Bernhard Kohl wird Österreichs neuer Star:
26-Jähriger überrascht mit Kletter-Künsten
- Niederösterreicher übertrifft eigene Karriere-Planung
- Rasche Erholungsfähigkeit für Kohl eine große Stärke

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·"Wer ist er?" - Kohl
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Österreicher für Star ein
unbeschriebenes Blatt
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Die Tour de France hat Österreichs Sport einen neuen Star beschert. Bernhard Kohl stieg bei der 95. Auflage des wichtigsten Radrennens der Welt dank seiner Kletter-Qualitäten in der Profi-Hierarchie vom braven Kämpfer in den erlesenen Kreis der Mitfavoriten bei den drei größten Landesrundfahrten auf. Der 26-Jährige hat damit seine Karriereplanung selbst über den Haufen geworfen. "Was ich bisher erreicht habe, ist gewaltig. Das hatte ich mir erst für die nächsten fünf Jahre vorgenommen", erklärte Kohl angesichts der Führung in der Bergwertung und des Spitzenplatzes in der Gesamtwertung der Tour.
Der Niederösterreicher mit Wohnsitz in Klagenfurt findet im deutschen Gerolsteiner-Rennstall für ihn ideale Bedingungen vor. Team-Manager Hans Michael Holczer gab ihm schon bei seiner zweiten Tour-Teilnahme die Chance, als Kapitän auf eigene Rechnung zu fahren. Und Kohl bestätigte ihn in dieser Entscheidung. "Die Tour war immer mein Traum. Momentan lebe ich ihn", sagte der gelernte Rauchfanglehrer. Sein Profi-Vertrag läuft heuer aus, Kohl pokert mit einer Verdoppelung der bisherigen Summe für 2009 und die Folgejahre wohl nicht zu hoch.
Kohl ist keiner, der viele Rennen gewinnt. In seiner Erfolgsliste steht ein Sieg in der Pyrenäen-Tour 2004 (U23) und der Staatsmeistertitel 2006 sowie Gesamt-Rang drei im Criterium du Dauphine Libere, der traditionellen Tour-Generalprobe, ganz oben. Letztere Leistung war für das Leichtgewicht (60 kg bei 1,72 m) von zweifacher Bedeutung. Sie brachte einen gut dotierten Vertrag bei Gerolsteiner und gab Kohl selbst das Selbstvertrauen für weitere Großtaten. "Damals habe ich gemerkt, dass ich mit den Besten mithalten kann."
Schwerer Sturz bei Großrundfahrt-Debüt
Seine erste dreiwöchige Rundfahrt musste er in Spanien 2006 nach Etappenrang zehn wegen eines schweren Sturzes aufgeben, bei der Tour-de-France-Premiere 2007 wurde er als 31. klassiert und erreichte einen siebenten Etappenrang. Heuer stieg er in ungeahnte Höhen auf. Der von dem in Osttirol lebenden Werner Zanier trainierte Kohl fuhr als erster Österreicher im rot-gepunkteten Bergtrikot und war als Gesamt-Zweiter (vorerst) so gut platziert wie kein Österreicher vor ihm. Doch abgehoben hat Kohl keineswegs. Er ist sehr beliebt bei seinen Teamkollegen, bedankt sich jeden Abend herzlich für deren Unterstützung.
Die rasche Erholungsfähigkeit nennt Kohl als seine Stärke, sie prädestiniert ihn für die großen Rundfahrten. Als "kleines Erfolgsgeheimnis" bezeichnet der Perfektionist die Skitouren im Winter (jeweils rund 40), die eine Grundlage seines Ausdauertrainings bilden. "Ich liebe die Berge, aus der Ruhe schöpfe ich meine Kraft", betonte Kohl, der erst jeweils ab Mitte Jänner die spezielle Vorbereitung auf den Rad betreibt.
"Er hat die letzten Monate wie ein Mönch gelebt"
Kohl gilt als besessener Trainierer, heuer setzte er von Beginn an voll auf die Tour, nahm viele Entbehrungen auf sich. "Er hat die letzten Monate wie ein Mönch gelebt, das zahlt sich jetzt aus", sagte der Steirer Bernhard Eisel und Teamkollege Peter Wrolich, ebenfalls ein Trainingspartner, beschreibt eine andere Stärke des Aufsteigers. "Ich kenne niemanden, der sich so akribisch vorbereitet wie er", sagte der Etappen-Zweite der Tour 2005. So fuhr Kohl heuer im Juni auf eigene Kosten alle Pyrenäen- und Alpenpässe ab und sammelte wertvolle Erkenntnisse.
Der am 4. Jänner 1982 in Wien geborene Wolkersdorfer hatte sich als Jugendlicher in vielen Sportarten versucht. Für Fußball oder Tennis erwies sich aber seine damals geringe Körpergröße als Manko. Doch Kohl musste nicht lange nach Passenderem suchen. Sein Vater Christian hatte als Fahrer der Seniorenklasse spät seine Liebe zum Radsport entdeckt, so schrieb sich Bernhard mit 12 Jahren beim lokalen Club URC Schwöllberger ein.
"Mir war von Beginn an klar, dass ich Profi werden will"
Sein Potenzial hat sein damaliger Trainer Andreas Blümel schon früh erkannt. "Aus dem kann was werden, wenn er dabeibleibt", sagte der Ex-Rennfahrer. Kohl gewann als Jugendlicher in einer Klasse mit Siegfahrer Eisel zwar nicht viele Rennen, seine Stärke am Berg verhalf ihm aber in der Folge zu einer märchenhaften Karriere. "Mir war von Beginn an klar, dass ich Profi werden will. Bei einer großen Rundfahrt vorne dabeizusein, war mein Traum", blickt Kohl zurück.
Nach einem Engagement im heimischen Elk-Haus-Rennstall wechselte er 2003 ins Ausland in die U23-Abteilung des niederländischen Rabobank-Teams, danach folgten zwei Jahre bei T-Mobile und seit 2007 trägt er das blau-weiße Trikot der deutschen Mineralwasser-Firma. "Bei Gerolsteiner habe ich die Chance bekommen, zu schauen, wie weit es bei der Tour de France nach vorne geht", sagte Kohl. Derzeit scheinen ihm nach oben keine Grenzen gesetzt.
(apa/red)
