Explosionen in chinesischen Linienbussen:
Mindestens zwei Tote und vierzehn Verletze
- Terrorangst vor Olympischen Spielen in Peking steigt
- Polizei momentan auf der Suche nach "Verdächtigen"

Knapp drei Wochen vor Beginn der Olympischen Spielen in Peking hat ein Doppelanschlag auf Linienbusse mit mindestens zwei Toten die Terrorangst in China erhöht. 14 weitere Menschen wurden nach Polizeiangaben bei den Explosionen in Kunming, der Hauptstadt der an Tibet, Burma, Laos und Vietnam grenzenden Südwestprovinz Yunnan verletzt. Die Sicherheitskräfte sprachen nach vorläufigen Ermittlungen von "Sabotage". Die chinesische Regierung hatte im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking wiederholt vor terroristischen Anschlägen gewarnt und die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verstärkt.
Die Detonationen ereigneten sich nach Polizeiangaben im Abstand von rund einer Stunde während der morgendlichen Hauptverkehrszeit im Zentrum von Kunming. Zunächst sei ein Sprengsatz gegen 7.00 Uhr Ortszeit (01.00 Uhr MESZ) in einem Bus explodiert, als dieser eine Haltestelle ansteuerte. Dabei sei eine Frau getötet sowie zehn weitere Menschen verletzt worden. "Das Glas auf beiden Seiten des Fahrzeugs ist vollständig zerbrochen, mehrere Sitze wurde verbogen", erklärte die Polizei. Später habe sich auf der gleichen Straße erneut eine Explosion in einem Bus ereignet, hieß es weiter. Dabei kam ein Mann ums Leben, vier weitere Menschen erlitten Verletzungen. Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder von einem großen schwarzen Loch auf einer Seite des Busses sowie von schweren Schäden im Innern. Die Lokalzeitung "Shenghuo Xinbao" berichtete von insgesamt drei Todesopfern, zwei Menschen seien am Tatort gestorben, ein drittes Opfer auf dem Weg ins Spital.
Keine Angaben zur Explosionsursache
Zu den Explosionsursachen wollte die Polizei zunächst keine näheren Auskünfte geben. Sie sperrte einige Straßen in der Gegend ab und kontrollierte Passanten auf der Suche nach "Verdächtigen", wie örtliche Behörden mitteilten. In der 2100 Kilometer südwestlich von Peking gelegenen Provinzhauptstadt Kunming leben über sechs Millionen Menschen. Die an Tibet grenzende Provinz Yunnan wird von zahlreiche Volksgruppen bewohnt, zwei Drittel ihrer 45 Millionen Einwohner sind Han-Chinesen.
Bereits im Mai waren drei Menschen ums Leben gekommen, als ein Linienbus in Shanghai in Flammen aufging. Die Polizei machte brennbare Flüssigkeiten für den Brand verantwortlich, die an Bord des Busses transportiert worden waren. Eine genaue Erklärung für den Ausbruch des Feuers lieferte sie aber nicht.
Verschäfung der Sicherheitsvorkehrungen für Olympia
Die Explosionen in Kunming dürften zu einer weiteren Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld der am 8. August beginnenden Olympischen Sommerspiele in Peking führen. Die chinesische Regierung fürchtet vor allem mögliche Anschläge muslimischer Extremisten in der nordwestlichen Region Xinjiang sowie von Anhängern des tibetischen Unabhängigkeitskampfes. In Xinjiang ist es seit 1990 immer wieder zu blutigen Unruhen gekommen. Zahlreiche "Konterrevolutionäre" wurden hingerichtet, Hunderte von Moscheen und Koranschulen geschlossen. Gegen pro-chinesische uigurische Funktionäre wurden Attentate verübt.
In den vergangenen Jahren hatte China mehrere Anschläge in Xinjiang vermeldet, Anfang Juli wurden einem US-Medienbericht zufolge zwei Uiguren wegen Terrorismus hingerichtet. Im Frühjahr meldeten die chinesischen Behörden die Zerschlagung eines "Terrornetzwerks" in Xinjiang, das Anschläge gegen die Olympischen Spiele geplant haben soll. Die Terroristen wollten angeblich ausländische Athleten, Touristen und Journalisten verschleppen und Selbstmordattentate verüben. Internationale Menschenrechtsorganisationen werfen der chinesischen Führung vor, den von den USA ausgerufenen weltweiten Kampf gegen den Terrorismus zum Vorwand zu nehmen, um verschärft gegen ethnische und religiöse Minderheiten vorzugehen.
(apa/red)
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