Olympia 2008

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31.7.2008 10:29

Zensur und Verhöre: Korrespondenten
klagen "Politik der Einschüchterung" an

  • Vospernik: Lässt uns an bestimmte Themen nicht ran
  • Journalisten dürfen sich in China nicht frei bewegen

Vor Beginn der Olympischen Spiele ist die Stimmung unter Medienvertretern in Peking alles andere als rosig. Die chinesische Regierung versuche alles, um eine kritische Berichterstattung zu unterbinden, weiß Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen (ROG) Österreich. "Die Hoffnung, dass Olympia hier auch etwas für die einheimischen Journalisten ändern könnte, haben sich leider zerschlagen", konstatiert die Asien-Korrespondentin des ORF, Cornelia Vospernik.

Dass Journalisten im offiziellen Pressezentrum entgegen der chinesischen Versprechungen keinen freien Zugang zum Internet haben, ist nur ein Aspekt. Im Umgang mit ausländischen Korrespondenten setzen die Machthaber vor allem auf eine "Politik der Einschüchterung", so Möhring. Vospernik berichtet von Zensur im Vorhinein, nämlich "dass man uns an bestimmte Themen nicht mehr ranlässt", nach dem Motto: "Terrortraining ist nur etwas für einheimische Teams".

Die Regierung will "eine saubere positive Sportveranstaltung" präsentieren, die aktuelle politische Situation, etwa die Tibetfrage, soll in der Berichterstattung tunlichst nicht zur Sprache kommen. Von Pressefreiheit, wie sie die chinesische Regierung zugesagt hatte, könne keine Rede sein, meint Möhring. "Die Regierung hatte versprochen, dass sich Journalisten im Land frei bewegen und Interviews mit Chinesen führen können. Dem ist nicht so. Schon allein, weil für den chinesischen Gesprächspartner das Risiko von Sanktionen zu hoch ist", so die ROG-Präsidentin.

Nach Interview verhört
Vospernik berichtet, dass einer ihrer inländischen Interviewpartner nach einem Dreh, bei dem es um mögliche Umsiedelungen wegen eines neuen Kraftwerkbaus ging, von der Polizei verhört wurde. Außerdem wimmle es nur so von "irgendwelchem Wachpersonal, das sofort aus Häusern stürmt, sobald man es wagt, irgendwo auf der Straße zu drehen".

Aber nicht nur die Polizei sorgt dafür, dass kritische Berichterstattung nur schwer zustande kommt. Laut Vospernik äußern sich auch völlig unbeteiligte Passanten über Drehs und versuchen, die Interviewpartner einzuschüchtern. "Es ist prinzipiell undenkbar, irgendetwas auf offener Straße zu drehen, ohne sofort eine Menschentraube um sich zu haben. Es herrscht eine Stimmung des Misstrauens und des Denunziantentums", so die ORF-Journalistin.

Deutsche Reporter berichteten zuletzt darüber hinaus von Drehgenehmigungen, die plötzlich zurückgezogen wurden, in einigen Fällen haben Polizisten Journalisten auch gezwungen, Aufzeichnungen und Videobänder herauszugeben. Nach wie vor sind im Reich der Mitte laut ROG mehr als 80 Medienvertreter inhaftiert. "Ironischerweise ist Olympia, das als Chance für die Öffnung verstanden worden ist, jetzt zum größten Hemmschuh für die weitere Öffnung geworden", erklärt Vospernik.

(apa/red)

31.7.2008 10:29
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