Tarifstreik bei Lufthansa wurde beigelegt: Unternehmen erhöht Löhne um 5,1 Prozent
- Normalisierung des Flugverkehrs dauert aber noch
- Empörung über gratis Urlaubsflug von Ver.di-Chef

·Erste Bewegung im Lufthansa-Tarifstreit
Endgültige Lösung scheint
aber noch nicht in Sicht
Nach tagelangen Streiks und Flugausfällen haben sich die Deutsche Lufthansa und die Gewerkschaft Ver.di auf einen Tarifabschluss für mehrere zehntausend Beschäftigte geeinigt. Der unbefristete Streik soll umgehend beendet werden, wie beide Seiten auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main mitteilten. Die Lohnerhöhung hat laut Lufthansa ein Volumen von 4,2 Prozent im Jahr und gilt für 34.000 Mitarbeiter am Boden.
"Der Streik wird beendet", betonte Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer. Der Flugbetrieb werde sich aber erst nach einiger Zeit normalisieren. "Wir werden jetzt alle Anstrengungen unternehmen, die erforderlich sind, um unseren Flugbetrieb zügig wieder in der gewohnten Zuverlässigkeit und Qualität unseren Kunden anzubieten."
ver.di-Boss auf Urlaub
Für Aufregung sorgte die Abwesenheit von Ver.die-Boss Frank Bsirske. Noch vor Beginn des Streiks bei der Lufthansa jettete Bsirske laut "Bild"-Zeitung kostenlos mit der Airline in einen fünf-wöchigen Südsee-Urlaub. Platz nahm das Ehepaar auf der Strecke zwischen Frankfurt und Los Angeles in der ersten Klasse. Die Flüge seien gratis gewesen, weil Bsirske als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender nichts bezahlen müsse. Ver.di bestätigte lediglich, dass der Gewerkschaftschef im Urlaub sei. Zum Ziel und den Konditionen der Reise wollte die Verdi-Pressestelle keine Angaben machen.
5 Prozent mehr Löhne
Die größte deutsche Fluggesellschaft und die Gewerkschaft Ver.di einigten sich auf eine Lohnerhöhung um 5,1 Prozent rückwirkend zum 1. Juli. Am 1. Juli 2009 folgt eine weitere Erhöhung, und zwar um 2,3 Prozent. Zudem gibt es eine Einmalzahlung und eine ergebnisabhängige Komponente. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 21 Monaten bis zum 28. Februar 2010.
Für das Kabinenpersonal wurde ein Abschluss im gleichen Volumen erzielt. Er steht aber unter dem Vorbehalt der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO, in der die meisten Stewardessen organisiert sind. Der Tarifvertrag mit UFO läuft noch bis zum 31. Dezember 2008.
100 Mio. Mehraufwand
Der Tarifabschluss bei der Deutschen Lufthansa wird den Konzern deutlich belasten. Im zweiten Jahr der Laufzeit lägen die Mehraufwendungen bei knapp 100 Mio. Euro, sagte Personalvorstand Stefan Lauer. Jeder Prozentpunkt beim Tarifabschluss, der zusammen bei 7,4 Prozent liege, koste rund 15 Mio. Euro. Hinzu kämen die Einmalzahlungen. Den Schaden durch den Streik bezifferte Lauer auf einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag.
(apa/red)

