Donnerstag, 24. Juli 2008

Aston Martin lässt sich in Graz nieder:
Briten lassen den Rapide bei Magna bauen

  • Aston-Martin-Chef Ulrich Bez im news.at-Interview
  • Ein Schwabe an der Spitze der britischen Nobelmarke

Die englische Edelschmiede, einst ein Fall für den Schrotthändler, hat ein sensationelles Comeback hingelegt. Und dahinter steht ausgerechnet ein Deutscher, der früher bei Porsche Gas gab. NEWS-Motorchef Axel Meister hat Ulrich Bez besucht.

Wenn Ulrich Bez, 64, Gas gibt, dann ordentlich. Sei es privat, wenn er seiner – man möchte sagen: logischen – Leidenschaft frönt, dem Rennfahren. Oder wenn es um einen neuen Businesscase in seinem Job geht. Der Mann ist nämlich trotz seines unüberhörbar schwäbischen Sprachduktus Chef der ur-britischen Sportwagenmarke Aston Martin.

Und dem promovierten Luftfahrt-Ingenieur aus Bad Cannstadt ist gelungen, was Mega-Hersteller Ford, unter dessen Fittichen die Marke von Anfang der Siebziger bis voriges Jahr stand, nicht zusammengebracht hatte: Bez (schon zu Zeiten der US-Herrschaft oberster Kopf der Marke) hat Aston Martin wieder in die Gewinnzone gepusht.

Dem englischen Stil verschrieben
Aston Martin war die wohl am stärksten derangierte aller Luxusmarken. Als Bez in Graydon antrat, verkaufte die Marke gerade 700 Autos im Jahr, zuletzt hatte Bez die Absatzzahlen auf 7250 hoch gepusht. Das Geheimnis dabei ist, dass alle Autos, die unter der Regie des quirligen Deutschen entstanden sind, sich zwar komplett neu präsentierten, aber den englischen Stil, der die Marke einst berühmt machte, nicht verleugnet. Ohne aber einem abgeschmackten Retro-Stil zu huldigen. Bez, selbstbewusst: "Seit 2004 ist Aston Martin im operativen Bereich wieder profitabel. Seit 2000 haben wir die Stückzahlen verzehnfacht, ohne dabei die Marke verwässert zu haben."

Nach Engagements bei Porsche, BMW und noch einmal Porsche verschlug es Doktor Bez nach Korea zu Daewoo, wo er die asiatische Gelassenheit kennen- und schätzen lernte. Eine gute Schule, denn Nerven brauchte er bei Ford auch.

Fast Magna-Chef
Dabei wäre Bez damals fast Chef von Magna geworden statt zu Ford zu wechseln. "Ich hab sogar schon unterschrieben gehabt, aber dann hat sich der damalige PAG-Chef Wolfgang Reitzle in ellenlangen Telefonaten mit Sigi Wolf geeinigt."

Jetzt ist Bez wieder bei Magna gelandet – diesmal als Kunde. Ab Mitte nächsten Jahres wird am Magna-Gelände in einem eigenen Werk der Aston Martin Rapide gefertigt. "Unser Hauptwerk in Gaydon ist am Limit. Wir mussten aussourcen", so Bez. Doch ursprünglich hätte nicht der Viertürer in Österreich gebaut werden sollen, sondern der V8 Vantage. "Weil das aber tiefgreifenderer Veränderungen bedurft hätte, haben wir uns anders entschieden und bauen doch den Rapide in Graz."

(Axel Meister - NEWS Motorchef)

24.7.2008 17:48