Freitag, 25. Juli 2008

NATO greift Taliban in Provinz Ghazni an:
Harte Gefechte im zurückeroberten Gebiet

  • Auch Zivilisten sind bei Angriffen getötet worden
  • Taliban eroberten Bezirk von NATO-Truppen zurück

Bei einem Luftangriff in Afghanistan sind mehr als vierzig mutmaßliche Taliban-Kämpfer ums Leben gekommen. Mindestens 30 weitere Aufständische seien bei dem Angriff internationaler Truppen in der Provinz Ghazni verletzt worden, sagte ein Sprecher der Provinzregierung. Der Gouverneur des Bezirks Agiristan bestätigte den Luftangriff.

Laut dem Gouverneur sollen dabei auch zwei Zivilisten gestorben sein. Afghanische Regierungstruppen und NATO-Einheiten kämpfen in dem 200 Kilometer südwestlich von Kabul gelegenen Kreis Agiristan seit drei Tagen gegen Rebellen, die den Bezirk zuvor erobert hatten. Die Taliban erobern in Afghanistan immer wieder kurzzeitig einzelne Bezirke, müssen sich dann aber zumeist wieder zurückziehen. Sie hatten bereits im Oktober 2007 für einen Tag die Kontrolle über Agiristan gewonnen.

Steinmeier auf Afghanistan-Besuch
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist unterdessen unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen zu einem vorher nicht angekündigten Besuch in Afghanistan eingetroffen, wo derzeit 3500 deutsche Soldaten stationiert sind. Die Reise des Ministers, deren weiterer Verlauf aus Sicherheitsgründen zunächst nicht bekanntgegeben wird, dient der Vorbereitung der im Oktober anstehenden Bundestagsentscheidung über die Verlängerung des Bundeswehr-Mandats für Afghanistan. Das Kabinett beschloss bereits eine Erhöhung der Obergrenze von derzeit 3500 auf 4500 Soldaten.

Einen Bundeswehr-Einsatz im umkämpften Süden Afghanistans, wie ihn NATO-Verbündete fordern, lehnt die deutsche Regierung bisher ab. US-Politiker haben den Wunsch ausgedrückt, zusätzliche deutsche Truppen in Afghanistan zu sehen. Der deutsche Bundesnachrichtendienst hatte vor einer sich verschlechternden Sicherheitslage in Afghanistan gewarnt. Der frühere deutsche Stabschef der NATO-geführten Schutztruppe ISAF, General Bruno Kasdorf, hatte erklärt, mittlerweile bestehe "ganz konkret" die Gefahr, dass die afghanische Bevölkerung zu den Taliban überlaufe, die durch die US-geführte Intervention von 2001 entmachtet worden waren.
(apa/red)

25.7.2008 12:12