Mittwoch, 30. Juli 2008

Plassnik hält sich ihre Zukunft noch offen:
"Höchstpersönliche Entscheidung" fällt erst

  • Die ÖVP-Außenministerin im Interview mit NEWS
  • Höhere Weihen winken in Brüssel und Washington

Die Außenministerin spricht zum ersten Mal ungewöhnlich offen über ihre politische Zukunft. Wie sie den EU-Zoff mit der SPÖ und Werner Faymann erlebte: ,Briefschreiben an Hans Dichand genügt nicht.

Der Adrenalinschub war da. Ein ganz neues Plass­nik-Feeling. Roter EU-Kurswechsel per Leserbrief an Hans Dichand. Das saß. Ursula Plassnik, 52, seit 2004 Außenministerin und oft als „die kühle Blonde“ in der Regierung apostrophiert, zeigte erstmals wirklich Emotionen. „Ja, ich hatte das Gefühl, an der Nase herumgeführt zu werden, des Getäuschtwerdens. Das mag sich schon in meiner Mimik durchgesetzt haben“, beschreibt sie im NEWS-Talk freimütig jene Tage, denen kurz danach das Koalitionsende folg­te. Tage, in denen sie sich ganz im Gegensatz zu manchen ihrer männlichen Kollegen „sehr unbeeindruckt“ mit dem mächtigsten Zeitungs-Tycoon anlegte. Denn, so Plassnik: „Ich habe in meinem Leben gelernt, dass Unerschrockenheit Achtung schafft.“

Ohnmacht, Angst oder ­Feigheit kennt Plassnik nicht: „Kei­ne Lieblingstätigkeiten von mir.“ Darum ist sie noch immer verblüfft über Noch-Kanzler Alfred Gusenbauer. Seite an Seite mit ihm habe sie in Lissabon den EU-Vertrag unterschrieben, „wir wussten, es wird nicht leicht, das ist unpopulär“. Der Vertrag habe sie „sieben Jahre meines Berufs­lebens begleitet, ich hätte ihn mir auch in manchem Punkt anders gewünscht, aber er war eben das, was im zähen Ringen von 27 EU-Mitgliedsstaaten ­erreichbar war.“
Dass dies Gusenbauer und die SPÖ kurz darauf nicht ­genauso professionell und rational wie sie gesehen hätten, das enttäuscht Plassnik, denn: „Ich will professionell arbeiten. Gerade ich bin jemand, der sich stark bemüht, am Floß der ­Rationalität auch in bewegten und stürmischen Zeiten fest­zuhalten.“

Nachdenken über Wahlfolgen und eigene Zukunft. Plassniks Credo klingt streng: Politik bedeute Verantwortung. Emotion, Stimmung und kurzfristige Änderung des Meinungsklimas „dürfen uns Politiker niemals von dem abbringen lassen, was wir für richtig halten“. Ob sie als Außenministerin im Amt bleiben wird, das hänge von vielen Voraussetzungen ab, sagt die Kärntnerin. Erstens, ob es das Wahlergebnis zulässt und „ob die ÖVP das so sieht und möchte“. Vor allem aber, so Plassnik ungewöhnlich offenherzig, „wird das meine höchstpersönliche Entscheidung sein“.

Weil, eines habe sie ebenfalls als Grundsatz gelernt: Man sollte sich, wenn man in die ­Politik geht, speziell bei schwierigen Konstellationen genau anschauen, „ob es einen Raum gibt, in dem überhaupt ein Gestalten möglich ist. Genau das kann ich jetzt für mich, ehrlich gesagt, noch nicht beurteilen.“
Dazu seien während der Tage der EU-Zores diverse Gedanken gekommen: Warum tue ich mir das an? Habe ich das notwendig? Plassnik: „Das sind Fragen, die man sich als denkender, fühlender, engagierter Mensch immer wieder stellt, auch im Sinne einer Rechenschaft sich selbst gegen­über. Aber, um jedes Missverständnis auszuschalten: Gerade solche Fragen habe ich mir
in den letzten Wochen jedenfalls nicht negativ beantwortet. Im Gegenteil: Ich bin entschlossen, die Aufmerksamkeit, die das Thema EU jetzt hat, als Chance zu verstehen und zu nützen.“

Lesen Sie die ganze Story im aktuellen NEWS Nr. 31/2008!

30.7.2008 15:34