Erste Bewegung im Lufthansa-Tariftstreit:
Endgültige Lösung aber noch nicht in Sicht
- Bis inklusive Montag täglich 128 Flüge gestrichen
- Österreich nur am Rande von dem Streik betroffen

Im Tarifstreit bei der deutschen Lufthansa ist es nach vier Tagen Streik zu ersten Bewegungen gekommen. "Lufthansa ist auf uns zugekommen, um informelle Gespräche aufzunehmen", sagte der Sprecher der Gewerkschaft ver.di, Harald Reutter. Erstmals seit dem Scheitern der Verhandlungen gebe es nun informelle Gespräche. "Wir können bestätigen, dass es Kontakte gibt", sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber warb in einem offenen Brief für einen Kompromiss.
Der Streik der Lufthansa, an dem sich täglich 5.000 Mitarbeiter beteiligen, tangierte den heimischen Flugverkehr erneut nur am Rande. Am Flughafen Wien sind vier Flüge gestrichen worden. Auf die Flughäfen Linz und Graz hatte der Streik noch keine Auswirkungen.
Ein Angebot oder Lösungsmöglichkeiten sind nach Angaben von ver.di aber noch nicht in Sicht. Der Gesprächswunsch sei aus dem Bereich des Lufthansa-Vorstandes an ver.di herangetragen worden, sagte der Sprecher. Details wollten beide Seiten nicht nennen. ver.di hatte als Vorbedingung für die Wiederaufnahme von Verhandlungen verlangt, dass Lufthansa ein deutlich nachgebessertes Angebot signalisieren müsse.
Forderung: 9,8% mehr Gehalt
Die Gewerkschaft ver.di verlangt von der Lufthansa für 50.000 Beschäftigte des Kabinen- und Bodenpersonals 9,8 Prozent mehr Geld. Lufthansa hatte zuletzt gestaffelt 6,7 Prozent mehr Lohn bei 21 Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung angeboten.
Der unbefristete Streik wurde trotz der Gespräche fortgesetzt. Lufthansa-Vorstandschef Mayrhuber wandte sich in einem offenen Brief an die Mitarbeiter. Er hoffe, "dass der Dialog aufgegriffen und ein realistischer Kompromiss gefunden wird." "Mit der Brechstange sichert man sich keine Zukunft", schrieb Mayrhuber. Ein andauernder Streik habe einen nachhaltigen Rückschlag-Effekt. "Jeder Techniker weiß, was passiert, wenn man die Schraube überzieht."
Zugleich betonte der Lufthansa-Chef, dass sich nur eine Minderheit der Beschäftigten am Streik beteilige. "Es ist in meinen Augen kein Streik der Lufthanseaten gegen Lufthansa, es ist ein Streik von ver.di mit gewissen Schwerpunkten im Unternehmen."
"Gute und böse" Mitarbeiter
Die Gewerkschaft warf Mayrhuber in einer ersten Reaktion vor, die Belegschaft spalten zu wollen. Mayrhuber unterteile die Mitarbeiter in Gute und Böse, sagte ein Sprecher. Ein Lufthansa-Sprecher sagte dagegen, Mayrhuber habe sich mit dem Brief an die gesamte Belegschaft gewandt.
Der Streik beim Catering sei "bitter, aber mit sehr hohem Aufwand können wir die Auswirkungen begrenzen", schrieb Mayrhuber. Der Frachtbereich kämpfe, komme aber noch einigermaßen über die Runden. "Die Technik ist naturgemäß hochkritisch", erklärte Mayrhuber. Durch fehlende Wartung hatte Lufthansa bereits zahlreiche Flüge streichen müssen.
Sonderflugplan eingerichtet
Aufgrund des Streiks wurde ein Sonderflugplan eingerichtet und demnach fallen nach derzeitiger Planung bis einschließlich Montag täglich 128 Flüge aus, davon 28 auf der Langstrecke. Im Europaverkehr der Lufthansa AG entfällt damit zehn Prozent des Angebots. Gemessen am weltweiten Lufthansa-Angebot einschließlich der Regionaltöchter sind gut sechs Prozent betroffen.
Um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, arbeitet die Airline "sehr eng mit Partnern zusammen", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Welche Luftlinien quasi als "Streikbrecher" fungieren, wollte der Sprecher nicht angeben. Die Star Alliance, die 21 Fluglinien umfasst, übernehme aber auch Passagiere, bestätigte Peter Schneckenleitner.
Zu dieser Allianz, die 1997 gegründet wurde, gehören auch die Austrian Airlines (AUA), die wie bekannt seit Montag Passagiere der Lufthansa übernehmen. Die Fluggesellschaft setzt bei ihren Deutschland-Flügen größere Maschinen ein, um die betroffenen Passagiere mitnehmen zu können, sagte ein AUA-Sprecher zur APA. Am Donnerstag ist die AUA mit vier größeren Maschinen geflogen. Morgen, Freitag, sei der Einsatz von größeren Maschinen nicht geplant.
(apa/red)

