Qingdao als Ausflug in die Vergangenheit:
Austro-Segler Spitzauer hat Wurzel in China
- Vater wurde in ehemals deutscher Kolonie geboren
- Fünfte Olympiateilnahme ist die letzte für Spitzauer

Die Reise zu den Segelbewerben vor Qingdao ist für Hans Spitzauer eine Reise in die Vergangenheit. Für den 43-jährigen, der in der früheren deutschen Kolonie zum letzten Mal an Olympischen Spielen teilnimmt, schließt sich der Kreis. "Meine ersten Spiele waren 1988 in Korea und damit auch in Asien. Mit Qingdao verbindet mich aber auch was ganz Besonderes. Mein Vater ist dort auf die Welt gekommen", erzählte der Starsegler, dessen Andenken an frühere Zeiten ein paar Erzählungen und Fotos sind.
Während seines letzten Trainingsaufenthaltes in Qingdao hat Spitzauer einen langen Spaziergang durch den ehemals deutschen Stadtteil gemacht. "Es ist schon witzig, zu wissen, dass dort vielleicht mein Vater spazieren gegangen ist oder meine Großmutter mit ihm am Strand war." Ein paar Fotos, die er als Andenken bewahrt, datieren aus dem Jahr 1927. "Sie zeigen meine Großmutter, die mit meinem Vater schwimmt." Nach dem Tod des Großvaters, der ein Kohlekraftwerk in Qingdao baute, kehrte die Familie nach Europa zurück, Spitzauers Papa war erst fünf Jahre alt. Er starb früh. "Ich war erst 18. Er hat mich immer unterstützt beim Segeln, leider nicht lange ..."
Mit dem Wissen um die Familiengeschichte stieg der Reiz an einer weiteren Olympiakampagne. "Ich habe mir gedacht, wenn das schon in China ist, dann kann ich an meinen Wurzeln noch einmal arbeiten und an meiner Herkunft. Für mich passt es genau."
Traum von einer Medaille
Doch Olympia ist Olympia und natürlich träumt auch Hans Spitzauer bei der fünften Teilnahme (2000 in Sydney fehlte er) noch von der Medaille. "Grundvoraussetzung, eine Medaille zu machen, ist, davon zu träumen. Die Konkurrenz ist groß, aber wir haben uns gut vorbereitet." Nach jeden Sommerspielen habe er sich überlegt, ob nächste folgen sollen. "Olympische Spiele in meiner Karriere waren eher immer mit Enttäuschungen verbunden als mit absoluten Erfolgen."
Dennoch hadert er nicht. "Das habe ich abgeschlossen. Vierter in Atlanta - das war eine bittere Niederlage. Ich war bis zum letzten Tag in den Medaillenrängen. Das steckt man nicht so locker weg, darunter habe ich lange gelitten. In der Zwischenzeit denke ich, es war auch eine Erfahrung. Es ist nicht immer alles negativ, ich habe daraus gelernt und für mich persönlich etwas mitgenommen. Ich denke mir, vielleicht war es gescheiter als eine Medaille."
Bin reifer und realistischer
Im Nachhinein betrachtet, sei es aber "1996 ein bisserl übertrieben und nicht so superschlau gewesen, zu sagen, ich will die Goldmedaille gewinnen". Als dies nicht mehr möglich war, habe alles andere nicht mehr gezählt. "In der Zwischenzeit bin ich reifer und sehe die Sache realistischer. Wir fokussieren uns auf das, was wir auf dem Wasser tun müssen. Und nicht auf das, was sein wird. Wir nageln uns nicht an Ergebnissen fest. Das ist eine Stärke von uns."
Spitzauer segelte 13 Jahre im Finn, ehe er ins Starboot wechselte. "Ich habe als Einzelsportler viel erreicht. Du musst dir Charaktereigenschaften aneignen, damit du alles alleine zusammenbringst. Und dann wollte ich nicht mehr der 'einsame Wolf' sein, sondern jemand, der in einem Team arbeitet und mit der Mannschaft segeln will. Ich habe ein Kapital beendet und ein neues aufgemacht. Ich war nicht mehr Welt- und Europameister, aber ich habe auch gute Erfolge gehabt und bereue es nicht. Für mich als Person war es eine sehr gute Entscheidung und der richtige Weg", ist sich der dreifache Familienvater sicher.
Lob für Segelpartner Nehammer
Vor Qingdao segelt der Olympia-13. von Athen (mit Andreas Hanakamp) mit dem 32-jährigen Christian Nehammer. "Für mein Alter bin ich noch jung und blöd genug, dass ich auch mit jemanden segeln kann, der zehn Jahre jünger ist. Es ist nicht leicht, in Österreich einen guten Vorschoter zu finden. Mit Christian habe ich jemanden, der schon lange segelt, auch international, und eine sehr professionelle Einstellung hat." Obwohl dieser manchmal ein wenig darunter leide, "nur" Vorschoter und nicht Steuermann zu sein. "Wir sind zwei in einem Boot, jeder trägt seinen Teil bei, ins Ziel zu kommen. In Österreich gibt es keinen besseren, ich habe die richtige Wahl getroffen", wischt Spitzauer, der selbst ernannte "alte Haudegen", diese Bedenken seines Partners weg.
(apa/red)