Umsturzpläne bei Englands Labour Party:
Premier Brown nach Wahlpleite vor dem Aus
- Nach Debakel in Glasgow-Ost schrillen Alarmglocken
- Außenminister Jack Straw möchte Brown beerben

Nach der epochalen Niederlage bei der Nachwahl in Glasgow-Ost wird innerhalb der britischen Labour Party immer intensiver nach einem Nachfolger für den unpopulären Premierminister Gordon Brown gesucht. Wie die "Sunday Times" berichtet, sammeln Labour-Abgeordnete bereits Unterstützungserklärungen, um Justizminister Jack Straw in den Chefsessel zu hieven.
"Jack ist bereit, Gordon zu sagen, dass das Spiel vorbei ist, sollte er genug Unterstützung bekommen", sagte ein Labour-Abgeordneter der Zeitung. Andere Abgeordnete berichteten, Vertraute Straws sondierten, ob sie den langjährigen Außenminister, der als glühender Irak-Kriegs-Anhänger nicht wirklich ein Signal für einen Neubeginn wäre, als Übergangspremier "zur Rettung der Partei" unterstützen würden. Bisher hatten die schlechten Labour-Umfragewerte - mit 24 Prozent der Stimmen liegt die Partei 22 Prozentpunkte hinter den oppositionellen Tories - viele Parlamentarier von einer offenen Rebellion gegen Brown abgehalten. Ein neuer Premier müsste nämlich innerhalb weniger Monate Neuwahlen ausschreiben und die bis Mai 2010 laufende Legislaturperiode verkürzen.
Nach dem Wahldesaster in Glasgow-Ost, wo Labour im Jahr 2005 noch dreimal so viele Stimmen wie die nun siegreiche Schottische Nationalpartei (SNP) errungen hatte, geht es vielen Mandataren der Regierungspartei aber nur noch um Schadensbegrenzung. Das Kalkül: Nur ein neuer Premier kann einen völligen Untergang bei der nächsten Wahl verhindern und eine rasche Erholung in der Opposition ermöglichen.
Aus Londoner Regierungskreisen verlautete, dass man Brown "einen Tod in Würde" ermöglichen wolle, etwa durch das Angebot eines hochrangigen internationalen Postens. Gordon Brownwies die in den Medien laut gewordenen Forderungen nach Aufgabe seiner Ämter zurück. "Ich mache weiter meinen Job und ich denke, dass wir in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten die richtigen Entscheidungen für die Zukunft treffen", sagte er zum Auftakt seines Sommerurlaubs.
Straw, der ebenfalls zu einer Urlaubsreise aufgebrochen ist, ließ die Putschpläne gegen Brown dementieren. "Jack heißt das nicht gut", sagte sein Sprecher knapp.
Times: "Verfallsdatum überschritten"
Zur Führungskrise in der britischen Labour Party schreibt die konservative Zeitung "The Times": "In nur einem Jahr als Premierminister hat Gordon Brown den Punkt erreicht, an dem Margaret Thatcher erst nach elf Jahren angekommen war. Die Wähler haben genau hingeschaut und entschieden, dass sie nicht mögen, was sie da sahen. Und wenn Wähler einmal entschieden haben, dass ein Führer das Verfallsdatum überschritten hat, dann gibt es keinen Weg zurück.
Das beschert der Labour Party ein schmerzhaftes Dilemma. Wenn sie nichts unternimmt, wird sie 2010 bei Wahlen in die Bedeutungslosigkeit und für viele Jahre in die Wüste geschickt. Sie kann aber auch handeln und Brown drängen, sich einer innerparteilichen Wahl für den Führungsposten zu stellen. Ein Wettkampf bei Labour im kommenden Herbst würde es der Partei ermöglichen, ihre Vision für die Zukunft deutlich zu machen."
(apa/red)
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