Freitag, 1. August 2008

Peter Klugar über seine Reform-Pläne:
Der neue ÖBB-Chef im FORMAT-Interview

  • Restrukturierungen der Infrastruktur vorgesehen
  • Mächtiger Anlagenmanager soll für Entlastung sorgen

Der neue ÖBB-Vorstandssprecher Peter Klugar baut den Konzern komplett um und installiert einen mächtigen Anlagenmanager. Zu kämpfen hat er vor allem mit der Bilanzerstellung, die durch höhere Vorsorgen und Kosten erschwert wird. Klugar arbeitet bereits seit 1978 bei der Bahn. Zuletzt war der Wirtschaftsingenieur für die Infrastruktur verantwortlich. Im Interview mit FORMAT spricht der ÖBB-Chef über Konzern-Reformen, Dienstleistungsgedanken und Anlagenmanager.

FORMAT: Herr Klugar, Sie sind jetzt seit zwei Monaten im Amt. Wie geht es Ihnen?
Klugar: Gut. Ich finde die Arbeit als Vorstandssprecher hier sehr spannend. Ich bin froh, dass wir die Fußball-EM gut über die Bühne gebracht haben. Das hat bei den Mitarbeitern zu Beruhigung und Stolz geführt.

FORMAT: Woanders gibt es aber große Baustellen, beispielsweise in Personalfragen, bei Finanzgeschäften und der Reform des Unternehmens.
Klugar: Es gibt einige Herausforderungen. Mit den Tochtergesellschaften haben wir schon eine intensive Diskussion über die Strategie und die künftige Struktur des Konzerns begonnen. Indem ich deren Vorstände stärker einbeziehe, will ich auch mehr Vertrauen und Teamarbeit schaffen. Ich will breiter informieren, als das bisher der Fall war.

FORMAT: Sie kennen ja die Wünsche der Tochtergesellschaften aus Ihrer langjährigen Tätigkeit bei der Infrastruktur Betrieb AG.
Klugar: Ja, ich weiß natürlich, wie man das in einer Tochter sieht. Meine Wünsche von früher versuche ich auch jetzt umzusetzen. Andererseits muss man auch irgendwann einmal sagen, so machen wir das jetzt.

FORMAT: Die Reform des Konzerns wird schon seit Jahren diskutiert und hätte unter Ihrem Vorgänger längst abgeschlossen werden sollen. Wie weit sind Sie denn jetzt?
Klugar: Wir sind ganz gut unterwegs. Die Holding wird schlanker, ist aber weiterhin die strategische Leitgesellschaft für den Konzern. Sie muss die Restrukturierung der Infrastrukturgesellschaften sowie des Personen- und Güterverkehrs vorantreiben. Von hier aus werden wir künftig auch alle Verhandlungen mit dem Bund und den Bundesländern abstimmen. Die Dienstleistungsgesellschaft hat sowohl strategisch als auch operativ gearbeitet. Das war nicht optimal. Sie soll künftig nur mehr als Dienstleister auftreten und die Aufträge der einzelnen Gesellschaften erfüllen. Ich hoffe, dass der Aufsichtsrat das in seiner Sitzung vom 23. September beschließen wird.

FORMAT: Die Dienstleistungsgesellschaft DLG sollte ursprünglich abgeschafft werden. Heißt das jetzt, dass sie bestehen bleibt?
Klugar: Es wird dann Nachfolgeorganisationen geben, die in thematische Gruppen zusammengefasst werden. Ob das eine, zwei oder drei sind, ist noch offen.

FORMAT: Welche Aufgaben werden die haben?
Klugar: Sie werden beispielsweise die Personalverrechnung machen und IT-Projekte abwickeln.

FORMAT: Und was passiert mit dem Einkauf, der jetzt in der DLG gemacht wird?
Klugar: Dafür wird es eine zentrale Funktion in der Holding geben. Ob wir den Einkauf in die Töchter geben oder einen Dienstleistungsbereich schaffen, diskutieren wir gerade. Wichtig ist, dass der Dienstleistungsgedanke im Vordergrund steht.

FORMAT: Eine große Baustelle sind auch die Schnittstellen zwischen der Infrastruktur Bau AG und der Infrastruktur Betrieb AG. Wie wollen Sie die Doppelgleisigkeiten beseitigen?
Klugar: Künftig wird es für die vielen technischen Anlagen einen Anlagenmanager geben. Denn die Aufteilung der Anlagenverantwortung in zwei Gesellschaften ist nicht optimal. Das werden wir in der neuen Infrastrukturleitgesellschaft konzentrieren.

FORMAT: Was wird dieser Anlagenmanager machen?
Klugar: Er wird für alle technischen Anlagen und damit auch für alle Strecken verantwortlich sein. Er muss damit auch wissen, was er mit jeder Strecke mittelfristig will. Will er ausbauen, den Stand in etwa gleich lassen oder nur Güterverkehrszüge fahren lassen. Von dieser Entscheidung wird abhängen, wen er mit der Dienstleistung beauftragt.

FORMAT: Und wer erfüllt diese Dienstleistungen?
Klugar: Das werden interne Bereiche sein wie Spezialistengruppen für Inspektion, Wartung und Instandhaltung, die als reine Auftragnehmer fungieren, oder auch private Firmen.

FORMAT: Dieser Anlagenmanager wird ein mächtiger Mensch sein.
Klugar: Ja, er trägt die Verantwortung für alle Strecken und hat die zentrale Steuerungsfunktion für die Infrastruktur. Er verwaltet auch das Geld und bestellt, was er braucht. Aber er muss sich nach dem Rahmenplan richten, der zwischen ÖBB und Eigentümer vereinbart wird.

FORMAT: Wer wird dieser Anlagenmanager sein?
Klugar: Der jetzt bestellte Vorstand Andreas Matthä wird das Projekt auf die Füße stellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass er der erste Anlagenmanager sein wird.

Das ganze Interview lesen Sie im FORMAT 31/08!

1.8.2008 15:50