Neeskens und Herzog als dynamisches Duo?
ÖFB präsentiert um 13 Uhr neuen Teamchef
- Rekordnationalspieler glaubt nicht an eigene Chance
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Sie haben sich lange Zeit gelassen. Knapp vier Wochen ist es her, als die Pforten der Euro 08 geschlossen wurden. Und nun schreiten ÖFB-Präsident Friedrich Stickler und Bundesliga-Chef Martin Pucher zur schicksalhaften Entscheidung, wer Österreichs Fußball-Nationalteam möglichst erfolgreich in die WM-Qualifikation führen darf. Als ganz heißer Kandidat vor der heutigen offiziellen Verkündung um 13.00 Uhr gilt Johan Neeskens, niederländischer Fußball-Star der Siebziger Jahre und Ex-Assistent des ehemaligen Barcelona-Trainers Frank Rijkaard. Ihm zur Seite könnte Andreas Herzog, der immer noch einen Vertrag mit dem ÖFB hat, gestellt werden.
Die Suche nach einem neuen Teamchef ist damit früher abgeschlossen als zuletzt erwartet. ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig und Martin Pucher hatten immer wieder betont, dass der neue Cheftrainer erst kommende Woche präsentiert werden soll. Stickler wird die Pressekonferenz alleine abhalten, der neue Teamchef ist noch nicht anwesend. Das deutet darauf hin, dass es sich um einen ausländischen Trainer handelt.
Herzog glaubt nicht mehr an seine Chance
In den vergangenen Wochen waren sowohl ausländische Coaches als auch eine österreichische Lösung mit Andreas Herzog angedacht worden. Der Rekordteamspieler hatte bereits unter Josef Hickersberger als Assistent gearbeitet, glaubt aber nicht mehr an seine Chance. "Ich gehe nicht davon aus, dass ich Teamchef bin, weil ich die ganze Woche über nicht kontaktiert worden bin", erklärte Herzog gestern.
Herzog wurde lediglich angewiesen, sich heute um 9.00 Uhr am Sitz der Österreichischen Lotterien einzufinden, wo er von Stickler über den neuen Teamchef unterrichtet werden dürfte. Ob er weiterhin als Assistent zur Verfügung steht, will Herzog laut eigenen Angaben vom neuen Chef abhängig machen.
Sollte der Rekordnationalspieler aber bereit sein, mit Johan Neeskens zusammenzuarbeiten, so steht einem dynamischen Duo nichts mehr im Wege. Der große Vorteil von Herzog in dieser Konstellation: Er verfügt über das nötige Detailwissen im österreichischen Fußball und hat auch den richtigen Draht zu den Spielern. Beides ist für den neuen Teamchef gerade zu Beginn mehr als nur eine wichtige Unterstützung.
Offensiv, modern und attraktiv
Mit der Wahl auf Neeskens und Herzog scheint sich die lange Wartezeit auf ein "Go" für das neue Führungsteam der Nationalmannschaft wirklich ausgezahlt zu haben. Der ehemals feine Techniker aus den Niederlanden, der vor rund 30 Jahren Goleador Hans Krankl beim FC Barcelona mit perfekten Vorlagen fütterte und als einer der renommiertesten Vertreter der Oranje-Philosophie am grünen Rasen gilt, scheint ein Garant für offensiven, modernen und attraktiven Fußball zu sein. Ergänzt durch die jugendliche Energie und den Erfolgshunger von Rekordteamspieler Andi Herzog ("Ich habe meine eigenen Vorstellungen") hat der ÖFB wohl die ideale Mischung gefunden.
Nun darf man gespannt sein, wie die Beiden das schwierige Projekt WM-Teilnahme 2010 in Südafrika angehen. Sicher ist wohl eine etwas modifizierte taktische Ausrichtung der jungen, dynamischen ÖFB-Elf. Schon unter Josef Hickersberger entwickelten Ivanschitz & Co. im letzten Halbjahr Offensivdrang und ein beherztes Spiel nach vorne. Mit Neeskens sollte dieser Weg nun fortgesetzt und perfektioniert werden, damit unterm Strich endlich auch wieder ein zählbarer Erfolg zu verbuchen ist.
Mehr Legionäre und 4-3-3-System
Selbstverständlich muss auch Neeskens weiterhin mit jenem Spielermaterial vorlieb nehmen, das vorhanden ist. Dennoch zeichnen sich mit den Auslandstransfers einiger junger Teamspieler und dem bevorstehenden Comeback von Rebell Paul Scharner durchaus positive Faktoren für die Entwicklung der Mannschaft ab. So gesehen ist mit schnellen Leuten wie Korkmaz, Harnik oder Hoffer durchaus auch das weltberühmte 4-3-3-System der niederländischen Fußball-Schule künftig im österreichischen Nationalteam vorstellbar.
Es wäre allerdings blauäugig, zu glauben, dass lediglich eine noch offensivere Spielweise schon kurzfristig Kalibern wie Frankreich, Rumänien oder Serbien das Fürchten vor Österreich lehren wird. Aber nichtsdestotrotz ist bereits alleine das Engagement eines derart renommierten Mannes ein deutliches Signal für die Konkurrenz. Und vielleicht haucht er den aufstrebenden heimischen Kickern auch noch das letzte Quäntchen an Selbstvertrauen ein, das notwendig ist, um tatsächlich in 100 Wochen die Pforten der WM für Österreich zu öffnen.
(Florian Janousek/APA)
