Staatsanwalt in Serbien erhebt Vorwürfe:
Partei und Behörden unterstützten Karadzic
- Hat falsche Identität durch Parteifreunde erhalten
- Echter Dragan Dabic wurde im Jahr 1993 getötet

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In Belgrad laufen Ermittlungen über die falsche Identität des festgenommenen bosnisch-serbischen Ex-Präsidenten Radovan Karadzic. "Wer ist (war) Dragan Dabic", lautet die Schlüsselfrage. Dabei soll auch geklärt werden, wer Karadzic geholfen hat, die falsche Identität anzunehmen. Nach jüngsten Polizeierkenntnissen soll der 63-Jährige die Identität eines noch lebenden Menschen angenommen haben. "Ein solcher Mann lebt weiterhin, was bedeutet, dass von Karadzic ein gefälschter Personalausweis benutzt wurde", verlautete aus dem serbischen Innenministerium.
Belgrader Medien berichteten zuvor, dass es sich bei Dragan Dabic, auf dessen Namen der Personalausweis Karadzics lautete, um einen im Jahr 1954 in Sarajevo geborenen bosnischen Serben gehandelt habe, der 1993 gestorben sei. Gojko Vasic, Polizeifunktionär in Banja Luka, betätigte gegenüber Tanjug, dass in einem älteren Verzeichnis der Personaldokumente der Republika Srpska ein gewisser Dragan Dabic entdeckt worden sei, der inzwischen verstorben sei.
Dabic kein seltener Familienname
Andererseits wurde von serbischen Medien gerade in Ruma, wo der von Karadzic benutzte Personalausweis ausgestellt worden sei, ein Mann entdeckt, der Dragan Dabic heißt und mit Karadzic keine Ähnlichkeit hat. Dabic ist kein seltener Familienname und kommt besonders häufig unter Krajina-Serben vor.
Der Anwalt von Karadzic, Svetozar Vujacic, kündigte an, dass er Anzeige gegen Unbekannt wegen "Entführung und gesetzwidrigem Festhalten von Karadzic von 18. bis 21. Juli" erstatten wird. Demnach wurde Karadzic bereits am 18. Juli und nicht erst - wie von Belgrad offiziell angegeben - am 21. Juli festgenommen. Für diese Angaben Karadzics gebe es Zeugen, sagte Vujacic.
UNO-Kriegsverbrechertribunal prüft Anklageschrift
Unterdessen will das UNO-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) die Anklageschrift gegen Karadzic prüfen. Man wolle feststellen, ob es Gründe gibt, die Anklage zu ändern bzw. durch in den vergangenen Jahren gesammelte neue Beweise zu untermauern, erklärte die Sprecherin der Tribunalsanklage, Olga Kavran, gegenüber Belgrader Medien.
Die erste Anklage wegen Kriegsverbrechen gegen Karadzic war im Juli 1995 erhoben worden, im November desselben Jahres folgte auch eine Anklage wegen Völkermord in Srebrenica, wo im Sommer 1995 rund 8.000 bosnische Muslime (Bosniaken) von Truppen der bosnischen Serben ermordet worden waren. Im Jahr 2000 veröffentlichte die damalige Haager Chefanklägerin Carla del Ponte eine zusammengefasste Anklage. Dieses Dokument soll nun zumindest die Grundlage für das geplante Gerichtsverfahren gegen Karadzic vor dem ICTY darstellen. Sollten die Ankläger Änderungen vornehmen, müsste dies vom Tribunalssenat bestätigt werden.
Karadzic wurde bisher in elf Punkten wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Verletzung des Kriegsrechts und schwerer Verstöße gegen die Genfer Konventionen von 1949 angeklagt. Wann genau der Angeklagte, der mehr als zwölf Jahre auf der Flucht war und vor kurzem gefasst wurde, an das UNO-Tribunal überstellt werden soll, ist bisher nicht bekannt. Erwartet wird, dass die Auslieferung spätestens in der ersten Hälfte der nächsten Woche erfolgt. Binnen der darauffolgenden zwei Tage soll sich Karadzic dann erstmals vor dem Tribunalssenat zu den Anschuldigungen äußern.
(apa/red)
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