Mittwoch, 23. Juli 2008

On Tour: Faymanns Kampf um die SPÖ

  • Stärken & Schwächen des roten Frontmanns

Er sei „nicht greifbar“, ein „undurchsichtiger“ Technokrat der Macht, ein „Mann ohne Eigenschaften“, hört man immer wieder. Ist Werner Faymann etwa der Fleisch gewordene „Ulrich“, jener Protagonist aus Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“, mit dem der rote Spitzenkandidat so gerne von der politischen Konkurrenz, manch einem Parteifreund und einigen Medien verglichen wird?

NEWS begleitete den 47-jährigen SP-Frontmann auf Wahlkampftour durch die Steiermark und Salzburg, um den „Eigenschaften“ des scheinbar rätselhaften Politikers auf den Grund zu gehen, um zu sehen, wie denn die potenziellen Wäh­ler auf den freundlich und stets lächelnden Mann mit den grau melierten Haaren reagieren.

„Sympathisch, aber …“ Die Menschen – die, die gerne als „kleine Leute“ dargestellt werden – sind skeptisch. Nicht wegen ihm, wegen der Politik insgesamt. Im Tauerntunnel etwa, da, wo der rote Infrastrukturminister vergangenen Freitag einen neuen Abschnitt eröffnete, sind die Arbeiter so richtig grantig „auf die da oben“. „Die reden immer nur viel, aber für uns machen die nichts“, echauffiert sich einer. „Na ja, er wirkt sympathisch, aber hält er, was er verspricht?“, fragt sich ein anderer.

Faymann, der gebürtige Wiener mit der großen Leidenschaft für den Lido di Venezia, be­müht sich redlich. Er schaut den Menschen, den angefressenen potenziellen (Strache-)Wählern tief in die Augen. Er saugt jedes Wort auf, hört ruhig zu, sagt nur dann und wann was. Er will einen „anderen“ Wahlkampf führen, sagt er selbst. Er weiß, dass die Glaubwürdigkeit seiner Partei in den eineinhalb Jahren rot-schwar­zer Regierung unendlichen Schaden erlitten hat – wegen der vielen gebrochenen Wahlversprechen, der nicht abgeschafften Studiengebühren, der Eurofighter und überhaupt, „weil die sich dauernd von den Schwarzen über den Tisch ziehen haben lassen“, wie man es quer durch Österreich immer wieder hört.

Faymann, der Vater zweier Töchter, kämpft nicht nur für seine eigenen Ecken und Kanten, er kämpft auch gegen das Image seiner Partei an. Ihm bleiben nur noch neun Wochen bis zur Wahl. Und die Eigenschaftslosigkeit? Für ihn sind „das Untergriffe, die einem im Wahlkampf begegnen“. Und doch scheinen ihn diese Abqualifizierungen zu treffen. Der ehemalige Wiener Wohnbaustadtrat, der in Rekordtempo an die SP-Spit­ze gestürmt ist, hat tatsächlich viele Seiten. Sein Lieblingsfilm ist „La vita è bella“, wo ein Vater seinem kleinen Sohn in einem Konzentrationslager der Nazis die grauenvolle Wirklichkeit durch ein fantasievolles Spiel erleichtert. Sein liebstes Theaterstück hingegen ist Nestroys „Einen Jux will er sich machen“.

Gegensätzliche Werke, die Faymann doch gut beschreiben. In der steirischen Ramsau lässt er sich neckisch mit einer roten Kuh fotografieren. Auf einem Bauernhof in Salzburg hört er ernsthaft zu, als ihm die Betreiber von den „Problemkindern aus Wien“, berichten, die sie hier betreuen. Er weiß auch seine widerspenstigen Landeshauptleute zu besänftigen, jene, die seinen Vorgänger an der SP-Spitze, Alfred Gusenbauer, so unerbittlich verjagt hatten. Salzburgs Gabi Burgstaller etwa schwärmt von der „guten Kommunikation“ mit ihm. Fast täglich telefoniert er mit seinen Landesfürsten. Er weiß, wie schnell ihm ein ähnliches Schicksal wie Gusenbauer blühen könnte. Er kann auch hart sein, etwa wenn er „einmal eine Linie eingeschlagen“ habe, wie er selbst sagt. Und sein Lieblingslied von den Rolling Stones „Time Is On My Side“ ist mit Bedacht gewählt. So wie er überhaupt auf jedes Wort achtet, wohl um die selbstzerstö­rerischen Sager seines Vorgängers zu vermeiden. Verschlossen-kalkulierend, wenn er Fallen wittert, doch offen-zugänglich, wenn er Vertrauen spürt.

Die ganze Geschichte finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin

23.7.2008 15:35