Faymann mit 98 % zum SPÖ-Chef gewählt: Parteichef & Spitzenkandidaten inthronisiert
- Gusenbauer: Entschuldigung und Standing Ovations
- Partei-Motto: "Mit euch. Neue Wege für Österreich"

·Faymann nimmt Platz am roten Stuhl
Nach Bilderbuch-Karriere
zum Parteichef gewählt
·SPÖ-Wahlmanifest mit alten Schlagern
Von der Steuerreform bis hin zur Gesamtschule
·Faymann ist achter SPÖ-Chef seit 1945
Rekord: Kreisky führte Partei über 16 Jahre an
·ÖVP schießt sich auf
"lächelnden" Feind ein
Koalitionspartner lässt an Faymann kein gutes Haar
·Briefverkehr in der Sozialdemokratie
Der news.at-Kommentar zum Schreiben Lacinas
Mit beachtlichen 98,36 Prozent hat die SPÖ Werner Faymann als Parteichef und Spitzenkandidaten inthronisiert. Ungeachtet der Kritik einiger Altfunktionäre im Vorfeld hielt die SPÖ ihre Reihen beim Parteitag in Linz - wie im Wahlkampf üblich - geschlossen: Faymann kann sich auf das beste Ergebnis eines Neo-SP-Chefs seit den 99 Prozent des Fred Sinowatz von 1983 stützen. Aufbruchsstimmung vermochte die Parteitags-Routine (Motto: "Mit euch. Neue Wege für Österreich") trotzdem kaum zu vermitteln.
Die Parteitagsregie setzte von Anfang an eher auf Bescheidenheit: Vor dem Design-Center spielte eine Jazz-Band, drinnen zog Werner Faymann ohne Fanfarenklänge in den Tagungssaal ein und beschränkte sich aufs Händeschütteln mit den Funktionären. Ebenfalls nach Linz gekommen waren die roten Landeshauptleute sowie Alt-Granden wie Franz Vranitzky und Hannes Androsch. Die Begrüßung übernahm Oberösterreichs SP-Chef Erich Haider, der von einem "sensationellen Spitzenkandidaten" und einem "super Wahlprogramm" schwärmte, das es zu beschließen gelte.
Gusenbauer-Abschied mit Entschuldigung
Doch zuvor hieß es für den scheidenden SP-Vorsitzenden und Kanzler Alfred Gusenbauer Abschied nehmen. Er zog Bilanz über die Wahlsiege während seiner acht Jahre an der Parteispitze und warb noch einmal um Verständnis für seinen Weg, "der nie unumstritten war, der mein eigener Weg war". Standing Ovations der über 1.600 Delegierten und Funktionäre erntete er mit seiner Entschuldigung zum Abschluss seiner 25-minütigen Rede: "Ich entschuldige mich für die Fehler, die ich gemacht habe und die Ihr gemeinsam mit mir erdulden musstet."
Faymann wirbt für Wiedergewinnung der Glaubwürdigkeit
Während Gusenbauer noch einmal eine scharfe Abrechnung mit dem "Koalitionsgegner" ÖVP lieferte, hielt sich Faymann danach mit Attacken auf die Konkurrenz zurück. Er stellte die Wiedergewinnung der Glaubwürdigkeit der SPÖ in den Mittelpunkt und begründete damit auch die Abgrenzung zur FPÖ vor allem wegen deren Ausländerpolitik: Mit den Freiheitlichen könne es "keinen einzigen Tag" eine Koalition geben, diesen "mathematisch-taktischer Nachteil" müsse die SPÖ in Kauf nehmen.
Um die Wiedergewinnung der Glaubwürdigkeit will Faymann auch im Sozialbereich kämpfen und die Steuerreform auf 2009 vorziehen, weitere Privatisierungen lehnte er ab und will 1.000 Polizisten zusätzlich auf Österreichs Straßen schicken. Angesichts der schlechten Umfragewerte appellierte Faymann an die Geschlossenheit der SPÖ im Wahlkampf. "Ihr könnt euch auf mich verlassen. Ich verlasse mich auf euch", rief er den Delegierten zu, die seine mehr sachliche denn feurige Rede mit freundlichem Applaus und Standing Ovations quittierten.
Interne Kritik hielt sich in Granzen
Auch in der Debatte hielt sich die Kritik in Grenzen. Lediglich von einer Jung-Funktionärin gab es Schelte für die trotz Parlamentsmehrheit nicht abgeschafften Studiengebühren und ein langjähriger Funktionär kritisierte die "unwürdige Hetze" bei der Ablöse Alfred Gusenbauers auch in der eigenen Partei. Die Gruppe um Ex-Finanzminister Ferdinand Lacina, die sich im Vorfeld über die "Anbiederung" an die "Krone" beklagt hatte, trat nicht in Erscheinung.
Massive Kritik der anderen Parteien
Umso deutlicher dafür Kritik und Häme von der politischen Konkurrenz: Die ÖVP ortete Substanzlosigkeit und Unglaubwürdigkeit. Die Grünen meinten, Rot-Blau sei offenbar weiterhin eine Option für die SPÖ. Die FPÖ sieht die SPÖ auch nach der Kür von Werner Faymann zum Parteichef unverändert und unglaubwürdig. Das BZÖ sprach von einem Umfallerteam.
(apa/red)
Norbert Wicki14:21
Der Buwog-MythosDer Schweizer Vermögensberater hatte neben Grasser weitere Kontakte in Österreich
Wikileaks14:25
Rückschlag für AssangeGericht fällt Entscheidung: Internet-Aktivist darf nach Schweden überstellt werden
U-Ausschuss Korruption14:59
Eklat um Tetron-AktenInnenministerium vergaß auf Übermittlung. Befragungen bis auf Weiteres beendet
