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31.7.2008 15:06

Im Schatten von Rogan und dennoch spitze:
Sebastian Stoss will bei Olympia groß raus

  • Doppel-EM-Finalist erstmals bei olympischen Spielen
  • "Für OSV-Rekord muss ich Weltrekord schwimmen"

Am 13. August steht bei den Olympischen Sommerspielen der Vorlauf im in Österreich am meisten beachteten Schwimm-Bewerb auf dem Programm. Markus Rogan wird da über 200 m Rücken antreten - und Sebastian Stoss. Der 22-Jährige wird auch da wie meist im Mega-Schatten des erfolgreichsten OSV-Athleten überhaupt sein. Einerseits ist das angesichts der Erfolgsliste Rogans verständlich, andererseits wegen der Entwicklung und des Potenzials von Stoss auch wieder nicht.

Erstmals ist Stoss so richtig beim Ströck-Qualifying Ende November 2008 aufgekommen, als er im Sog Rogans zu Kurzbahn-EM- und WM-Limit schwamm. Zwei Wochen später steigerte sich der Wiener um weitere 3,4 Sekunden und wurde sensationell EM-Final-Sechster. Ein ähnliches Bild bot sich im März in Eindhoven, als Stoss Siebenter wurde und dabei das für einen Olympia-Start schwieriger zu erreichende FINA-Limit unterbot. Doch die Schlagzeilen gehörten wieder Sieger Rogan.

"Es ist ab und zu irritierend,", meinte Stoss nicht unberechtigt, "wie in Österreich berichtet wird. Es werden teilweise schlechtere Platzierungen als meine gefeiert, die mit österreichischem Rekord. Damit ICH einen österreichischen Rekord schwimme, muss ich schneller als der Weltrekord sein." Zumindest auf der Kurzbahn trifft das seit der WM im April zu, und bei Olympia auf der Langbahn sollte ja Rogan in der Weltrekordjagd nicht unbeteiligt sein."

Talentiert wie Rogan
Talent hat Stoss zumindest ebenso wie Rogan. In der Jugend hatten beide bei ASV Wien mit Andrzej Szarzynski denselben Trainer und der hatte es in seinen Trainingsaufzeichnungen Schwarz auf Weiß. "Er hat gesagt,", erzählte Stoss, "dass Markus mehr gearbeitet hat als ich und ich trotzdem bessere Zeiten gehabt habe." Beweis dafür ist, dass Stoss zahlreiche Nachwuchsrekorde des um knapp vier Jahre älteren Rogan verbessert hat.

Doch nun ist Stoss nicht so weit, wie Rogan in diesem Alter schon war. Grund ist eine dreijährige Phase in etwa ab der Heim-Kurzbahn-EM 2004, in der es für den in Kairo geborenen Zeitsoldaten nicht so lief. "Da hatte ich einen Durchhänger", erklärte Stoss und macht dafür vielleicht sogar indirekt die Trainingspartnerschaft mit Rogan verantwortlich. Nach seinem Wechsel in die Südstadt trainierte Stoss eineinhalb Jahre Seite an Seite mit Rogan, ehe dieser nach Italien wechselte.

Unterschiedliche Trainingseinstellung
"Das Training bei Markus war immer extrem ernst, total perfekt", berichtete der nunmehrige Union-Eisenstadt-Athlet." Er war immer total konzentriert, das hat nicht ganz zusammengepasst." Stoss bevorzugt eine lockere Atmosphäre. "Wir haben beim Training auch immer wieder Spaß." Gar nicht verstehen konnte Rogan, wenn ihm sein jüngerer Kollege Trainingszeiten nicht nennen konnte. Laut Rogan wäre das für einen kontrollierten Leistungsfortschritt wichtig."

Das alles ist in der Südstadt aber Geschichte und Stoss nun dort der männliche Top-Athlet. "Ich habe mir dann überlegt: 'Entweder ich trainiere gescheit, oder ich lasse es.' Mit der Olympia-Qualifikation hat der 1,93-m-Mann binnen nicht einmal einem Jahr neben seinen EM-Final-Platzierungen in Debrecen und Eindhoven nun einen weiteren zählbaren Erfolg. "Es ist jetzt für mich etwas Tolles, aber nicht der absolute Wahnsinn. Das werde ich erst nach der Karriere richtig einschätzen."

Kein Druck in Peking
Bis dahin hat Stoss aber noch einiges vor und auch die Möglichkeiten dazu. "Es gibt Bereiche, da sind 16-, 17-Jährige besser als ich. Da habe ich noch viele Möglichkeiten zur Steigerung." In Peking wird er aber einmal mehr im Schatten Rogans stehen. "Das ist sicher nicht schlecht, da erwartet niemand etwas von mir." Er selbst erhofft den Semifinal-Einzug und träumt vom Finale. "Da ist vielleicht nur eine Sekunde Unterschied. Nur die Top Fünf oder Sechs sind weg."

Stoss wird direkt nach Peking reisen, da er erst relativ spät im Olympia-Einsatz ist. Sein Trainer Robert Michlmayr ist mit Birgit Koschischek schon nach Hongkong abgereist. Bei Olympia wird der Fußball-Fan einen ihm passenden Speedo-LZR-Racer erhalten, bei den Staatsmeisterschaften zuletzt in Schwechat war er ihm noch zwei Nummern zu groß. Mit dieser "Wunderwaffe" am Körper könnte Stoss noch einmal ein Leistungssprung bevorstehen.

(apa/red)

31.7.2008 15:06
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