Donnerstag, 24. Juli 2008

"Moralische Verpflichtung": Karl-Heinz Grasser bleibt weiterhin im MIP-Management

  • Meinl-Power-Chef Haider droht weiters Rücktritt an
  • Ruft Anleger zu Geduld auf und wirbt für Reformpaket

Karl-Heinz Grasser, Meinl International Power (MIP)-Vorstand, hat erneut bekräftigt, bei der MIP bleiben zu wollen. Als Begründung nannte er in einem TV-Interview, es habe eine "moralische Verpflichtung den Anliegern gegenüber". Daher sei ihm der Verbleib im Management ein persönliches Anliegen.

Er habe beim Start den Anlegern gesagt, "vertraut mir euer Geld an, weil wir wollen mehr daraus machen". Bis jetzt habe man aber nicht mehr, sondern virtuell weniger daraus gemacht. "Ich habe eine ganz klare moralische Verpflichtung diesen Anlegern gegenüber und ich will keine Ruhe geben, bevor dieses Unternehmen ein Erfolg ist", so Grasser. Und dafür arbeite er "mit all meiner Kraft".

Meinl-Power-Chef Haider droht Rücktritt an
Unterdessen hat kurz vor den entscheidenden Hauptversammlungen der in Wien börsenotierten Jersey-Gesellschaft Meinl International Power (MIP) deren Chef Hans Haider nochmals mit seinem Rücktritt gedroht, sollte er in den Aktionärstreffen am Montag am Widerstand der "Rebellen" mit seinem Reformpaket für die Gesellschaft scheitern.

Seit Wochen versucht die MIP, auch mittels einer 150.000 Euro teuren Inseratenkampagne, die nötigen Anlegerstimmen für die Pläne des Managements zu gewinnen. Die Gegner haben ihrerseits mit Inseraten zurückgeschlagen. "Für eine Filetierung stehe ich nicht zur Verfügung", sagte heute Haider - früher Verbund-Chef - im "Standard"-Chat. Er warnte abermals vor einer Zerschlagung der Gesellschaft. "Aus der Geschichte dieser Hedgefonds ist klar, dass sie an einer Zerschlagung an der Gesellschaft Interesse haben und möglichst schnell Kasse machen wollen." Für eine solche Filetierung sei er aber "nicht zu haben".

Dass die Aktionäre nur fünf Werktage Zeit zur Registrierung ihrer Aktien hatten, begründete Haider mit der strengen Befolgung der diesbezüglichen Vorschriften auf Jersey. Überdies machte er klar: Wenn "alles beim Alten" bleibt, sich also keine der beiden Gruppen - der Vorstand mit seinem Maßnahmenpaket und die "Rebellen" - auf der HV durchsetzen kann, wäre dies "die schlechteste Lösung für die Investoren".

Anleger zu Geduld aufgerufen
Die Anleger rief Haider neuerlich zu Geduld auf. Im Hörfunk-"Morgenjournal" bekräftigte Haider seine Ansicht, dass die Krise bei MEL auf alle Schwestergesellschaften, die den gleichen Namen tragen, abfärbt. "Wir haben daher eine Option mit der Meinl Bank beziehungsweise Herrn Grasser verhandelt, die es erlaubt, aus dem Vertrag auszusteigen."

Unter den Kleinanlegern, die viel Geld verloren haben wegen der Finanzaffäre rund um Meinl European Land findet sich auch die kleine burgenländische Gemeinde Oberschützen. Die Gemeinde hat sich einer vom Prozessfinanzierer AdvoFin initiierten Sammelklage von MEL-Anlegern beteiligt, sagte Bürgermeister Günter Toth zur APA. Das lässt theoretisch auf Schadenersatz hoffen.

(apa/red)

24.7.2008 22:49