Sonntag, 3. August 2008

Welt-Aids-Kongress 2008 beginnt in Mexiko:
Annie Lennox warb für verstärkten Kampf

  • Wissenschaftler und Politiker suchen nach Lösungen
  • Viel mehr Neuinfektionen in USA als angenommen

Vor Beginn einer internationalen Aids-Konferenz in Mexiko hat die Popsängerin Annie Lennox zu verstärkten Anstrengungen im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit aufgerufen. Gleichgültigkeit stelle dabei eine Bedrohung dar, erklärte Lennox in Mexiko-Stadt. Das Thema sei weiterhin von äußerster Dringlichkeit, sagte die Sängerin, die an der Konferenz als Botschafterin der Hilfsorganisation Oxfam teilnimmt. Lennox, die auch als Repräsentantin für Nelson Mandelas Aidshilfe-Initiative "46664" aktiv ist, verwies darauf, dass täglich 1.000 Südafrikaner an Aids sterben würden und Millionen Infizierte keinen Zugang zu medizinischer Behandlung hätten.

Zu der Konferenz "AIDS 2008" werden nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 20.000 Experten und 3.000 Journalisten in Mexiko-Stadt erwartet. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon wollte die Tagung am Sonntag gemeinsam mit dem mexikanischen Präsidenten Felipe Calderon eröffnen. Die UN-Organisation UNAIDS - das Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids - ist Mitveranstalter des Treffens, das bis zum 8. August dauert.

Es handelt sich bereits um die 17. Konferenz dieser Art und gleichzeitig das größte und vielfältigste Treffen zu globalen Gesundheitsproblemen, wie die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) mitteilte. Einschlägigen Statistiken zufolge leiden weltweit mehr als 33 Millionen Menschen an Aids, und jedes Jahr kommen rund 2,5 Millionen Neuinfektionen hinzu. Rund 95 Prozent der HIV-Infizierten leben in Entwicklungsländern, mehr als zwei Drittel davon in Afrika südlich der Sahara. Dort ist Aids die häufigste Todesursache überhaupt.

Neuinfektionen in USA massiv gestiegen
Die Gesundheitsbehörden in den USA gaben unterdessen bekannt, dass die Zahl der Neuinfektionen im Land deutlich höher liegt als nach bisherigen Schätzungen. In den vergangenen zwölf Jahren waren die zuständigen Stellen von jährlich 40.000 Neuinfektionen ausgegangen, tatsächlich waren es 2006 rund 56.300. Die höhere Zahl sei allerdings auf bessere Bluttests und neue Statistikmethoden zurückzuführen, nicht auf eine Ausweitung der Epidemie, erklärten Experten.

Die neue Schätzung des US-Zentrums für Seuchenkontrolle und Vorbeugung (CDC) sollte am Sonntag vorgestellt werden. "Dies ist die zuverlässigste Schätzung seit Beginn der Epidemie", sagte CDC-Direktorin Julie Gerberding. Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass die USA ihr Augenmerk angesichts der neuen Datenlage künftig verstärkt auf den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit im eigenen Land richten.

(apa/red)

3.8.2008 14:10