Sonntag, 3. August 2008

Heikki Kovalainen könnte auch anders:
Braver Helfer fügt sich aber in seine Rolle

  • Finne dankbarer Teamplayer bei McLaren-Mercedes
  • Kovalainen akzeptiert Rolle auch ohne eine Stallorder

Die Stimmung im Team McLaren-Mercedes war ausgelassen. Alle feierten sie einträchtig in orangen T-Shirts - von Teamchef Ron Dennis über die Mechaniker bis hin zu den Fahrern. Dabei hatte der Sieger im Grand Prix von Ungarn nicht wie prognostiziert Lewis Hamilton geheißen, sondern Heikki Kovalainen. Der Zweier-Pilot, den offiziell niemand als solchen bezeichnen will, gewann das erste Rennen seiner Formel-1-Karriere.

Schnell waren WM-Leader Lewis und Vater Anthony Hamilton zur Stelle, um dem Finnen dazu zu gratulieren. Bei McLaren herrscht eine Eintracht, wie sie noch vor einem Jahr kaum für möglich gehalten worden war. Damals hatte ein erbittertes Stallduell zwischen Doppel-Weltmeister Fernando Alonso und Hamilton die Schlagzeilen bestimmt. Am guten Klima hat auch Kovalainen seinen Anteil: Der 26-Jährige ist deutlich angepasster als sein Vorgänger.

Kovalainen scheint sich mit seiner Rolle angefreundet zu haben. Der Blondschopf aus Suomussalmi im Nordosten Finnlands ist bei McLaren die Nummer zwei. Auch wenn Dennis das immer wieder dementiert. "Das Team ist zu hundert Prozent auf Gleichberechtigung aufgebaut", betonte der Teamchef. "Niemand wird bevorzugt." Doch erst vor zwei Wochen in Hockenheim hatte Kovalainen Hamilton passieren lassen, um dessen Sieg nicht zu gefährden.

Kovalainen auch ohne Stallorder brav
Dazu hatte es keiner Stallorder bedurft, versicherte Dennis. Denn Kovalainen ist ein Teamplayer. "Er war langsamer, also hat er Lewis vorbei gelassen. Ich habe selten einen so ehrlichen und fairen Menschen kennen gelernt." Für seine Geduld wurde Kovalainen in Ungarn belohnt, als er von den technischen Gebrechen der Topfavoriten profitierte. Erst Angang Juli hatte er in Silverstone auch seine erste Pole Position herausgefahren.

Seine Formel-1-Karriere hatte der ehemalige Schützling von Flavio Briatore im Vorjahr bei Renault begonnen, nachdem er davor bereits ein Jahr als Testfahrer für den Rennstall gearbeitet hatte. Wie Hamilton hatte er 2007 in Australien in der Königsklasse debütiert. Davor war Kovalainen 2005 hinter Nico Rosberg Vizemeister in der GP2 geworden. Außerdem hat der Finne den Meistertitel 2004 in der World Series by Nissan auf seiner Visitenkarte stehen.

Genügsamer Charakter
Bei McLaren gilt Kovalainen als Frohnatur, privat gibt sich der 26-Jährige im Gegensatz zu seinem für diverse Eskapaden bekannten Landsmann Kimi Räikkönen aber eher zurückhaltend. Kovalainen ist mit einer britischen Sportstudentin liiert, das Paar will am 10.10.2010 heiraten. Seine Urlaube verbringt der Ungarn-Sieger am Liebsten in seiner Heimat beim Fischen - so auch den kommenden bis zur Premiere des Valencia-GP am 24. August.

Erst am Donnerstag war Kovalainen auch für die kommende Saison als zweiter McLaren-Pilot neben Hamilton bestätigt worden. "Das ist erst der Anfang meiner McLaren-Karriere", hatte Kovalainen angekündigt. "Um ehrlich zu sein wäre ich glücklich, wenn ich meine Karriere bei diesem Team beenden könnte." Sollte er sich weiterhin als ebenso angepasster wie zuverlässiger Helfer erweisen, stehen seine Chancen dafür gar nicht so schlecht.
(apa/red)

3.8.2008 20:01
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