Freitag, 1. August 2008

König Rogers Ära neigt sich dem Ende zu:
Verlust der Weltranglistenführung absehbar

  • Niederlage im Cincinnati-Achtelfinale hat Folgen
  • Roger Federer saß seit 2004 fest im Tennisthron

Die Ära von Roger Federer auf dem Tennisthron neigt sich dem Ende zu. Der Schweizer scheiterte im Achtelfinale des Masters-Turniers in Cincinnati am Kroaten Ivo Karlovic mit 6:7(8),6:4,6:7(5). Dauerrivale Rafael Nadal zog dagegen mit einem 6:4,7:6(0)-Triumph über den Deutschen Tommy Haas ins Viertelfinale ein.

Nadal rechnete nach seinem 31. Sieg in Folge laut vor, wie er nach drei Jahren als Nummer zwei Federer endlich überholen kann und stellte dann mit Blick auf sein Viertelfinale gegen Nicolas Lapentti aus Ecuador fest: "Das wird ein wichtiges Spiel." Mit einem Erfolg über den Weltranglisten-89. würde der Spanier spätestens am 18. August die Spitzenposition übernehmen.

Im Falle einer Final-Teilnahme in Cincinnati wäre Nadal auch auf dem Papier bereits am 11. August vorn, mit einem Turniersieg schon am kommenden Montag und damit noch vor Olympia. Selbst eine Niederlage gegen den einstigen Top-Ten-Spieler Lapentti könnte Federers Sturz kaum noch verhindern: Der Schweizer müsste Olympiasieger werden und Nadal in Peking in der ersten oder zweiten Runde scheitern.

Federer seit 2004 Weltranglisten-Erster
Federer, der seit 2. Februar 2004 an der Spitze der Weltrangliste steht, erwies sich trotz der Hiobsbotschaft einmal mehr als echter Sportsmann. "Nadal verdient es, die Nummer eins zu sein. Er hat die French Open und Wimbledon gewonnen", sagte der Schweizer, der zugleich aber erinnerte, dass auch der Spanier vor kurzem zittern musste: "Hätte er im Mai in Hamburg gegen Novak Djokovic verloren, hätte ihn Novak auf Platz drei verdrängt. Seither gelang Nadal aber alles. Es ist schier unglaublich, was er in den letzten Monaten geleistet hat."

"Die Nummer eins war in den letzten Jahren immer sehr, sehr wichtig für mich. Aber ich spiele nicht, um die Nummer eins zu sein, sondern um Turniere zu gewinnen", betonte Federer, der am Donnerstag gegen Karlovic die erste Niederlage im siebenten direkten Duell kassierte. "Karlovic ist der beste Aufschläger auf der Tour. Er ist der einzige, gegen den ich beim ersten Aufschlag spekulieren muss, um überhaupt eine Chance zu haben", sagte Federer über seinen Kontrahenten, der 22 Asse schlug, aber trotz des Sieges kein einziges Break schaffte.

Olympia im Visier
Der Blick von Federer, dem wankenden Tenniskönig, ist bereits auf Olympia gerichtet: "Für mich hat das Turnier in Peking den gleichen Stellenwert wie ein Grand-Slam-Turnier. Mir ist aber auch klar, dass das nicht für alle Spieler gilt. Ich bin ein Spezialfall, weil ich schon so viele Grand-Slam-Titel gewonnen habe. Vor vier Jahren in Athen war mein Abschneiden als Favorit enttäuschend (Aus in der 2. Runde, Anm.), dennoch stellten auch diese Spiele ein Riesenerlebnis dar, weil ich an der Eröffnungsfeier die Schweizer Flagge ins Stadion tragen durfte."
(apa/red)

1.8.2008 19:00