Karadzic vor UN-Kriegsverbrechertribunal:
Moniert Unregelmäßigkeiten bei Festnahme
- Ex-Präsident wird sich in Den Haag selbst verteidigen
- Will sich erst zu abgeänderter Anklageschrift äußern

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BILDER: Ausschreitungen
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Kriegsverbrecher-Tribunal besteht seit 1993
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Prozessbeginn erst in einigen Monaten erwartet
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Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
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Chronologie der Tötung von 8.000 Bosniaken
Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte bosnisch-serbische Ex-Präsident Radovan Karadzic ist erstmals dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag vorgeführt worden. Äußerlich unbewegt verfolgte der Politiker die Verlesung der Anklage. Ihm werden Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit währen des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 vorgeworfen. Der Angeklagte sagte, es habe Unregelmäßigkeiten bei seiner Festnahme gegeben.
Karadzic äußerte sich zunächst nicht zur Anklage und sagte, er wolle zunächst die geänderte Anklageschrift genau studieren. Der Angeklagte hat 30 Tage Zeit, um sich für schuldig oder nicht schuldig im Sinne der Anklage zu erklären. Sollte er schweigen, wird dies automatisch als "nicht schuldig" gewertet. Eine neue Anhörung wurde für den 29. August anberaumt. Chefankläger Serge Brammertz geht davon aus, dass der Prozess gegen Karadzic in einigen Monaten beginnen kann.
Karadzic will sich vor dem Kriegsverbrechertribunal selbst verteidigen. Er erklärte vor Gericht: "Ich habe einen unsichtbaren Berater, aber ich habe mich entschieden, mich selbst zu vertreten." Karadzic folgt damit dem Vorbild des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic. Dieser war 2006 im Haager Gefängnis kurz vor der Urteilsverkündung nach einem vier Jahre dauernden Prozess verstorben.
Unregelmäßigkeiten bei Festnahme?
Karadzic sagte vor dem Tribunal in seinen ersten Einlassungen, bei seiner Festnahme habe es Unregelmäßigkeiten gegeben. Er zog die offiziellen Belgrader Angaben zu Zeit und Ort der Festnahme in Zweifel. Darüber hinaus verwies er auf einen mehrseitigen Schriftsatz, in dem er sich zu den Vorgängen bis zu seiner Festnahme äußere. Er erhielt jedoch zunächst keine Gelegenheit, dieses Schreiben mündlich vorzutragen.
Karadzic wird zusammen mit dem noch flüchtigen Ex-General Ratko Mladic für die 43-monatige Belagerung Sarajevos und das Massaker an 8.000 bosnischen Muslimen 1995 in Srebrenica verantwortlich gemacht. Letzteres gilt als eines der grausamsten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. (apa/red)
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