Freitag, 25. Juli 2008

Belegschaft ist für Streik bei Lufthansa:
Fluglinie hat Pläne für Notfall vorbereitet

  • AUA soll deutschem Partner unter die Arme greifen
  • Vor allem der Streik der Techniker ist sehr gefürchtet

Mitten in der Haupturlaubszeit wird bei der Lufthansa ab Montag gestreikt. Inwieweit sich der geplante unbefristete Streik des Boden- und Kabinenpersonals der deutschen Fluglinie in Österreich auswirken wird allerdings noch nicht gesagt werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wissen die Flughäfen nicht, wie viele Flüge ausfallen werden, zumal es selbst die Lufthansa nicht wisse, hieß es auf Anfragen der APA. Als Hotline für verunsicherte Passagiere empfehlen die Flughäfen Wien und Linz die Buchungszentrale der Lufthansa.

Die Flughäfen Salzburg, Klagenfurt, Innsbruck und Graz sehen sich vom Streik nicht direkt betroffen. "Im Moment haben wir nur einen Lufthansa-Linienflug von Hamburg nach Innsbruck und wieder retour. Dieser ist samstags und wird vom Lufthansa-Tochterunternehmen CityLine durchgeführt", erklärte der Flughafen-Innsbruck-Betriebsleiter am Freitag der APA. Wie es allerdings mit den Anschlussflügen ab den jeweiligen Flughäfen in Deutschland aussehe, darüber würden die zuständigen Fluglinien informieren.

Zwar bietet die Lufthansa eine tägliche Verbindung von Klagenfurt nach München an, diese wird jedoch von der italienischen Fluggesellschaft Air Dolomiti bedient und ist nach Angaben des Airports daher ungefährdet. Passagiere, die Anschlussflüge bei der Lufthansa gebucht haben, würden bereits in Klagenfurt auf andere Maschinen umgebucht werden.

Der Lufthansa-Streik falle für den Salzburger Flughafen deshalb nicht gravierend ins Gewicht, "weil wir keine direkten Lufthansa-Flüge nach Salzburg haben", erklärte Salzburg-Airport-Sprecher Alexander Klaus. Die AUA fliege als verlässlicher Codeshare-Partner der Lufthansa Salzburg an.

AUA als rettende Hand
Als rettende Hand für einen Teil der Lufthansa-Verbindungen haben sich nun die Austrian Airlines (AUA) angeboten: "Passagiere, die von Deutschland nach Wien fliegen, werden, soweit es die Kapazität zulässt, auf die AUA umgebucht", sagte AUA-Sprecherin Patricia Strampfer zur APA. Welche Destinationen und Flüge im konkreten davon betroffen sein werden, konnte sie nicht sagen. Man wisse ja noch nicht, wie lange bei der Lufthansa überhaupt gestreikt werde.

Zum Hintergrund: Die Gewerkschaft ver.di hat ihre Mitglieder beim Boden- und Kabinenpersonal zu einem Ausstand aufgerufen, der in der Nacht zum Montag um Mitternacht beginnen soll. Von dem ersten unbefristeten Streik in dem Bereich seit 13 Jahren sollen "alle Bereiche" betroffen sein. Die Lufthansa bezweifelte indes die Durchsetzungskraft der Gewerkschaft und will einen Großteil ihrer Flüge anbieten.

Ver.di-Verhandlungsführer Erhard Ott sagte, betroffen sein würden die Bereiche, die der Lufthansa wirtschaftlich schadeten. Dazu zähle die Wartung von Flugzeugen, so dass keine Maschinen zur Verfügung stünden, und das Catering, womit auch Interkontinentalflüge und andere Fluggesellschaften betroffen wären. Betroffen sein könnte auch Lufthansa Cargo. Ott zufolge werde es zu erheblichen Störungen des Flugverkehrs kommen. Ver.di wolle an den Flughäfen zeitversetzt zu Streiks aufrufen. Die Lufthansa, "eines der profitabelsten Luftverkehrsunternehmen der Welt", müsse ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen.

Die Lufthansa bot zuletzt im Gesamtvolumen 7,7 Prozent Lohnerhöhung, ver.di fordert 9,8 Prozent. Ein höheres Angebot hatte der Unternehmenschef Wolfgang Mayrhuber, gebürtiger Österreicher, ausgeschlossen. Zu weiteren Verhandlungen sei man aber bereit. Die Lufthansa erklärte, ihrer Ansicht nach habe sich nur "ein Bruchteil" der Beschäftigten für den Ausstand ausgesprochen, das Unternehmen rechnet deshalb in der Kabine und an den Check-In-Schaltern mit nur geringer Teilnahme. Hier sei der Organisationsgrad von ver.di niedrig. In den übrigen Bereichen würden "Maßnahmen" ergriffen. Einzelheiten dazu wollte die Lufthansa nicht mitteilen.

Große Streikbereitschaft
Ver.di erklärte, 90,7 Prozent der abgegeben Stimmen seien für den Streik gewesen. Wie viele Beschäftigte der insgesamt 48.000 abgestimmt haben, wollte die Gewerkschaft nicht mitteilen, ebenso wie ihren Organisationsgrad. Die Konkurrenzgewerkschaft beim Kabinenpersonal, die Flugbegleitergewerkschaft UFO, organisiert eigenen Angaben zufolge die Hälfte der insgesamt 14.000 Beschäftigten, beteiligt sich aber nicht an den Streiks. Ott sagte dazu, im Falle von "Streikbrecher-Aktionen" werde zu Solidaritätsstreiks aufgerufen. Zuletzt mussten wegen eines 36-stündigen Pilotenstreiks bei den Lufthansatöchtern Eurowings und Cityline mehr als 900 Flüge gestrichen werden.

Die Lufthansa informiert betroffene Passagiere ab Streikbeginn unter lufthansa.com und der kostenfreien Hotline 0800-8506070. Kostenlose Umbuchungen und Stornierungen sind dann ebenso möglich wie das Ausweichen auf die Bahn bei Verbindungen innerhalb Deutschlands.

(apa/red)

25.7.2008 16:15