Dienstag, 29. Juli 2008

Siemens auf Jagd nach Privatvermögen:
Ex-Manager sollen Schadenersatz leisten

  • Experte sieht gute Erfolgsaussichten für Forderung
  • Lange und schwierige Verhandlungen in Aussicht

Der Technologiekonzern Siemens verlangt von elf ehemaligen Zentralvorständen im Zuge der Korruptionsaffären Schadenersatz. Die Manager der Jahre 2003 bis 2006 würden belangt, weil sie ihre Organisations- und Aufsichtspflichten angesichts illegaler Geschäftspraktiken und Bestechung vernachlässigt hätten. Zu den Betroffenen gehören die ehemaligen Konzernchefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld.

Bevor Siemens die Klage gegen die einstigen Geschäftsverantwortlichen einreiche, werde ihnen Gelegenheit gegeben, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. "Die Geltendmachung von Ansprüchen ergibt sich aus der Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber ihren Eigentümern", hieß es. Konkrete Summen oder Termine nannte der Konzern nicht.

Ansprüche für Experte "glasklar"
"Man hätte schon eher auf die Idee kommen können", sagte der Experte für Manager-Haftpflichtversicherungen, Michael Hendricks. Es sei "glasklar", dass Ansprüche gestellt werden können. "Die Erfolgsaussichten sind sehr gut", meinte Hendricks. "Da hat Siemens Signalwirkung."

Lange und schwierige Verhandlungen
Doch jetzt beginne erst der Kampf um die Höhe der Schadenersatzzahlungen. Mit Manager-Haftpflichtversicherungen versuchen sich Unternehmen gegen Fehler ihrer Vorstände abzusichern. "Aber bei Vorsatz zahlt die Versicherung nicht", sagte Hendricks. Auch wenn sich nachweisen lasse, dass schwarze Kassen bei Abschluss der Versicherung bereits im Unternehmen bekannt gewesen seien, würden die Versicherer Zahlungen verweigern.

Darum hält Hendricks es für möglich, dass die Manager auch privat belangt werden könnten. "Das Privatvermögen ist stark gefährdet", erklärte er. Dann sei aber fraglich, wie viel dort jeweils zu holen sei. (apa/red)

29.7.2008 20:34