Unrühmliche Szenen bei Sturms Aufstieg: Ungarische Security prügelte auf Fans ein
- Sturm-Präsidumsmitglied: "Das waren Hooligans"
- Krawalle bereits im Vorfeld des UI-Cup-Rückspiels
·Sturm Graz löst das Ticket für UEFA-Cup
UI-Cup: Blackies siegen in Budapest mit 2:1
·REAKTIONEN nach Honved gegen Sturm
Rinner: "Security hat im Fansektor nichts verloren"
Sturm Graz hat im UI-Cup gegen Honved Budapest den Aufstieg in den UEFA-Cup geschafft. Der 2:1-Auswärtserfolg wurde aber von schweren Ausschreitungen überschattet. Nicht nur Zuschauer, sondern auch Grazer Polizisten wurden nach eigenen Angaben von ungarischen Securitys attackiert. Laut einem Beamten hätten die Sicherheitsleute "nur darauf gewartet Schläge austeilen" zu können.
Schon am Nachmittag hatte es in der Budapester Innenstadt Schlägereien gegeben, als einige der rund 1.000 Grazer Fans von Honved-Anhängern angegriffen worden sind. Im Stadion machten sich die Sturm-Anhänger nach etwa einer halben Stunde mit Leuchtkörpern, die auf den Rasen flogen, bemerkbar. Als Ordner und die Polizei auf der Tribüne für Ruhe sorgen wollten, wurden die Ordnungskräfte mit aus der Verankerung gerissenen Plastiksitzen beworfen und in wilde Schlägereien verwickelt. Ungarische Fans von der anderen Seite, die die Tribüne der Gäste stürmen wollten, wurden von der Polizei rechtzeitig gestoppt.
In der Pause räumte die Polizei den Sektor der Sturm-Anhänger, die hinter einem Zaun stehend die zweite Hälfte sehen konnten. Rund 200 Sitze fehlten im Stadion, rund um die Arena herrschte Großeinsatz der Exekutive.
Security teilte Schläge aus
Robert Rieger, ein szenekundiger Beamte, der selbst mitten in den Ausschreitungen gewesen war, sagte im Gespräch mit der APA, dass er trotz mehrjähriger Erfahrungen "so etwas noch nicht erlebt" habe. "Als szenekundige Beamte haben wir zwar Zivilkleidung an, aber eine Jacke mit der Aufschrift 'Polizei', die deutlich zu erkennen ist", erklärte Rieger. Trotzdem seien die Security, "die nur darauf gewartet haben, Schläge auszuteilen", auch auf die Beamten losgegangen. "Es herrschte unvorstellbares Chaos", meinte der am Sonntag noch hörbar mitgenommene Polizist. Ein Kollege habe einen bereits am Boden liegenden Sturm-Fan helfen wollen. Als er sich umdrehte, habe ein ungarischer Polizist ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht.
Rieger bestätigte Zeugenaussagen, wonach die Securityleute u.a. mit Messern bewaffnet gewesen seien. "Sie schlugen mit Billardkugeln gefüllten Socken auf die Fans ein und klatschten sich gegenseitig wie bei einem Volleyballspiel ab. Schließlich machten sie unter Gelächter auch noch Fotos von den Verletzungen", berichtete der Beamte. Rieger selbst habe von einem Security einen Plastikstuhl über den Kopf gezogen bekommen.
Auch Frauen liefen blutend herum
Von unfassbaren Szenen berichtete auch die Grazer Gemeinderätin Christina Jahn, die im Stadion das Spiel verfolgte. Als mehrere Sturm-Fans die Situation beruhigen wollten, hätten die Sicherheitsleute auf sie eingeprügelt. Sessel seien herausgerissen worden und die Security hätten damit auf Grazer Fans eingeschlagen. "Selbst Frauen liefen blutend herum," so Jahn.
Die Gemeinderätin konnte ebenfalls beobachten, wie sich nur rund vier Meter neben ihr zwei österreichische Polizisten in den Tumulten vor den ungarischen Kollegen ausweisen wollten. Plötzlich habe ein ungarischer Polizist mit Pfefferspray den österreichischen Beamten "niedergestreckt". "Er ging auf die Knie und musste sich sogar übergeben," so Jahn. Danach hätten die ungarischen Beamten den Spray auch gegen den zweiten mitgereisten Polizisten eingesetzt.
Ein Präsidiumsmitglied von Sturm äußerte den Verdacht, dass "vermutlich eine Hooligan-Gruppe als Ordner" aufgetreten sei. Diese Gruppe sei jedenfalls mit Schlagstöcken und Schlagringen in den Sturm-Sektor eingedrungen, "sie haben die erste Gelegenheit genützt". Einem Sturm-Mitarbeiter sind nach Angaben des Präsidiumsmitglieds mit einem Schlagring die Zähne ausgeschlagen worden. Die Polizei sei erst nach der Security eingeschritten.
Rinner: "Tumult war vorprogrammiert"
Vereinspräsident Hans Rinner, der Augenzeuge der Vorfälle war, sprach ebenfalls der Security die Schuld zu. "Es ist sehr bitter, dass Knallkörper geworfen wurden. Aber die Security hat im Fansektor nichts verloren. Damit war der Tumult vorprogrammiert. Sie haben brutal zugeschlagen. 10 bis 15 Fans mussten ins Spital. Im Fansektor hat die Sicherheit gefehlt. Wir werden eine Strafe bekommen, aber die Gründe liegen nicht bei uns. Ich habe Bilder gesehen, wo Sturm-Fans wie in einem Käfig eingesperrt wurden und auf sie eingeschlagen wurde", erklärte der Clubpräsident.
Gemeinderätin Jahn empfand die Durchsagen des Stadionsprechers kurz nach dem Beginn der Ausschreitungen als besonders schockierend: "Er hat die ungarischen Fans sogar angefeuert", meinte Jahn. In der Pause ist der Sektor geräumt worden, da er "komplett zerstört" worden sei, die Situation habe sich erst nach zehn Minuten der zweiten Hälfte beruhigt. Die Rettung habe die Verletzten anschließend versorgt.
(apa/red)
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