LASK-Präsident bleibt 'Sack voll Flöhe' treu:
Peter-Michael Reichel plant für die Zukunft
- Gastspiel von Real Madrid in jeder Hinsicht lehrreich
- Mehrere Bauprojekte und Hoffnung auf Ikone Vastic

·LASK verliert Test gegen Real Madrid
Linzer bei 2:3 mit einer ansprechenden Leistung
·Steckbrief vom LASK
aus Oberösterreich
Linzer ASK feiert den 100. Geburtstag
Der "königliche" Tross aus Madrid ist weitergezogen, Fußball-Bundesligist LASK nimmt seit Montag wieder die Mühen der Ebene in Angriff. Eine derzeit scheinbar spielend leichte Aufgabe. Die Gegenwart ist eine gute, hatte neben dem üppig zelebrierten 100-Jahr-Jubiläum sogar die Tabellenführung in petto. Präsident und Geschäftsführer Peter-Michael Reichel blickt im neunten Jahr seines Wirkens beim LASK freilich bereits in die Zukunft.
Als am Sonntagabend ein LASK-Gesandter in der Linzer Innenstadt Leberkäse orderte, war das Jubiläums-Spiel gegen Real Madrid noch im Gange. Ausgerechnet der spanische Star Raul hatte, vom Geschmack der Spezialität betört, um sechs mit dem deftigen Fleisch gefüllten Semmeln, die im Stadion nicht mehr aufzutreiben waren, gebeten und diese auch erhalten. An diesem Punkt hörte sich die Verbundenheit der "Galaktischen" mit Oberösterreich freilich schon wieder auf.
Immerhin hatte sich Reichel von der Professionalität des Real-Managements überzeugen dürfen. "Man kann da in jedem Gespräch dazulernen", sagte der Clubchef, der 2000, in den Nachwehen der Rieger-Ära, beim LASK eingestiegen war und für 2008 das Ziel eines Europacupplatzes ausgegeben hatte. Die Prognose ging fast auf, und Reichel, der ursprünglich aus der Textilbranche kommt, will auch in Zukunft ambitionierter Realist bleiben. Trotz aller Unwägbarkeiten in Sachen Fußball-Vereinsführung. Der blumige Vergleich: "Das ist so, wie wenn du jeden Tag einen Sack voller Flöhe ausschüttest und sie am Abend wieder einsammelst. Und das 365 Tage im Jahr."
Mehrere Stadionprojekte
Ein "Flohzirkusdirektor" ist Reichel dennoch nicht. Dagegen sprechen schon die Vorhaben in Sachen Stadionneubau. "Es gibt drei mögliche Projekte. Eines ist das Stadion über dem Linzer Hauptbahnhof, zwei davon liegen an der Peripherie", erklärte Reichel. Der Gemeinderat hat bereits beschlossen, den Bau standortunabhängig mit zehn Millionen Euro zu unterstützen. Reichel favorisiert das Bahnhofs-Oval über den Gleisen, das in einen neuen Linzer Stadtteil eingebettet wäre. "Wir sind sehr interessiert, wenn sich das Projekt rechnet. Es hat schon mehrere konstruktive Gesprächsrunden mit den ÖBB gegeben."
Vorläufig muss man sich mit einem Facelifting der 1952 errichteten Gugl zufriedengeben. "Der LASK wird in zwei Jahren neue Anlagen haben, der Businessclub neue Räumlichkeiten bekommen. Auch für den ,normalen' Fan wird alles viel schöner. Das Stadion wird etwa komplett neu bestuhlt, aber es wird auch eine Sektion mit klappbaren Sitzen geben." Auch die sportlichen Ziele sind klar: "Vier, fünf Mal im Europacup spielen und in der Liga fast immer an der Spitze dabei sein."
Vastic soll an Verein gebunden werden
Erhalten soll dem Club auf alle Fälle Galionsfigur Ivica Vastic bleiben - nicht nur als Spieler. "Ich wünsche mir, dass er ganz, ganz lange beim Verein bleibt. Er ist ein Multitalent", schwärmte Reichel. "Er will etwas schaffen, ist in alle strategischen Entscheidungen miteinbezogen. Es gibt sozusagen nichts, was ich nicht mit ihm bespreche." Reichel kann sich Vastic durchaus als Profitrainer der Athletiker vorstellen. "Allerdings erst, nachdem er den Nachwuchs trainiert hat. Das ist auch sein ausdrücklicher Wunsch. Er will sich da unbedingt langsam nach vorne arbeiten."
Auch im Marketing sie Vastic perfekt einsetzbar. "Weil er mit allen Leuten kann", erklärte Reichel. "Er ist überall, wo er hinkommt, irrsinnig beliebt." Reichel selbst möchte sich in Zukunft mehr und mehr aus dem operativen Geschäft herausnehmen, zusätzliche Managementposten für Finanzen und Verwaltung/Vertrieb sind angedacht. Ein Ende der Ära Reichel beim LASK ist aber nicht abzusehen. "Ich möchte sehr wohl die Fäden in der Hand haben", sagte der Clubchef.
(apa/red)
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