Dienstag, 29. Juli 2008

Schwarzer Tag für die Meinl-Gruppe: MAI stoppt Geldfluss, MIP-"Rebellen" klagen

  • Die Turbulenzen um die beiden Fonds gehen weiter
  • Investor Proschofsky: "Schändliches Schauspiel"

Der 28. Juli war ein guter Tag und ein schlechter Tag für die "Meinl-Rebellen": Bei der Hauptversammlung der Meinl Airports International (MAI) in Jersey wurde die bisherige Führung gestürzt, bei der HV der Meinl International Power (MIP) in Wien blitzten die aufmüpfigen Anleger jedoch knapp ab. Der neu gewählte Vorsitzende des MAI-Boards, Wolfgang Vilsmeier, kündigte an, die Verbindungen mit der Meinl-Gruppe würden "schnellstmöglichst" gekappt. Bei der MIP wird Investorenvertreter Alexander Proschofsky die Beschlüsse der gestrigen Hauptversammlung anfechten.

Von Meinl Airports soll jedenfalls kein Geld mehr an Meinl fließen. "Wir stoppen den Cash-Flow an die Meinl-Gruppe", erklärte Vilsmeier. Außerdem sollen sämtliche Verträge mit Managementgesellschaft und der Meinl Bank geprüft werden, um möglicherweise ungerechtfertigte oder überhöhte Zahlungen zurückfordern zu können. Den Namen "Meinl" will die Airport-Beteiligungsgesellschaft auch loswerden, eine Abschlagszahlung an Managementgesellschaft und Meinl Bank müsse man aber genau prüfen. 32 Mio. Euro wären ein "Wahnsinnsbetrag", den man sicher nicht zahlen werde, meinte der neue Board-Chef, der auch darauf verwies, dass die Meinl Bank selber bei neuen Fonds den Namen "Meinl" nicht mehr verwende.

Projekte werden geprüft
Die Unterlagen über die verschiedenen Projekte und Beteiligungen der Meinl Airports in Polen, Sibirien oder der Türkei würden nun bei einem "Strategie Check" im Interesse der Aktionäre gründlich geprüft. Ziel der neuen Führung sei es, die Lücke zwischen dem Net Asset Value (NAV) von 9,10 Euro und dem aktuellen Kurs des Zertifikats von 5,52 Euro zu schließen. Derzeit seien bei der Gesellschaft 390 Mio. Euro vorhanden, davon sollen laut Angaben der bisherigen Führung 115 Mio. Euro für feste Projektzusagen reserviert sein, der Rest von 275 Mio. Euro sei in Cash vorhanden. Mit der Finanzbehörde von Jersey, wo die Meinl-Firmen ansässig sind, wolle man in einem "sehr offenem Dialog" kooperieren, kündigte einer der neuen MAI-Direktoren, Richard Boleat, an.

"Schändliches Schauspiel"
Den "schwärzesten Tag seit Jahren für den Kapitalmarkt in Österreich" und ein "schändliches Schauspiel" sieht Investor Proschofsky bei der gestrigen Meinl Power-Hauptversammlung in der Wiener Stadthalle. Dort waren die Investoren rund um Proschofsky mit ihren Anträgen nach einer neuen Führung knapp abgeblitzt. Abfinden will sich die Gruppe mit dem offiziellen Ergebnis aber nicht: Nach Ansicht der "Rebellen" sind die Beschlüsse der gestrigen HV nämlich rechtlich nicht gültig.

Proschofsky nannte insbesondere die umstrittene "Neuzählung" der Stimmen, wodurch die Beschlüsse zur Abwahl des MIP-Direktors Michael Treichl und zur Wahl des Rebellen-Kandidaten Boleat ins Board wieder umgedreht worden waren - zugunsten der bisherigen MIP-Führung. Auch der von den Rebellen vermutete Stimmenkauf von großen Investoren während der HV sei "sehr seltsam" und weder in Jersey noch in Wien üblich und wohl auch für die Finanzmarktaufsicht (FMA) interessant. Wogegen genau die Anfechtungsklagen eingebracht werden, müsse noch rechtlich geprüft werden. Vom Verhalten des MIP-Board-Chefs Hans Haider zeigte sich Proschofsky sehr enttäuscht: "Wenn er zu seinem Wort steht, dann sollte er zurücktreten."(apa/red)

29.7.2008 14:43