"Abstellung von U-23 Spielern zwingend": Blatter pocht auf Freigebepflicht für Olympia
- FIFA-Chef reagiert auf Beschluss von DFB und ECA
- Schalke unbeeindruckt: Klage gegen FIFA und IOC

FIFA-Chef Joseph Blatter hat im Streit um die Olympia-Freigabe die Vereine unmissverständlich zur Abstellung ihrer Profis für die Spiele in Peking aufgefordert. "Die Abstellung von Spielern von unter 23 Jahren ist für alle Clubs zwingend. Für Peking gilt dieser Grundsatz ohne Vorbehalt", schrieb Blatter in einem Brief an alle Mitgliedsverbände. Er bezog damit nach langem Schweigen öffentlich Stellung zum seit Tagen schwelenden Konflikt.
Eine Weigerung der Clubs widerspreche "dem Geist der Olympischen Bestimmungen", betonte Blatter in dem auch auf der FIFA-Internetseite veröffentlichtem Schreiben. Er stellte sich damit gegen Vereine wie die deutschen Bundesligisten Werder Bremen und Schalke 04, die ihre Spieler Diego und Rafinha gegen deren Willen nicht für das Olympia-Turnier freistellen wollen. Das Herrenturnier ist im Gegensatz zu jenem der Damen nicht im FIFA-Rahmenterminkalender notiert.
Schalke erhebt sogar Klage bei der FIFA gegen den brasilianischen Verband CBF und beim Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC). Der Deutschen Fußball-Bund (DFB) und auch die Europäische Club-Vereinigung (ECA) hatten sich zuvor gegen eine Abstellungspflicht ausgesprochen.
Ein weiterer prominenter Fall ist Barcelonas Jungstar Lionel Messi, der bisher von den Katalanen nicht für Argentiniens Team freigegeben wurde. Barca berief sich am Mittwoch auf ein Schreiben der spanischen Liga, wonach für die Clubs keine Abstellungspflicht bestünde.
DFB unterstützt Schalke
Der vom DFB in seiner Haltung unterstützte FC Schalke 04 hält auch nach dem Brief von FIFA-Präsident Joseph Blatter an seinem kategorischen Nein zu einem Olympia-Einsatz seines brasilianischen Verteidigers Rafinha fest. "Wir bleiben bei unserer Linie und haben jetzt den Internationalen Sportgerichtshof CAS sowie die FIFA eingeschaltet, um die Sache zu klären", sagte Schalke-Manager Andreas Müller.
Wie Schalke-Geschäftsführer Peter Peters kritisierte Müller unterdessen das Vorgehen des Weltverbandes. "Zunächst begründet es die FIFA mit Gewohnheitsrecht, jetzt beruft sich Blatter auf den olympischen Geist. Aber einen konkreten Paragrafen konnte noch niemand zeigen. Das Schreiben begründet jedenfalls kein neues Recht", erklärte Müller auf der Homepage der Schalker.
FIFA ist eine demokratische Einrichtung
Längst hat sich der Freigabe-Poker zu einem Duell mit juristischen Spitzfindigkeiten und verbalen Sticheleien entwickelt. "Herr Blatter meint, mit seinem Schreiben festsetzen zu können, dass Spieler unter 23 Jahren für Olympia abgestellt werden müssen. Allerdings entscheidet nur das Exekutivkomitee der FIFA über die Aufnahme von Terminen in den Kalender und nicht Herr Blatter allein. Denn die FIFA ist eine äußerst demokratische Einrichtung", sagte Müller.
(apa/red)
