Freitag, 1. August 2008

"Genug gestritten" lautet die rote Botschaft:
SP-Wahlplakat setzt voll auf Marke Faymann

  • NEWS bat den SPÖ-Spitzenkandidaten zum Gespräch
  • Der Parteichef will frustrierte Wähler zurückgewinnen

Da staunte so mancher Vertraute des SPÖ-Spitzenkandidaten Werner Faymann nicht schlecht, als er einer kleinen Runde sein erstes Wahlplakat enthüllte. Immerhin lautet die einzige Botschaft darauf: "Genug gestritten." Das NEWS exklusiv vorliegende Werbesujet wurde von Österreichs erfolgreichster Werbeagentur Demner, Merlicek & Bergmann konzipiert.

Mariusz Jan Demner erklärt im NEWS-Gespräch, warum er auf den nach den monatelangen SPÖ-Querelen gewagten Slogan setzt: "Was wir gemeinsam konzipiert haben, ist ein Wahlkampf völlig neuen Stils, den Werner Faymann repräsentiert. Sehr viele Menschen sind verdrossen über das, was die Regierung im Streit nicht zustande gebracht hat. Mit dem Slogan soll gezeigt werden, dass unter Faymann Schluss mit dem Streit sein wird." Der rote Spitzenkandidat werde "seine politischen Gegner nicht angreifen, sondern für konstruktive Zusammenarbeit stehen". Der "Streit in der Koalition hat sowohl SPÖ als auch ÖVP geschadet. Die Österreicher haben diese unproduktiven Auseinandersetzungen satt", so Demner.

Schluss mit Streit
Die bekannte Modefotografin Elfie Semotan hat Faymann für sein erstes Wahlplakat abgelichtet. Allerdings sei er darauf "nicht wie sonst üblich retouchiert worden", erzählt Faymann lachend. Der rote Spitzenkandidat ist jedenfalls "sehr zufrieden" mit dem Sujet und der Botschaft "Genug gestritten". Auch, wenn ihm "klar ist, dass ich mich auf jede Menge Diskussionen einlassen werden muss", wie er im Interview betont. Tatsächlich läuft der rote Kanzlerkandidat mit seiner Message Gefahr, von ÖVP und Oppositionsparteien daran "erinnert" zu werden, dass ja gerade die SPÖ besonders viel gestritten hat.

NEWS: Die Botschaft Ihres ersten Wahlplakats, "Genug gestritten", ist schon ein wenig überraschend, nicht?
Faymann: Mir ist natürlich klar, dass die Oppositionsparteien da für Wirbel sorgen werden. Ich stelle mich auf Diskussionen ein, sobald das Plakat affichiert wird. Aber wir werden den Menschen erklären, dass wir für einen anderen Stil als den bisherigen, von Streit geprägten stehen. Wir sind an Lösungen interessiert und haben das in den letzten Wochen auch gelebt. Wir wollen eine höhere Inflationsanpassung für Pendlerpauschale und Kilometergeld, eine vorgezogene Steuerreform in der Höhe von drei bis vier Milliarden Euro. Für mich stehen Lösungen im Vordergrund.

NEWS: Genau an diesen "Lösungen" hat es in den letzten Monaten in der rot-schwarzen Koalition aber gemangelt.
Faymann: Ja, der Streit und die Blockadepolitik von Wilhelm Molterer haben zum Beispiel eine Lösung in der Gesundheitsreform verhindert. Das ist schlecht für die Menschen. So etwas darf nicht mehr passieren. Wir präsentieren unsere Vorschläge der Entlastung und wollen den Menschen so schnell wie möglich helfen. Und den Streit endlich hinter uns lassen.

NEWS: Aber besonders viel ist ja in der SPÖ selbst gestritten worden. Vergessen?
Faymann: Nein, aber ich sage: "Strich darunter." - Sowohl unter den Streit in der Koalition als auch unter den innerhalb der SPÖ. Mir geht es jetzt darum, den Menschen, die ja unter der hohen Inflation sehr leiden, schnell zu helfen.

NEWS: Aber warum sollte man Ihnen nach den ewigen SPÖ-internen Streitigkeiten glauben, dass das damit jetzt beendet sei?
Faymann: Weil ich quer durch Österreich spüre, wie die SPÖ wieder eine Einheit entwickelt. Ich will wieder eine geschlossene Partei. Und genau auf diesem Weg sind wir. Das heißt nicht, dass es nicht auch unterschiedliche Meinungen in Sachfragen geben kann. Es wird ab jetzt nicht nur ein Satz von oben diktiert, der dann zu gelten hat. Aber der unproduktive Streit ist vorbei.

Die ganze Story lesen Sie im NEWS 31/08!

1.8.2008 21:41