Sonntag, 27. Juli 2008

Karadzic durch seine Stimme entlarvt:
Anonymer Anruf brachte wichtigen Hinweis

  • Dabic' Stimme erinnerte ihn an jene des Gesuchten
  • Unbekanntem Anrufer entgehen 5 Mio. Dollar Prämie

Ein anonymer Anruf beim serbischen Geheimdienst BIA soll den entscheidenden Hinweis zur Festnahme als Wunderheiler getarnten bosnisch-serbischen Ex-Anführer Karadzic geliefert haben. "Überprüfen Sie (ihn), weil mich seine Stimme sehr an jene von Karadzic erinnert", sagte der Anrufer mit "ernster Männerstimme" einem BIA-Mitarbeiter, wie die serbische Tageszeitung "Blic" berichtet.

Der Anrufer machte den Geheimdienst auf einen Alternativmediziner mit weißem Rauschebart aufmerksam, der als "Doktor Dragan Dabic" auf Vortragsreisen durch Serbien tourte, das Alter Ego von Karadzic. Dem Hinweis wurde laut "Blic" keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, weil es schon viele dieser Art gegeben habe und sie sich alle als falsch herausgestellt hätten. Auch diesmal habe man erwartet, "dass nichts rauskommt", schreibt die Zeitung. Doch dann setzte es für die Geheimagenten einen Schock: Nach sechs Wochen Observierung von Dabic stellte sich heraus, dass es sich bei ihm tatsächlich um Karadzic handle. Dieser habe bei seiner Befragung durch die BIA-Mitarbeiter sofort zugegeben, der gesuchte Angeklagte des Haager UNO-Tribunals zu sein.

Politisch interessant ist die Frage, wer von der wochenlangen Observierung Karadzic wusste und warum es sechs Wochen dauerte, bis der Zugriff erfolgte. Die Observierung begann noch unter dem von der neuen pro-westlichen Regierung abgesetzten Geheimdienstchef Rade Bulatovic. Er ist ein Parteifreund des abgewählten national-konservativen Premiers Vojislav Kostunica, dem nachgesagt wird, keinen besonderen Eifer bei der Verfolgung flüchtiger Angeklagter des Haager UNO-Tribunals an den Tag gelegt zu haben. Es dürfte somit kein Zufall sein, dass der Zugriff auf Karadzic nur wenige Tage nach dem Wechsel an der Regierungs- und Geheimdienstspitze erfolgte.

Der anonyme Anruf beantwortet auch die Frage, wer jene fünf Millionen US-Dollar (3,18 Mio. Euro) Kopfgeld erhalten wird, die seit Jahren auf den früheren bosnisch-serbischen Präsidenten ausgesetzt waren: Niemand.

(apa/red)

27.7.2008 09:47