Ziel einer Hexenjagd muslimischer Medien?
Karadzic hält faires Verfahren für undenkbar
- Beschuldigt die Presse der frühzeitigen Verurteilung
- PLUS: USA haben 1996 keine Immunität versprochen
·Karadzic bei erster Anhörung unbewegt
Ex-Präsident verließ sich auf "unsichtbaren Anwalt"
·Proteste in Belgrad: Steine und Brandsätze
BILDER: Ausschreitungen
in Serbiens Hauptstadt
·INFOGRAFIK: Was in Den Haag passiert
Kriegsverbrecher-Tribunal besteht seit 1993
·Hintergrund: Was passiert mit Karadzic?
Prozessbeginn erst in einigen Monaten erwartet
·Die Anklage gegen Radovan Karadzic
Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
·Partei und Behörden unterstützten Karadzic
Sonderstaatsanwalt in Serbien erhebt Vorwürfe
·Karadzic wurde durch
seine Stimme entlarvt
Anonymer Anruf brachte entscheidenden Hinweis
·Sein Leben: Radovan Karadzic im Porträt
Vom Mediziner zum Politiker und Dichter
·Langer Vorlauf zur Karadzic-Verhaftung
50 Beamte observierten
'Dragan Dabic' 2 Monate

Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Radovan Karadzic hält ein faires Gerichtsverfahren vor dem UNO-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) gegen sich für "undenkbar". In seiner vier Seiten lange Rede, die Karadzic bei seinem ersten Auftritt vor dem Haager Gericht verlesen wollte, erklärte der angeklagte frühere Führer der bosnischen Serben, dass er von internationalen Medien bereits zum Kriegsverbrecher erklärt worden sei. Richter Alphons Orie unterband die Ausführungen Karadzics und forderte ihn auf, sie dem Tribunal nachträglich zuzustellen.
Er sei das Ziel einer Hexenjagd der muslimischen Medien noch vor dem Bosnien-Krieg im Jahr 1992 geworden, als die einzigen Opfer dort bosnische Serben gewesen seien, so Karadzic in seiner geplanten Rede, die er Belgrader Medien zufolge nun dem Tribunal zuleitete. Es sei undenkbar, zu glauben, dass er vor dem Haager Gericht je von den Beschuldigungen freigesprochen werden könnte.
Karadzic will sich vor dem Haager Gericht selbst verteidigen. Die Entscheidung darüber liegt allerdings beim Tribunal. Zur Anklage, die ihm u.a. Völkermord vorwirft, soll er sich erst am 29. August äußern, nachdem er dies am ersten Verhandlungstag nicht tun wollte, zumal die Anklageschrift auch abgeändert werden soll.
Keine Immunität versprochen
Die USA haben Äußerungen Karadzics zurückgewiesen, ihm sei von amerikanischer Seite Straffreiheit im Gegenzug für den Rückzug aus der Öffentlichkeit offeriert worden. "Botschafter (Richard) Holbrooke und wir haben mehrfach klar gemacht, dass niemals eine Vereinbarung getroffen wurde, in welcher Radovan Karadzic Immunität von Strafverfolgung oder Haft angeboten wurde", erklärte US-Außenamtssprecher Sean McCormack in einer von der Wiener US-Botschaft übermittelten Aussendung.
Der damalige Unterhändler in Bosnien-Herzegowina Holbrooke und US-Vertreter, die zu jener Zeit in Verhandlungen eingebunden gewesen seien, hätten dies bei zahlreichen Gelegenheiten bekräftigt, fügte McCormack hinzu. Nach Darstellung der USA verhandelten US-Vertreter im Juli 1996 mit serbischen Führern, um vom bosnisch-serbischen Präsidenten Karadzic eine unterschriebene Zusicherung zu erhalten, dass er sich aus der Politik und aus dem öffentlichen Leben zurückzieht: "Keine Verpflichtungen, die Karadzic Immunität garantieren, wurden im Gegenzug angeboten." (apa/red)
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