Freitag, 8. August 2008

Wilhelm Molterer und das schwarze Zittern:
ÖVP startet lediglich mit Sommerkampagne

  • NEWS: Intensiv will VP erst ab 8. September kämpfen
  • Demoskopen sehen SPÖ-Chef Faymann bereits vorne

Drei Plakatwellen nur, davon zwei mit Verzicht auf das Konterfei des Spitzenkandidaten, das soll genügen. Ebenso, dass man erst 20 Tage vor der Wahl, am 8. September, definitiv im Parteivorstand entscheiden will, wer von den Parteigranden tatsächlich via "Bundesliste" an vorderster Front für die Nationalratswahl kandidiert.

Es ist bemerkenswert, wie sich ÖVP-Chef Wilhelm Molterers Truppe in erstaunlicher, beinahe irrationaler Gelassenheit übt. Dabei: Sie hat allen Grund, etwas deutlicher aufs Tempo zu drücken. Denn Demoskopen signalisieren dem Vizekanzler & Finanzminister höchst beunruhigende, mittlerweile dramatische Negativ-Werte gegenüber SPÖ-Neo-Chef Werner Faymann im Kampf um das Kanzleramt.

Sachpolitik auf Plakatwellen
Ob da am Ende des Tages die zunächst auf reine Sachpolitik abgestellten grell-schwarzen ersten Plakatwellen "mit unübersichtlichen Textwürsten", so erste gallige Kritiken nicht nur der anderen Parteien, wirklich genügen? VP-General Hannes Missethon zur Konzeption im Gespräch mit NEWS: "Wir haben aus 2006 gelernt. Nicht Wohlfühlplakate, sondern die Bürger wollen exakte Botschaften zu den Themen, wo sie der Schuh drückt. Unsere Sommerkampagne bietet daher jetzt und Anfang September die Palette unserer Schwerpunkte. Probleme, die es zu lösen gilt."

Wahlkampf: Kurz, hart und risikoreich
Wilhelm Molterer hat die große Koalition "gereicht". Seinem steirischen Parteigeneral Missethon ebenso. In der deutschen Tageszeitung "Die Welt" wurde Molterer dazu noch viel deutlicher. Die Frage, ob die große Koalition Geschichte sei, beantwortete er so: "Ja. Sie galt bei uns lange als Wert an sich. Das ist vorbei." Damit ist klar: Er will Neues. Weil große Problemlösungen mit der SPÖ, betont auch Missethon, nicht mehr möglich seien. Allerdings, laut Demoskopen sehen das die Österreicher ganz anders. Ist ihr erhobener Trend annähernd richtig, ist der ÖVP-Chef schon vor seinem Intensivwahlkampf (erst ab 8. 9.) gezwungen, eine Aufholjagd der Sonderklasse zu starten. Um bei der Regierungsbildung ab 29. September neben Faymann überhaupt mitreden zu können.

Knirschender ÖVP-Optimismus
"Derzeitige Umfragen sind mit Vorsicht zu genießen, weil der Anteil der Unentschlossenen mit fast 40 Prozent hoch wie noch nie ist", sucht VP-General Missethon zu beruhigen. Auch sich selbst. Tatsächlich hatte Steiermarks VP-Landeschef Hermann Schützenhöfer erst unlängst diagnostiziert, "in der ÖVP brennt der Hut". Sozialpolitisch vor allem.

Missethons Konter: Das sei ausgeräumt, und im Übrigen die Partei unter Molterer binnen zweier Jahre "eine neue" geworden. "Nicht durch einen sozialen Linksruck, aber wir sind sehr nahe an den Bedürfnissen des Bürgers." Und: "Wir haben den Vorteil, Glaubwürdigkeit zu besitzen, das, was wir ankündigen, auch umzusetzen." Als Beispiel nennt er Molterers Absicht, künftig Privatisierungserlöse in eine Österreich-Stiftung einzubringen, um so die Pflegefinanzierung auf neue, finanziell sichere Beine zu stellen. Missethon: "Das wäre nach dem ASVG-System der nächste Jahrhundert-Schritt."

Das ÖVP-Personal ächzt und bangt
Alles paletti also? Mitnichten. Die Chefin der Jungen ÖVP, Burgenlands Silvia Fuhrmann, ortete erst jüngst "keine große Euphorie" im VP-Funktionärskader über die September-Wahl. Nur mit Mühe gelang es der ÖVP-Spitze in den letzten Wochen, mächtige VP-Länder wie NÖ, OÖ, die Steiermark und Tirol, die erst Landtagswahlen hinter sich oder vor sich haben, zur gemeinsamen Kraftanstrengung zu überreden. Vor allem auch finanziell. Dazu kommt, dass das parteiinterne Gerangel um künftige Nationalratsmandate die Parteikader hörbar knirschen lässt. Weil: Ob alle 66 Sitze im Nationalrat zu halten sind, ist mehr als ungewiss.

Die ganze Story lesen Sie im NEWS 32/08!

8.8.2008 13:29