Ritter in glänzender Rüstung" erlegt worden sei, müsse Aids von Millionen und Abermillionen "Fußsoldaten" zur Strecke gebracht werden. Der Kampf gegen Aids müsse mit dem gegen Tuberkulose und andere Infektionskrankheiten verbunden werden. Der Ex-Präsident betonte, dass sich dank der Clinton-Stiftung, mit der er sich für die Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose einsetzt, weltweit 1,4 Millionen Infizierte Medikamente kaufen könnten. "Mithilfe unserer Partner" kosteten die Medikamente 120 Dollar (77,5 Euro) im Jahr, sagte er.

Clinton traf später mit dem als reichsten Mann der Welt geltenden mexikanischen Magnaten Carlos Slim und anschließend mit Mexikos Staatschef Felipe Calderon zusammen. Slim kündigte an, dass er sich an einem 50-Millionen-Dollar-Fonds beteiligen werde, mit dem die Interamerikanischen Entwicklungsbank, die Clinton-Stiftung und kanadische Unternehmen Projekte zur Armutsbekämpfung und besseren Gesundheitsversorgung in Mexiko, Kolumbien und Peru finanzieren. Viele Teilnehmer der noch bis Freitag dauernden Welt-Aids-Konferenz setzen auf Clintons Einfluss und Charisma, damit ein leichterer Zugang zu Aids-Medikamenten auch für arme und hungernde Menschen erreicht wird.

Anstieg von Hilfsanfragen
Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose verzeichnete unterdessen einen dramatischen Anstieg von Hilfsanfragen. Derzeit gebe es aus 97 Staaten Anfragen für Zahlungen im Umfang von insgesamt 6,4 Milliarden Dollar (4,1 Milliarden Euro), erklärte der Globale Fonds während der Aids-Konferenz. Dies sei dreimal so viel wie in den Vorjahren. Die Staaten suchen demnach vor allem Finanzhilfen für die Behandlung von Aids-Kranken, für die Anschaffung von Moskitonetzen zur Vorbeugung gegen Malaria oder für eine Verbesserung der Diagnose und Behandlung von Tuberkulose.

Der Globale Fonds genehmigte seit seiner Gründung 2002 Finanzhilfen im Umfang von 11,4 Milliarden Dollar für 136 Staaten. Der Fonds stellt ein Viertel der internationalen Hilfe für den Kampf gegen Aids zur Verfügung, zwei Drittel für Tuberkulose und drei Viertel für Malaria.

Kritik an Risikoangaben
Eine Studie des Medizinfachmagazins "The Lancet", die auf der Welt-Aids-Konferenz vorgestellt werden sollte, kritisierte die gängigen Angaben über das Risiko von HIV-Infektionen von Heterosexuellen. Demnach liegt die Infektionsrate bei 1 zu 1.000 beim Geschlechtsverkehr eines oder einer Nicht-Infizierten mit jemandem, der HIV-positiv ist.

Laut einer Forschergruppe unter Leitung von Kimberley Powers von der University of North Carolina beruhen diese Angaben auf stabilen Partnerschaften mit wenigen Risikofaktoren. Unter anderen Umständen kann sich der Risikofaktor demnach um das Mehrfache und sogar mehrere Hundertfache steigern.

Die Konferenz in Mexiko-Stadt ist die erste Aids-Konferenz in Lateinamerika. Sie ist zudem die zweitgrößte Aids-Konferenz seit dem Auftreten der Immunschwächekrankheit 1981.

(apa/red)

5.8.2008 15:09