Freitag, 25. Juli 2008

Nones und Kehrer danken für Beistand: Bergsteiger landeten Pakistans Hauptstadt

  • Alpinisten sprechen über ihre Tage am Nanga Parbat
  • Zu Unterkircher: "Wir konnten ihm nicht mehr helfen"

Nach ihrer Rettung vom Nanga Parbat haben sich die beiden italienischen Bergsteiger bei den Helfern bedankt und der Familie ihres verstorbenen Bergkameraden Karl Unterkircher kondoliert. "Ich danke allen, die uns in den letzten Tagen beigestanden sind", sagte Walter Nones nach der Ankunft in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad.

"Im Gebirge ist es immer schwierig, solche Probleme zu lösen", so Nones. Bei einer Pressekonferenz mit dem zweiten Bergsteiger Simon Kehrer nannte Nones es "eine große Tragödie, dass wir unseren guten Freund verloren haben, einen großen Bergsteiger und den Chef unseres Teams. Wir sprechen der Frau und den drei Kindern unseres Freundes, die in Italien sind, unser tiefes Beileid aus".

Kritik Italiens an Helikopterflüge
Die Rettung der beiden Alpinisten wurde in Italien nicht nur erleichtert, sondern auch mit Kritik aufgenommen. "Diese Operation ist eine unglaubliche Schande gewesen, man hat den Sinn für das Maß verloren", prangerte der bekannte Bergsteiger Fausto De Stefani die Helikopterflüge zur Rettung von Kehrer und Nones an. Italienische Zeitungen warfen vor allem die Frage auf, ob Rettungsflüge überhaupt notwendig gewesen seien. "Sie sind aus eigener Kraft (bis auf 5.700 Meter) abgestiegen und hätten auch so in das Basislager zurückkehren können", meinte die römische Zeitung "La Repubblica".

Extrembergsteiger Reinhold Messner meinte dagegen: "Sie haben eine Hilfe durch den pakistanischen Helikopter bekommen, was die Grundlage dafür war, absteigen zu können." Er betonte nach italienischen Medienberichten: "Ich bin glücklich, dass sie gerettet sind."

Kosten für die Bergung
Die Kosten für die Bergung der Alpinisten übersteigen nach Schätzungen der Flugrettung 50.000 Euro. Der Sprecher des pakistanischen Flugrettungsdienstes Askari Aviation, Mohammad Ilyas, sagte, nach ersten Schätzungen seien die beiden Hubschrauber jeweils 24 bis 25 Stunden eingesetzt gewesen. Bei einem Stundensatz von 1.712 Dollar (1.088 Euro) pro Hubschrauber entstünden Kosten zwischen 82.176 und 85.600 Dollar (52.228 bis 54.404 Euro). Ilyas betonte, die genauen Einsatzzeiten der beiden Hubschrauber müssten noch berechnet werden.

Der Sprecher der italienischen Botschaft in Islamabad, Sergio Oddo, sagte, die Kosten seien noch unbekannt, aber auch "kein großes Thema". Die italienische Regierung werde den Großteil übernehmen. Fabrizio Romano vom Krisenmanagement des römischen Außenministeriums erklärte dagegen, die Kosten seien von einer Versicherung der Bergsteiger abgedeckt. Italien habe nichts bezahlt. Italienische Zeitungen bezweifelten dies und rechneten vor, dass die Versicherungsprämien für die Besteigung eines Achttausenders über den eigentlichen Kosten der Expedition liegen müssten.

Auf die Frage, ob sie durch Extrembergsteigen nicht auch das Leben von Rettern gefährdeten, sagte Kehrer, auch er und Nones hätten bereits das Leben anderer Menschen gerettet. Kehrer betonte, er und Nones würden auch nach dem Drama nicht mit dem Bergsteigen aufhören. "Es ist eine Leidenschaft", sagte er. "Wir sind in Gottes Händen." Nones sagte, während des Dramas habe es den beiden Bergsteigern schon viel Hoffnung gegeben, den Hubschrauber zu hören. Der pakistanische Major Amir Masood, der den Hubschrauber zur Rettung steuerte, nannte die Mission am Freitag "ziemlich schwierig." Die beiden Bergsteiger wollen am Sonntag nach Italien zurückkehren.

Die Italiener waren am Dienstag vergangener Woche von schlechtem Wetter überrascht worden. Karl Unterkircher, der erfahrenste der drei Bergsteiger, war dabei abgestürzt. Die von ihm geleitete Gruppe hatte den Gipfel über die noch nicht bestiegene Rakhiot-Eiswand erklimmen wollen. Der 37 Jahre alte Unterkircher, der in den Dolomiten lebte, hinterlässt seine Frau und drei Kinder. (apa/red)

25.7.2008 15:53