Olympia-Stätte China am Prüfstand: Alle Schattenseiten des Mega-Wirtschafts-Booms
- FORMAT: Risiken lauern hinter Rekordmeldungen
- Check zum Durchklicken: Von Inflation bis Klimahölle
Die Stadien sind fertig gestellt, 80.000 Sicherheitskräfte haben Stellung bezogen, die Algen sind rechtzeitig vor dem Segelwettbewerb aus dem Meer gefischt. Tausende freiwillige Helfer stehen bereit, unter größter Geheimhaltung probt der Großmeister des chinesischen Kinos, Zhang Yimou, die Eröffnungszeremonie. Die Besucher, die auf dem Schwarzmarkt bis zu 50.000 Dollar für die Tickets zahlen, werden keinen Schirm brauchen, denn rechtzeitig vor dem Start der Olympischen Spiele werden Kampfflieger die Wolken über Peking mit Silberiodid besprühen, damit etwaiger Regen vorher fällt. Die kommunistische Führung in Peking überlässt nichts dem Zufall: Bei dieser Olympiade präsentiert sich China als eine globale Wirtschaftsmacht, die imstande ist, die größten Herausforderungen zu meistern. Und sie hat allen Grund zu ihrem inszenierten Stolz.
Vor 30 Jahren war China noch ein Entwicklungsland, in dem 65 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebten und große Hungersnöte eher die Regel als die Ausnahme waren. Dann krempelte die kommunistische Führung das Wirtschaftssystem um, führte vorsichtig die Marktwirtschaft ein und verwandelte China in die Werkbank der Welt. Der Westen tröstete sich mit seiner technologischen und politischen Überlegenheit und übersah dabei fast, was im Osten geschah: In den vergangenen Jahren ist China zur Weltmacht geworden.
Handelsdefizit EU-China wächst täglich um 15 Mio. Euro
China ist nicht nur der größte Produzent von Düngemitteln, Edelstahl, PVC, Klimaanlagen, Schuhen, Fischen und Vitaminen und der größte Konsument von Kohle, Stahl, Aluminium und Eisenerz weltweit. Es hortet 1,8 Billionen Dollar an Devisenreserven und legt derzeit jede Minute mehr als eine Million Dollar dazu. Das Handelsdefizit der EU mit China wächst jeden Tag um 15 Millionen Euro. Das größte Unternehmen der Welt sitzt nicht mehr in den USA: Es ist Petrochina. Amerikanische Banken, norwegische Ölfelder, australische Minen, europäische Traditionsunternehmen wechselten in den letzten drei Jahren den Besitzer - nach China. In Afrika fürchten die USA und die EU um ihren Einfluss: China kontrolliert die Ölfelder im Sudan, in Nigeria und in Angola, die Minen im Kongo und in Simbabwe, und die Afrikaner freuen sich über die umkomplizierten Geschäftspartner. Und 2008 - zeitgleich mit den Olympischen Spielen - überholt China Deutschland und wird zur drittgrößten Wirtschaftsmacht der Welt - und zum globalen Exporteur Nummer eins.
Doch hinter dem Glitzer der olympischen Bauten und den Rekordmeldungen über die chinesische Wirtschaft lauern Risiken, die die Rally Chinas immer prekärer machen.
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