US-Wahlen 2008: Die neuen Kennedys
- Barack Obama als Wiedergeburt von JFK

US-Wahlen. Auftritt in Berlin, Familienidylle, Jugend: Bar ack Obama inszeniert sich als Wiedergeburt der Ikone JFK.
Er ist einfach cool. Und zwar auf die gleiche Art und Weise, wie es John F. Kennedy war, bringt Geoff Nunberg das Erfolgsrezept des jungen Senators Barack Obama auf einen schlichten Punkt. Nunberg, führender Kommunikationsforscher der USA, analysiert die Auftritte beider: So wie Kennedy hält Obama während seiner Reden den Körper ruhig, wechselt die Position nicht. Er bewegt nur seine Arme, doch immer dicht am Körper. So strahlt er Sicherheit und Mitgefühl aus. Die Ähnlichkeit mit Ikone JFK sei frappant.
Obama nützt das geschickt aus: Wie Kennedy wird er nächste Woche in Berlin auftreten. Ich bin ein Berliner, sagte dieser dort 1962 und schrieb Geschichte. Der Satz stand für die unumstrittene Führungsposition der USA in der freien Welt. Dorthin sehnen sich die Amerikaner zurück. Die Blessuren des Irak-Alleingangs sollen heilen, die Freundschaft aufleben. Am besten mit Obama, den 75 Prozent der Deutschen wählen würden. So des Senators Plan.
FK Remix 2008. Der 47-Jährige war noch nicht geboren, als der 43-jährige John F. Kennedy 1961 als Präsident der USA angelobt wurde. Auch ein Satz aus dieser Rede wurde Legende: Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, fragt, was ihr für euer Land tun könntet. So wie 2008 Obama trieb 1960 eine gigantische Welle der Begeisterung den Senator aus Massachusetts an die Spitze der Supermacht. In der aktuellen Version klingen die Parolen wie Wir können es schaffen einfacher. Doch wie JFK wirbt Obama mit einer neuen politischen Ära für sich, als Gesicht einer neuen Generation, die für Bürgerrechte und für internationale Kooperation steht.
So wie Obama war Kennedy der Parteielite auch lange suspekt. Er wäre der jüngste US-Präsident der Geschichte, der erste Katholik im Amt zu viel des Risikos, hieß es lange. Wenige Tage vor der Kandidatenkür, am Parteikongress der Demokraten in L. A. im Juli 1960, stand seine Nominierung noch nicht fest. Doch er siegte fulminant und verlagerte seine Ernennung zum Präsidentschaftskandidaten aus dem Kongressgebäude ins Memorial-Coliseum-Stadion. JFK setzte Maßstäbe. Er war ein Star.
Kein Präsidentschaftskandidat hat seither diesen Schritt gewagt. Obama tut es. Auch er wird seine Kandidatur in einem Sportstadion entgegennehmen. Am 28. August sollen 75.000 Besucher im Invesco Field in Denver die Kür feiern. Es mag sein, dass in Obamas Rede die Worte Ich habe einen Traum fallen. Denn am 28. August vor 45 Jahren sagte Martin Luther King diesen legendären Satz. Doch die zentrale historische Anspielung, die Obamas Auftritte fokussieren, bleibt JFK.
Die ganze Story finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin 29/2008
