Donnerstag, 24. Juli 2008

War Karadzic auch in Wien als Heiler tätig? Familie erkannte Wunderheiler auf Bildern

  • Soll unter Namen "Pera" in Österreich gewirkt haben
  • Bundesamt für Verfassungsschutz untersucht Aussage

Der in Serbien festgenommene mutmaßliche Kriegsverbrecher Radovan Karadzic soll auch in Wien als Alternativmediziner tätig gewesen sein. Einem zeitungsbericht zufolge hat eine Familie Karadzic auf Bildern wiedererkannt. Unter dem Namen "Pera" und mit kroatischem Pass habe Karadzic eine Frau, die schwanger werden wollte, 2006 in Wien behandelt.

Die österreichischen Behörden haben "keine Hinweise" darauf, dass Karadzic in Wien gewesen war, wie der Sprecher des Innenministeriums Rudolf Gollia der APA sagte. Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung gehe der Sache allerdings nach. Es sei grundsätzlich nicht auszuschließen, dass der ehemalige bosnisch-serbische Präsident mit gefälschten Papieren nach Österreich eingereist sei, meint Gollia. Kroatische Bürger brauchen - im Gegensatz zu jenen aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Montenegro und Serbien - für die Einreise kein Visum.

Karadzic als Wunderheiler "Pera"
Der "Kurier" zitierte einen Burgenländer, der mit einer gebürtigen Serbin verheiratet ist. Als der Handwerker im Fernsehen die Bilder des weißhaarigen, bärtigen Ex-Präsidenten der bosnischen Serben sah, erkannte er den Wunderheiler "Pera" wieder, der seine Ehefrau in der Märzstraße im 14. Bezirk in Wien wegen eines unerfüllten Kinderwunschs behandelt habe. Auch ihre Eltern und weitere Verwandte sollen Karadzic alias "Pera" wiedererkannt haben. Der angebliche Alternativmediziner soll stets in Privatwohnungen serbischer Familien in Wien ordiniert haben. Dort habe er bei seinen Aufenthalten, die maximal drei Tage dauerten, auch gewohnt. In Italien soll er ebenfalls als Heiler aktiv gewesen sein.

Den Hinweis auf den "Wunderheiler aus der alten Heimat" hatte die kinderlose Frau Mitte 2006 von einer in Wien lebenden Tante bekommen. Der Ehemann stand den Methoden "Peras" skeptisch gegenüber. Der Kontakt zur Familie riss vor mehr als einem Jahr ab. Die junge Frau wurde ohne Hilfe von Pera doch schwanger. Der Mediziner habe laut dem Mann noch ein Erfolgshonorar gewollt, was ihm der Burgenländer allerdings verweigerte.

(apa/red)

24.7.2008 21:12