Freitag, 1. August 2008

"Die besten Zeiten sind vorbei": Bartenstein
erwartet einen Rückgang am Arbeitsmarkt

  • Das "ungetrübte Hoch" nach zwei Jahren zu Ende
  • Arbeitslosigkeit in Österreich liegt derzeit bei 4,1 %

Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist im Juli zwar das 30. Mal in Folge zurückgegangen. "Die Zeiten sind nach wie vor gut, die besten Zeiten sind aber vorbei," erklärte Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein nach der Präsentation der aktuellen Juli-Arbeitsmarktdaten. Das abgeschwächte Wirtschaftswachstum wirke sich mit einigen Monaten Verzögerung auf den Arbeitsmarkt aus.

Sensible Branchen wie zum Beispiel die Autoindustrie seien die ersten, die auf eine Abkühlung reagieren. Erstes Anzeichen sei ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit bei den Arbeitskräfteüberlassern auf rund 16.000 Jobsuchende. Dazu passen tägliche Meldungen von Arbeitsplatzverlusten u.a. bei Infineon, der BAWAG, Hämmerle oder dem Sicherheitsgurtenhersteller TRW, der sein Werk in Salzburg schließt und die Produktion nach Tschechien und Polen verlegt.

Das "ungetrübte Hoch" der vergangenen zwei Jahre werde abgelöst. Jetzt bedürfe es eines "Regenschirms", um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft zu stärken. Noch sei von einem robusten Wirtschaftswachstum von 2 Prozent auszugehen. Die Arbeitslosigkeit werde auch noch in den kommenden Monaten leicht zurückgehen. Weitere Entwicklungen hängen von "Fakten ab, die wir nicht beeinflussen können", sagt Bartenstein. Neben Ölpreis und Dollarentwicklung sei die Finanzmarktkrise noch nicht ausgestanden.

Mit einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent sei man dem Ziel Vollbeschäftigung (eine Quote unter 4 Prozent) sehr nahe. Es sei durchaus möglich, dass man diese Ziel noch erreichen werde, so Bartenstein.

Warten auf die Herbstlohnrunde
Das Anti-Teuerungs-Paket von Vizekanzler Wilhelm Molterer sei ein wichtiger Inflationsausgleich. Die 500 Mio. Euro gehen direkt in den Konsum. Große Bedeutung misst Bartenstein der bevorstehenden Herbstlohnrunde zu. Er hoffe auf einen Abschluss der Vernunft. Einerseits könne die gesamte Inflationslast nicht nur den Arbeitgebern angelastet werden, andererseits müsse die Kaufkraft erhalten bleiben. "Eine Gratwanderung", so der Minister. Abzulehnen seien jedenfalls Zurufe aus der Politik zu Prozenten. Den Sozialpartnern dürfe man "nicht ins Handwerk pfuschen", das sei nicht hilfreich. Wie berichtet hat Sozialminister Erwin Buchinger eine Erhöhung von 5,5 Prozent gefordert.

3,5 Mio. Beschäftigte in Österreich
Erfreulich sei, dass die Beschäftigung im Juli um 85.000 auf über 3,5 Mio. Betroffene zugelegt habe. Allein 35.000 der zusätzlichen Beschäftigten entfallen auf ältere Arbeitnehmer über 50 Jahre. Damit werde der Zuwachs bei den älteren Jobsuchenden von 2,3 Prozent relativiert.
(apa/red)

1.8.2008 12:47