Attraktive Dividende trotz weniger Gewinne:
Wienerberger-Chef Reithofer im FORMAT-Talk
- 25 Werke in Deutschland und GB werden geschlossen
- In Osteuropa entstehen unterdessen neue Standorte

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Wolfgang Reithofer, 59, ist seit Mai 2001 Vorstandsvorsitzender des Baustoffkonzerns Wienerberger. Dort ist der Jurist und Be-triebswirtschaftler schon seit 1981 tätig. Wienerberger wurde 1819 gegründet und notiert seit 1869 an der Wiener Börse. Seit Start des starken Expansionskurses im Jahr 1986 ist die Zahl der Werke von elf auf 260 in jetzt 24 Ländern gewachsen. Mit 2,5 Milliarden Euro Umsatz ist Wienerberger der größte Ziegelproduzent der Welt. Im vergangenen Jahr wurde mit einem Gewinn nach Steuern von 296 Millionen Euro ein Rekordergebnis erwirtschaftet. FORMAT traf den Unternehmer zum Interview.
Format: Sie haben kürzlich für Wienerberger eine Gewinnwarnung ausgesprochen. War denn die Entwicklung im zweiten Quartal so dramatisch? Im ersten Quartal haben Sie ja noch recht gute Zahlen veröffentlicht.
Wolfgang Reithofer: Es war nicht so dramatisch, aber eben schwächer. In Großbritannien ist die Bautätigkeit ab April eingebrochen. Auch Deutschland war im ersten Quartal recht gut, hat aber jetzt nachgelassen. Die USA liegen natürlich unter dem Vorjahr.
Format: War das nicht alles vorherzusehen?
Reithofer: Das Ausmaß des Rückganges ist höher, als man angenommen hat. Die Lage ist nicht dramatisch. Wir haben jetzt die übliche Überreaktion.
Format: Was ist denn Ihr größtes Problem?
Reithofer: Das ist das Marktvolumen. Und das können wir selbst nicht steuern. Wir haben keine finanziellen Probleme, darauf möchte ich ausdrücklich hinweisen - weil ja jetzt auch Hedgefonds diese Gerüchte streuen.
Format: Wie reagieren Sie auf das geschrumpfte Marktvolumen?
Reithofer: Wir werden 25 Werke schließen. Den Großteil davon in Deutschland und Großbritannien. Aber das klingt jetzt dramatischer, als es tatsächlich ist. Rund 70 Prozent davon sind alte und unwirtschaftliche Werke, die sowieso heuer oder im nächsten Jahr aus dem Markt genommen worden wären.
Format: Wo stehen diese Werke?
Reithofer: Hauptsächlich in Westeuropa, aber auch im Osten, beispielsweise in Ungarn.
Format: Auch in Österreich?
Reithofer: In Österreich wird es sicher keine dramatischen Veränderungen geben.
Format: Wie viele Arbeitsplätze fallen denn durch die Werksschließungen weg?
Reithofer: Das kann ich noch nicht sagen. Es laufen noch Gespräche mit den Vertretern der Belegschaft. Die Schließungen muss man aber relativieren: Wienerberger hat in 260 Werken mehr als 15.000 Beschäftigte. Damit wird das Ganze sozial verträglicher.
Format: Und wie schaut es bei den Akquisitionen und beim Aufbau neuer Werke aus? Sie haben ja erst im Herbst Ihr Grundkapital erhöht.
Reithofer: Mit dem Geld aus der Kapitalerhöhung haben wir ein forciertes Wachstumsprogramm gestartet, das wir in der nächsten Zeit deutlich zurücknehmen werden. Die Wachstumsinvestitionen werden heuer unter den geplanten 500 Millionen Euro liegen. Im nächsten Jahr bremsen wir noch stärker.
Format: Sie haben im Vorjahr gesagt, bis 2012 wollen Sie in Osteuropa 25 neue Ziegelwerke bauen, um die Kapazitäten nahezu zu verdoppeln. Bleibt es angesichts der Krise dabei?
Reithofer: Es kann sein, dass es ein, zwei Jahre länger dauert als geplant. Wenn wir alle Genehmigungen haben, werden wir entscheiden, ob wir sofort zu bauen beginnen oder das Ganze allenfalls hinausschieben.
Das ganze Interview lesen Sie im FORMAT 30/08!

