Donnerstag, 31. Juli 2008

Rapid knabbert an der Zypern-Blamage: Niederlage für Pacult "schwer verdaulich"

  • Durchhalteparolen: Team glaubt trotz 0:3 an Aufstieg
  • Nur kurze Pause wegen Muskelprellung bei Hoffer

Rapid hat einen der blamabelsten Auftritte einer österreichischen Mannschaft in der Geschichte des Europacups hingelegt. Das 0:3 im Zweitrunden-Hinspiel der Champions-League-Qualifikation auswärts gegen Anorthosis war nicht nur die höchste Niederlage eines heimischen Clubs gegen eine zypriotische Mannschaft überhaupt, er könnte auch weitere "historische Folgen" nach sich ziehen. Denn bisher verabschiedete sich noch kein rot-weiß-rotes Team in dieser Quali-Phase für die Königsklasse.

Nach der Bankrotterklärung auf der Insel scheint dieses Szenario aber äußerst wahrscheinlich, zumal das Auftreten des Meisters gegen den zypriotischen Titelträger wenig Grund zur Hoffnung für das Rückspiel im Wiener Hanappi-Stadion gab. So wurde etwa in 90 Minuten keine einzige auch nur halbwegs zwingende Torchance herausgespielt. Dennoch übte man sich im Lager der Grün-Weißen in Durchhalteparolen. "Im Sankt Hanappi sind schon einige Wunder passiert", meinte etwa Stefan Maierhofer, und Steffen Hofmann ergänzte: "Ich glaube, dass wir es noch schaffen können."

"Chancen sind sicher gering"
Auch Trainer Peter Pacult hat die Hoffnung auf ein Weiterkommen noch nicht ganz aufgegeben, musste jedoch zugeben: "Die Chancen sind sicher gering, aber ich war schon einmal dabei, als Rapid im Europacup ein 0:3 umgedreht hat", erinnerte der Wiener an das legendäre 5:0 von Rapid gegen Dynamo Dresden im Viertelfinale des Europacups der Cupsieger im März 1985, bei dem er selbst im Einsatz war und zwei Tore erzielte.

Allerdings gab Pacult auch zu bedenken: "Vielleicht passiert wieder ein Wunder, doch dafür brauchen wir eine klare Steigerung und viel mehr Aggressivität, als wir sie heute an den Tag gelegt haben." Auf eine öffentliche Abrechnung mit seiner Mannschaft verzichtete der Meistermacher jedoch. "Wir haben verdient verloren. Die Leistung werden wir intern besprechen."

"Will nicht alles schlecht reden"
Weiters meinte Pacult: "Ich will jetzt nicht alles schlecht reden. Man muss auch die Leistung des Gegners respektieren. Wir müssen in Österreich lernen, Gegner zu akzeptieren und sie nicht schlechter zu machen, als sie sind", forderte der frühere 1860-München-Coach und nahm seine Kicker zumindest teilweise in Schutz. "Ich will ihnen nicht den Willen absprechen, aber es ist uns nicht gelungen, Anorthosis so zu kontrollieren, dass wir eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel geschafft hätten."

Im Gegensatz zu weiten Teilen der österreichischen Öffentlichkeit hätten seine Kicker den zypriotischen Verein, in dessen 18-Mann-Kader 14 Legionäre standen, nicht unterschätzt. "Ich glaube weniger, dass die Spieler meine Warnungen nicht ernst genommen haben, aber wenn man Fehler macht, passieren eben Tore", so Pacult. Dabei sei zu Beginn alles weitgehend planmäßig gelaufen. "Bis zum 0:1 (Anm.: in der 35. Minute) haben wir eigentlich fast alles richtig gemacht. Aber wenn man dann viele Abspielfehler macht und nicht mehr sicher genug den Ball halten kann, bekommt man Probleme."

Das erste Gegentor sei zwar "aus heiterem Himmel" gefallen, dennoch ärgerte sich Pacult, dass es aus einem weiten Einwurf entstand. Genau davor hätte er sein Team im Vorfeld gewarnt, betonte der Coach. Das 0:2 nach einem weiten Pass, bei dem die Innenverteidigung neben den Schuhen stand, bezeichnete der Trainer als "bitter", und zusammen mit dem dritten Tor der Zyprioten in der 92. Minute kam eine Niederlage zustande, "die für mich nur schwer verdaulich ist", gestand Pacult.

Verärgerte Fans und ein verletzter Hoffer
Während der 48-Jährige die peinliche Schlappe weitgehend sachlich analysierte, trieb die Darbietung der Rapidler so manchem der über 100 mitgereisten Fans die Zornesröte ins Gesicht. Als sich die Spieler nach dem Schlusspfiff von den Anhängern verabschieden wollten, wurde ihnen eindeutig zu verstehen gegeben, sich schnellstmöglich in die Kabine zu begeben. "Ich verstehe die Reaktion der Fans", sagte Kapitän Hofmann, dessen Club neben dem 0:3 noch einen weiteren Tiefschlag einstecken musste.

Erwin Hoffer wurde eine Viertelstunde vor Schluss vom Platz getragen. Die Verletzung stellte sich als starke Muskelprellung an der linken Schulter heraus, der Stürmer muss daher nur wenige Tage pausieren. Hoffer war auf Zypern nach einem Foul unglücklich zu Fall gekommen und musste mit der Bahre vom Platz getragen werden. Zunächst war sogar ein Oberarm-Bruch befürchtet worden, was den Teamstürmer für viele Wochen außer Gefecht gesetzt hätte.

(apa/red)

31.7.2008 14:24