Mittwoch, 23. Juli 2008

Über L'Alpe d'Huez zur Unsterblichkeit:
17. Tour-Etappe ein Tour de France Mythos

  • Berüchtigte 21 Kehren bringen Vorentscheidungen
  • Luxemburger Fränk Schleck siegte bereits 2006

Die Königsetappe der 95. Tour de France trägt ihren Namen zurecht. Auf dem 17. Abschnitt von Embrun nach L'Alpe d'Huez warten 210 Kilometer mit Klettertouren über die Pässe Galibier und Croix de Fer sowie die legendäre Schlusssteigung zur Bergankunft in 1.850 m Höhe. L'Alpe d'Huez, das ist der Mythos der Tour. Wer nach den berüchtigten 21 Kehren als Erster im Ziel ist, dessen Name ist im Radsport unsterblich.

Nicht weniger als 3.726 Meter Höhenunterschied sind heute auf den drei Bergwertungen der höchsten Kategorie (63 km Länge) zu überwinden. 1.090 Meter sind es auf den letzten 13,8 Kilometern hinauf in die Skistation, die von rund einer halben Million Fans gesäumt werden. "Kehren des Teufels" werden die 21 Serpentinen genannt, die jeweils einen Namen eines Siegers tragen. Manche sogar zwei, denn L'Alpe d'Huez figuriert schon zum 26. Mal im Tour-Programm.

Zuletzt feierte 2006 der Luxemburger Fränk Schleck einen Solosieg vor seinem italienischen Fluchtgefährten Damiano Cunego. Letzterer ist auch diesmal einer der Favoriten. Denn der Lampre-Kapitän ist mit großem Rückstand keine echte Gefahr für die Anwärter auf den Gesamtsieg und könnte mit einer Gruppe wegkommen. Ob es diese Ausreißer vor den Tour-Favoriten ins Ziel schaffen, wird sich zeigen. Bernhard Kohl hat sich jedenfalls viel vorgenommen, es könnte der große Tag in der Karriere des Niederösterreichers werden.

"L'Alpe d'Huez, das ist das erste, das man kennt"
Mit Prognosen hielt sich Kohl am Ruhetag zurück. Der 26-Jährige hat sich jedoch auf den ersten 15 Etappen als beständigster Kletterer des Kreises der Favoriten etabliert, den Schlussanstieg hat er sich auf seiner Erkundungsfahrt vor der Tour genau angesehen. "L'Alpe d'Huez, das ist das erste, das man kennt, wenn man als Jugendlicher die Tour im Fernsehen anschaut, das ist ein Mythos", erklärte Kohl. "Ich freue mich schon auf dieses Finale der Etappe, das wird sicher eines der schönsten Erlebnisse meine Lebens."

Ein Erfolg in L'Alpe d'Huez bringt Prestige und ist ungleich mehr wert als das offizielle Preisgeld von 8.000 Euro für den Etappensieg. Der Gewinner wird an Prämien seiner Teamsponsoren und aus Verträgen für Rad-Kriterien rund 300.000 Euro einstreifen, schätzen Experten.

21 Kehren erlebten schon viel
Seit 1952 quälen sich die Profis von 760 auf 1.850 m Höhe über Steigungen bis 11,5 Prozent (durchschnittlich 7,9). Erster Sieger war Fausto Coppi, danach dauerte es 24 Jahre bis zur Rückkehr. Doch seit den Siebziger-Jahren ist L'Alpe d'Huez zu einer Art Wallfahrtsort für die Radfans geworden, die mit Wohnmobilen schon Tage vorher die besten Plätze besetzen oder am Renntag selbst mit dem Rad hinaufklettern.

Die 21 Kehren waren Schauplatz von Triumphen und Tragödien. Niederländer wie Joop Zoetemelk (1976, 1979), Steven Rooks (1987) und Gert-Jan Theunisse (1989) siegten vor Tausenden Landsleuten, die die letzte Kehre in ein Meer in Orange verwandelten. 1986 fuhren Gesamtsieger Greg LeMond (USA) und Bernard Hinault (FRA), der als Erster gewertet wurde, Hand in Hand über die Linie. Marco Pantani (ITA) kletterte 1997 in Rekordzeit von 37:35 Minuten ins Ziel.

Giuseppe Guerini (ITA) wurde 1999 von einem Fan vom Rad gestoßen, rettete sich aber als Erster über die Linie. 2001 trug sich Lance Armstrong (USA) erstmals in die Siegerliste ein, er legte mit seiner Attacke gegen Jan Ullrich (GER) den Grundstein zum dritten von insgesamt sieben Toursiegen, und gewann 2004 im Bergzeitfahren erneut.
(apa/red)

23.7.2008 10:56