Olympia 2008

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4.8.2008 11:08

Menschenrechtsvorwürfe werden immer lauter: Schatten auf Olympischen Spielen

  • AI wirft IOC Versagen im Umgang mit China vor
  • "Zensur ist ein Verrat an den olympischen Werten"

Knapp eine Woche vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking spitzt sich die Debatte um Menschenrechte und Meinungsfreiheit im Gastgeberland China zu. Die Menschenrechts- und Gefangenenhilfe-Organisation Amnesty International wirft dem Internationalen Olympischen Komitee Versagen vor. Das IOC habe in Peking nicht wirklich darauf gedrängt, dass Zusagen in den Bereichen Menschenrechten und Pressefreiheit tatsächlich eingehalten würden, sagte die Generalsekretärin der deutschen Amnesty-Sektion, Barbara Lochbihler, in Zeitungsinterviews.

"Zensur ist ein Verrat an den olympischen Werten", betonte die AI-Funktionärin. In den sieben Jahren seit Vergabe der Spiele an Peking hätte das IOC auch "viel früher nachfragen müssen", ob das Versprechen der chinesischen Führung, für eine Verbesserung der Menschenrechtslage zu sorgen, eingehalten werde, sagte Lochbihler. Künftig müssten bei der Vergabe der Spiele bestimmte Forderungen nach Einhaltung der Menschenrechte zur Bedingung gemacht werden. Eine freie Berichterstattung sei durch die Internetzensur nicht möglich, es werde "eine neue Mauer" um die Spiele errichtet. Ob Zensur, Todesurteile oder Arbeitslager - China habe das Versprechen auf Verbesserungen der Menschenrechtslage gebrochen.

Die deutsche Grünen-Vorsitzende Claudia Roth forderte ihrerseits das IOC auf, die Zensur nicht "in stiller Kumpanei" hinzunehmen. Das IOC habe versprochen, dass ausländische Journalisten bei den Spielen ungehindert arbeiten könnten, jetzt werde diese Zusage "stillschweigend entsorgt", sagte Roth. Der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich überzeugt, dass China sich durch Olympia mehr öffnen werde. "Die Chinesen scheinen einzusehen, dass Freiheit und Menschenrechte die beste Basis für eine gute Zukunft sind", sagte Schäuble der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wir sollten Respekt vor der Entwicklung Chinas haben und vor der Größe der Probleme, die die chinesische Führung meistern muss, in einem Land mit eineinhalb Milliarden Menschen, von denen mehrere hundert Millionen noch immer unvorstellbar arm sind", sagte der Minister.

(apa/red)

4.8.2008 11:08
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