Mittwoch, 30. Juli 2008

Austrian Airlines stehen vor Totalverkauf: ÖIAG will neuen Partner bis Ende Oktober

  • Staatsholding will Flexibilität. ÖIAG: 'Kein Notverkauf'
  • Mega-Verluste: 50 Mio. Euro-Minus im 1. Halbjahr

Nach der Verkaufsempfehlung durch die Berater von Boston Consulting verliert die Staatsholding ÖIAG als AUA-Hauptaktionärin keine Zeit: Sobald beim Sommer-Ministerrat Mitte August der Privatisierungsauftrag da ist, werde ein "offenes, transparentes" und EU-konformes Bieterverfahren starten, kündigte ÖIAG-Chef Peter Michaelis an. Allein im ersten Halbjahr 2008 hat die AUA fast 50 Millionen Euro Verlust gemacht.

Die ÖIAG wünscht sich, mit der Privatisierung von "bis zu 100 Prozent" beauftragt zu werden, also größtmögliche Flexibilität. Eckpunkte im Privatisierungsauftrag und in den Offerten sollten etwa der Erhalt der Marke und Headquarter-Funktion sein. Darüber hinaus sollte der Auftrag so "minimalistisch" wie möglich formuliert sein. Michaelis: "Es stärkt unsere Verhandlungsposition, wenn man der ÖIAG diese Flexibilität einräumt."

Partner bis Ende Oktober
Die ÖIAG und damit die Republik Österreich hält derzeit 42,75 Prozent der Anteile an der Austrian Airlines. Der Privatisierungsauftrag müsse noch vor Ende der laufenden Legislaturperiode abgearbeitet sein, was bedeute, dass bis Ende Oktober ein Partner stehen solle, so Michaelis weiter. Michaelis, der dem AUA-Aufsichtsrat vorsitzt, betonte in einer Pressekonferenz mit AUA-Chef Alfred Ötsch, dass der Privatisierungsauftrag dringlich sei, es sei aber kein "Notverkauf".

50 Millionen Verlust
Fast 50 Mio. Euro Verlust schrieb die vor dem Verkauf stehende Austrian Airlines von Jänner bis Juni 2008. Für das Gesamtjahr bleibt der Vorstand bei seiner traurigen Prognose: 70 bis 90 Mio. Euro Defizit, "aus heutiger Sicht". Analysten hatten im Vorfeld befürchtet, dass der Ausblick noch einmal schlechter würde. Die Ertragslage hängt weiter stark am Spritpreis. Das zweite Quartal lief im belasteten Umfeld gar nicht einmal so schlecht, obwohl da die Kerosinpreise noch stärker ins Gewicht fielen.

Die Flugtreibstoffe (Basis: Jet Fuel Rotterdam) seien gegenüber dem Vorjahr im Schnitt um 73,7 Prozent teurer, im internationalen Verkehr (USA) bekommt die Airline auch die Subprimekrise zu spüren, überall die kühler werdende Konjunktur und den erbitterten Konkurrenzkampf mit den Billigfliegern auch in Wien. Insgesamt ein "extrem herausforderndes Jahr 2008", wie Vorstandschef Alfred Ötsch erklärte. Allein im zweiten Quartal 2008 musste die AUA für Treibstoff 30 Prozent mehr berappen als ein Jahr davor.

Versechsfachung des Verlustes
Die AUA verzeichnet im ersten Halbjahr 2008 einen Verlust von 48,7 Mio. Euro eingeflogen. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres mit einem Abgang von damals minus 8,6 Mio. Euro bedeutete dies fast eine Versechsfachung des Verlustes.

Horrorverlust schreckt Investoren ab
Im Verlauf der ersten sechs Monate war das aber immer noch eine leichte "Verbesserung": Denn im traditionell schlechten ersten Quartal 2008 lag der Verlust bereits bei 60,2 Millionen. Dieser Horrorverlust war wie berichtet einer der Gründe gewesen, warum der Investor Scheich Al Jaber im Frühjahr das Handtuch schmiss.

Im zweiten Quartal 2008 kam nun sogar ein positives Periodenergebnis von 11,7 (Vorjahr: 7,7) Mio. Euro zustande. Die schlechten Zahlen der ersten drei Monate konnten damit zum Teil kompensiert werden, sodass nach sechs Monaten 48,7 Mio. Euro Verlust überblieben.

Geld durch Verkauf von TUI
Geld herein kam in den vergangenen Monaten durch den Verkauf der Anteile an TUI Österreich. Geholfen hat im zweiten Quartal auch die Fußballeuropameisterschaft Euro 2008. Mehr Betriebsaufwand gab es durch den hohen Kerosinpreis, wo man sich zuletzt zum 100prozentigen Hedging bis zum Jahresende durchgerungen hat.

Rückgang bei Langstrecke
Durch die Redimensionierung der Langstrecke reduzierten sich in den ersten sechs Monaten aber die Flugumsätze insgesamt um 1,5 Prozent auf 1,14 Mrd. Euro. Die darin enthaltenen Charterumsätze sanken leicht auf 87,9 Mio. Euro. Die Frachtumsätze blieben trotz des reduzierten Angebots auf der Langstrecke mit 68,3 Mio. Euro stabil.

Nettoverschuldung von 897 Mio. Euro
Schulden wurden weiter abgebaut: Per Ende Juni betrug der Bestand an liquiden Mitteln 231,4 Mio. Euro und an frei verfügbaren Wertpapieren 93,9 Mio. Euro, sodass zum Stichtag Juni in Summe eine Liquidität von 325,3 Mio. Euro da war. Die Nettoverschuldung wird zum Halbjahr mit 897,8 Mio. Euro beziffert, vor Jahresfrist lagen die Schulden bei 982,9 Mio Euro.

(apa/red)

30.7.2008 11:36