Mittwoch, 30. Juli 2008

Polit-Duell um AUA-Verkauf

  • SPÖ und ÖVP fighten um die richtige Strategie

Der Verkauf der Austrian Airlines geht in die heiße Phase. SPÖ und ÖVP fighten jetzt heftig um die richtige Strategie.

Die Würfel sind gefallen. Die AUA braucht einen strategischen Partner, befindet ihr Haupteigen­tümer, die Staatsholding ÖIAG. Zu Wochenbeginn konnte AUA-Chef Alfred Ötsch die Märkte überraschen: Die Austrian Airlines haben im zweiten Quartal deutlich Geld verdient. Der Verlust aus dem ersten Quartal von über 60 Millionen Euro konnte unter 50 Mio. reduziert werden. Damit wurde der Beweis erbracht: Die AUA hat ihre Hausaufgaben gemacht. Die Strategie von Ötsch geht auf. Zwar bleiben die Rahmenbedingungen schwierig, und am Ende des Jahres wird ein Verlust herauskommen, aber es gibt kein Horrorszenario, wie von Analysten befürchtet. Jetzt kann man ohne Notverkauf den bes­ten Partner suchen, um die AUA trotz anhaltender Marktturbulenzen auf Kurs zu halten.

Offenes Bieterrennen. Im Klartext bedeutet dies einen Verkauf der AUA an eine größere Fluglinie. ÖIAG-Boss Peter Michaelis ist bereit, alles zu verkaufen und wohl am besten an die deutsche Lufthansa. Freilich sind Air France, Aeroflot, Air China und andere Interessenten noch im Rennen. Wer der AUA für ihre Zukunft am meisten zu bieten hat, wird sich in Verhandlungen zeigen. Den Startschuss dazu muss aber jetzt die Politik geben.

Privatisierungsauftrag. Der 12. Au­gust ist ein Lostag für die AUA. Da tritt der Ministerrat zu seiner Sommersitzung zusammen. Eine Privatisierung der AUA kann nur dieses Gremium beschlie­ßen. Zuständig für die Airline ist Finanzminister Wilhelm Mol­terer, der Michaelis als ÖIAG-Boss befürwortet hat. Man darf also getrost davon ausgehen, dass Michaelis im Sinne Mol­terers handelt, wenn er ­einen ­raschen Privatisierungsauftrag einfordert, der eine ­Total­pri­va­tisierung ermöglicht. Molterer hat sich gegenüber NEWS für eine Pri­vatisierung der AUA ausgesprochen. Entscheiden wird daher die Stimme von Infrastruktur­mi­nister und SP-Kanzlerkandidat Werner Faymann. Der hat aber noch keine Unterlagen be­k­o­m­men und meint gegenüber NEWS: „Zu einer vernünftigen Vorgangsweise gehört auch, dass man weiß, worüber man abstimmt.“

Die eigentliche Sensation ist aber, dass sich Faymann im NEWS-Interview „offen für jede Lösung“ zeigt. Somit wäre eine hundertprozentige Privatisierung möglich. Ebenso wichtig ist Faymanns Bedingung, keine Maximierung des Privatisierungserlöses zu erzielen, sondern die beste Lösung für den Stand­ort, die Mitarbeiter und die wirtschaftlichen Interessen Ös­terreichs zu erreichen.

Mehr zur Story finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin 31/2008

30.7.2008 16:11