Meinl-Gegner liegen Kopf an Kopf: Rebellen haben im Kampf um MIP & MAI Nase vorn
- Proschofsky gegen Haider im Kampf um MIP-Zukunft
- FORMAT: Setzt Grasser Zertifikate als Joker ein?

·"Moralische Pflicht": Grasser bleibt bei MIP
Meinl-Power-Chef Haider droht wieder Rücktritt an
·Meinl Bank & Grasser
verkaufen Meinl Power
Anteile werden um 32
Millionen Euro veräußert
·Schadenersatz: MEL-
Anleger klagen FMA
Republik soll dreistelligen Millionenbetrag zahlen
·Ein rosa Sparschwein und die Heuschrecken
INFO: Die Chronologie von Meinl European Land
Zuletzt verlief es in der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) ganz besonders hektisch. Grund dafür waren die Vorgänge in den Meinl-Gesellschaften MAI (Meinl Airports International) und MIP (Meinl International Power). Denn in einem von den Unternehmen eigens ausgewählten Prozedere wurde der OeKB eine Mittlerrolle bei der Anmeldung zu den am Montag stattfindenden Hauptversammlungen von MAI und MIP zugeschoben. Die Folge: Die Bank, in der Kontakt zu Kleinanlegern eher die Ausnahme ist, wurde mit Tausenden Anmeldeformularen bombardiert. Nun musste die gesamte Kapitalmarktabteilung der OeKB einspringen, um Ordnung in das Meinl-Chaos zu bringen. Dem Vernehmen nach soll sogar ein Faxgerät wegen Überlastung den Geist aufgegeben haben, worauf sich einige Meinl-Zertifikateure mit Fahrradboten beholfen hätten.
Was die Anleger derart mobilisiert, dass sie sich der Tortur eines vierseitigen Anmeldeformulars auf Englisch unterziehen, ist ein absolutes Novum in der heimischen Börsengeschichte: Demnächst soll nämlich in der Wiener Stadthalle und zugleich im Hotel de France auf Jersey das Management von MAI und MIP gestürzt werden. Die Rebellen, wie sie landläufig genannt werden, rund um Investorenvertreter Alexander Proschofsky wollen das gesamte Board austauschen und alle Verbindungen mit der Meinl Bank kappen. Zuvor sollen die Zertifikatsinhaber aber noch über einen zweiten Vorschlag abstimmen: Die amtierenden Manager - bei MIP Ex-Verbund-Chef Hans Haider, bei MAI Louis Turpen - stellen auch eine Trennung von der Meinl Bank und einigen Direktoren in Aussicht, allerdings für Ablösen von 32 (MIP) beziehungsweise 35 Millionen Euro (MAI). Das Match dürfte nach FORMAT-Recherchen äußerst knapp ausfallen, mit leichten Vorteilen für die Rebellen. Für jede der Varianten müssten die Gruppen jeweils 50 Prozent des anwesenden Kapitals hinter sich vereinigen.
Sorgen bei Stimmenregistrierung
"Wir sind im Anwerben von Investoren sehr erfolgreich gewesen, wir machen uns nur Sorgen, dass formal bei der Stimmenregistrierung etwas nicht klappen könnte", sagt Proschofsky. In seinem Lager befinden sich dem Vernehmen nach die zwei Fonds, QVT und Elliott Advisors, spanische und protugiesische institutionelle Investoren, aber auch die heimische Capital Bank und die Hypo Alpe-Adria. Hans Haider wiederum dürfte in erster Linie mit seiner Erfahrung gepunktet haben. Ob das ausreicht, ist aber selbst für ihn fraglich: "Es wird sicher sehr knapp."
Grasser-Zertifikate als Joker?
Denn noch eine dritte Anlegergruppe war im Aufsammeln von Zertifikaten zuletzt sehr aktiv: die Meinl Bank selbst und Karl-Heinz Grasser. Grasser soll damit seinen Freund Rene Riefler, einen Investmentbanker, der auch auf der Payroll von MIP steht, beauftragt haben. Insider halten es für möglich, dass Grasser seine gesammelten Zertifikate als Joker in die Schlacht werfen könnte, um seinen Job als MIP-Manager doch noch zu sichern. Bis zuletzt hatte er ja beteuert, bei der MIP an Bord bleiben zu wollen, obwohl Haider das kategorisch ablehnte. Mit diesen Aktien könnte er sich nun seinen Posten zurückkaufen, vermuten Insider. Aber auch einen Überraschungscoup der Meinl Bank halten Insider für möglich: Können weder die Rebellen noch Haider die Mehrheit hinter sich vereinigen, wären beide Modelle durchgefallen. In diesem Fall bliebe alles beim Alten, die Meinl Bank würde also weiter bei den Gesellschaften abkassieren. Mit einer Ausnahme: Hans Haider wäre dann sicher nicht mehr mit dabei.
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