Mittwoch, 30. Juli 2008

Flugverkehr leidet unter Lufthansa-Streik: AUA muss aushelfen - übernimmt Passagiere

  • Bereits 82 Ausfälle - lediglich 3 bei uns in Österreich
  • Gemkows: Kosten des Ausstands sind nicht schätzbar

Der Personalstreik der deutschen Lufthansa, der nun den dritten Tag andauert, hat immer größere Auswirkungen auf den Flugverkehr. Erstmals fielen 12 Langstrecken-Flüge von Frankfurt und München zu den nordamerikanischen Flughäfen New York, Chicago, Dallas und Calgary sowie nach Kalkutta und Dubai aus. Insgesamt sind heute 82 Flüge annulliert worden - 3 davon betrafen den Flughafen Wien. Die österreichische Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA) leistet der Lufthansa Hilfe, indem sie mit größeren Maschinen fliegt und die betroffenen Passagiere übernimmt.

"Fakt ist, dass wir die Auswirkungen des Streiks spüren", sagte Lufthansa-Sprecher Peter Schneckenleitner. Die Passagiere der Kranich-Airline müssten sich auch in den kommenden Tagen auf Flugausfälle einstellen. "Das wird sich jedoch in einem eng begrenzten Rahmen halten, 82 Flüge entsprechen gerade mal vier Prozent unseres Tagesprogramms", sagte Schneckenleitner. Die meisten betroffenen Fluggäste buche die Lufthansa auf Ausweichflüge um. Der Service an Bord sei jedoch teils eingeschränkt. Fluggäste auf Kurz-und Mittelstrecken würden vereinzelt nur mit Getränken versorgt und nicht - wie sonst üblich - auch mit einem Imbiss.

AUA hilft aus
Eine Airline, die der Lufthansa hilft, die Auswirkungen des Streiks abzufedern, ist die österreichische AUA. Die Fluggesellschaft setzt bei ihren Deutschland-Flügen größere Maschinen ein, um die betroffenen Passagiere mitnehmen zu können, sagte ein AUA-Sprecher zur APA. Am Montag habe die Airline 16 Flüge mit größeren Maschinen abgewickelt, gestern, Dienstag, seien es 2 gewesen und morgen sollen es 4 vier sein, erklärte der Sprecher. Heute, Mittwoch, sei es nicht notwendig gewesen, mit größeren Maschinen zu fliegen.

Um die Folgen des Streiks für den Flugverkehr so gering wie möglich zu halten, verlegt die Lufthansa einem Pressebericht zufolge die Wartung ihrer Flugzeugflotte bereits teilweise ins Ausland. Zahlreiche Maschinen würden von Technikern in den Nachbarländern überprüft, berichtete "Bild" unter Berufung auf Branchenkreise. Der Flugplan werde in vielen Fällen so abgestimmt, dass Lufthansa-Maschinen bestimmte Flugrouten ins Ausland übernehmen, um dort gewartet zu werden. Schneckenleitner wollte den Bericht nicht bestätigen. Jedoch liefen "Vorsorgenmaßnahmen, und wir versuchen, uns auf alle möglichen Streikvarianten einzustellen".

Österreichischer Flugverkehr wenig betroffen
Der österreichische Flugverkehr ist von dem Ausstand nur am Rande betroffen. Heute, Mittwoch, sind insgesamt 3 Lufthansa-Flüge gestrichen worden. Alle hätten am Flughafen Wien starten beziehungsweise landen sollen. Konkret handelt es sich um den Flug LH 3536, der von Frankfurt kommend um 17.25 Uhr in Wien landen sollte. Der Flug der Maschine LH 3537 von Wien nach Frankfurt um 18.30 Uhr sei ebenfalls annulliert, so eine Sprecherin des Flughafen Wien. Auch der Flug LH 8952, der um 18.20 Uhr in Frankfurt hätte starten sollen, ist abgesagt worden.

Erneut forderte die Lufthansa von ver.di die Rückkehr an den Verhandlungstisch. Schneckenleitner nannte die Streikmaßnahmen der Gewerkschaft "überzogen". Die Fluglinie halte an ihrem Verhandlungsangebot einer Lohnerhöhung von 6,7 Prozent in zwei Stufen plus einer Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent eines Jahresgehaltes fest. Damit sei der finanzielle Spielraum ausgeschöpft. Lufthansa gab am Mittwoch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Ergebniszuwachs auf 705 Mio. Euro (plus 45 Prozent) im ersten Halbjahr bekannt.

ver.di wiederum hält grundsätzlich an der Lohnforderung von 9,8 Prozent fest. Was ein Angebot für die Fortsetzung der Tarifverhandlungen der Lufthansa mit der Gewerkschaft betrifft, sei ein solches noch nicht vorgelegt worden, erklärte ver.di-Verhandlungsführer Erhard Ott. Zudem richte die Lufthansa ihre Forderung nach neuen Gesprächen nur über die Medien an den ver.di-Vorstand. ver.di selbst habe "weder schriftlich, per E-Mail oder über das Handy" ein neues Angebot von Lufthansa bekommen.

Kosten noch nicht schätzbar
Die Kosten des Ausstands sind laut Lufthansa-Finanzvorstand Stephan Gemkows Angaben noch nicht abzuschätzen. Klar sei nur: "Es ist teuer." Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber warnte vor "noch nicht absehbaren Auswirkungen möglicher weiterer Streikaktionen und Kostenbelastungen aus den laufenden Tarifverhandlungen".

(apa/red)

30.7.2008 16:41