Finanzkräftiger Partner für AUA gesucht:
Türe für ausländische Investoren geöffnet
- NEWS: Wer bekommt den Zuschlag für die Airline?
- Lufthansa, Air France, Aeroflot, und Ana im Gespräch
·AUA-Privatisierungs- auftrag muss warten
SPÖ will Entscheidungen erst nach Septemberwahl

Drastisch zeigt das geheime AUA-Strategiepapier auf, wie schwer die Situation in der Luftfahrt geworden ist. Der drückende Kerosinpreis und eine sinkende Nachfrage lassen einem verantwortungsvollen Management wenig Spielraum. Die AUA muss redimensionieren, also schrumpfen, um die Kosten im Griff zu halten.
Der Sinkflug ist der Preis für eine Stand-Alone-Lösung, also für eine eigenständige AUA ohne Partner. Das bislang geheim gehaltene Strategiepapier wird auch in Kreisen der Staatsholding ÖIAG eindeutig interpretiert, wie NEWS in Erfahrung bringen konnte. Die einzige Möglichkeit für die AUA, ihre derzeitige Stärke beizubehalten, ist demnach ein finanzkräftiger Partner. Eine große Airline als Haupteigentümer der AUA könnte Synergien realisieren, die der AUA Kosten in dreistelliger Millionenhöhe ersparen.
Ein Partner für die AUA bedeutet eine Übernahme zumindest der Mehrheit an der AUA. Die interessierten Airlines würden die AUA gerne zu 100 Prozent schlucken, um in diesen schwierigen Zeiten die volle Kontrolle zu haben. Der Staat, der über die ÖIAG 42,75 Prozent an der AUA hält, müsste sich verabschieden. Das geht nur über einen Privatisierungsauftrag für die ÖIAG, und dieser wiederum erfordert einen Ministerratsbeschluss. Damit ist die Politik im Spiel, die jedoch gerade den Wahlkampf ausgerufen hat.
Positive Überraschung möglich
Der nächste Lostag für die AUA ist der kommende Dienstag. Am 29. Juli wird die AUA sowohl ihr Strategiepapier als auch die Bilanz des zweiten Quartals 2008 präsentieren. Dabei wird sich zeigen, ob die von AUA Boss Alfred Ötsch eingeleiteten Maßnahmen greifen und ob sich die strategisch gute Position des Oststreckennetzes auch in den Zahlen niederschlagen. Eine weitere Verschlechterung, wie sie von vielen Analysten erwartet wird, würde die AUA weiter an die Wand drücken. Die Kernfrage ist, ob die AUA im zweiten Quartal Geld verdient oder verloren hat. Ein positives zweites Quartal würde Grund zur Hoffnung
geben, dass sich die AUA in dem harten Umfeld behaupten kann. Insider halten diese Überraschung für möglich.
Doch selbst wenn Ötsch dies gelingt, ändert es nichts am hohen Kerosinpreis und der sinkenden Nachfrage. Deshalb muss der AUA Boss jetzt seine Strategie ändern. Noch vor einem Jahr konnte das AUA-Management ganz anders kalkulieren. Zum Vergleich: Allein der höhere Treibstoffpreis wird heuer Mehrkosten von rund 130 Millionen Euro verursachen. Statt einem geplanten Gewinn von 30 bis 40 Millionen Euro wird die AUA daher einen Verlust von gut 90 Millionen Euro einfliegen. Für die 8.000 Mitarbeiter der AUA, die sich seit Jahren abmühen, nicht gerade erbaulich.
Die Zeit drängt
Ötsch ist deshalb zum Handeln entschlossen. Er will rechtzeitig einen strategischen Partner für die AUA, um schmerzliche Schritte zu verhindern. Schließlich würde ein geschrumpftes Streckennetz den Wirtschaftsstandort Österreich beeinträchtigen. Die Verantwortung liegt jetzt bei der Politik. Genau dass muss Ötsch am 29. Juli ganz klar aussprechen. Denn falsche Diplomatie würde es manchen Politikern, die den Startschuss zur Privatisierung zu geben haben, allzu leichtmachen, ihren populistischen Eiertanz fortzusetzen. Einen Vorgeschmack darauf hat eben Staatssekretärin Christa Kranzl geliefert, die sich einen Privatisierungsauftrag am 6. August nicht vorstellen kann. Auch die Aussagen anderer Politiker zeugen von schwerer Unkenntnis der Sachlage.
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