Andrea Breth im NEWS-Interview: "Eine Inszenierung pro Saison am Burgtheater"
- "Sonst möchte ich mich mehr der Oper widmen"
- Regisseurin inszeniert derzeit 'Verbrechen und Strafe'
Andrea Breth, die für die Salzburger Festspiele soeben die Dostojewski-Produktion "Verbrechen und Strafe" inszeniert, wird unter der künftigen Burgtheaterdirektion Matthias Hartmanns eine Regie pro Saison übernehmen. Das erklärt sie in einem Interview für die aktuelle NEWS-Ausgabe. Ihre Tätigkeit in der Ära Bachler - sie war dort Hauptregisseurin, ehe die Direktion die kontinuierliche Zusammenarbeit nach einer schweren seelischen Erkrankung der Regisseurin beendete - betrachtet sie als erledigt: "Das Kapitel ist abgeschlossen. Ich hatte ohnehin schon Sorge, dass meine Aufführungen so geliebt wurden. Da sollte man besser für eine Weile verschwinden. Unter Hartmann komme ich für eine Inszenierung in der Saison wieder. Sonst möchte ich mich mehr der Oper widmen."
Seitens der designierten Staatsoperndirektion gebe es keine Anfrage. Breth zum möglichen Grund: " Ich brauche Zeit, was man sich nicht überall leisten kann. Beim "Onegin " hier im Vorjahr hatte ich sieben Wochen. Riesenprojekte mit nur drei oder vier Wochen, wie es in der Oper üblich ist: Das kann ich nicht. (...) Salzburg ist ein internationales Festival und muss Weltformat haben. Da kann man nicht improvisieren, und da verlange ich auch, dass jeder Sänger die volle Probenzeit da ist. Das sollen sich alle hinter die Ohren schreiben."
Den aktuellen Zustand des deutschsprachigen Theaters kommentiert sie so: " Ich bin hoffnungslos der Lust verfallen, Geschichten zu erzählen. Ich bin auch verblüfft über diese merkwürdige Ignoranz den Menschen gegenüber, die Geschichten erzählt bekommen wollen, sonst würden sie ja nicht ins Kino gehen. Und dieselben Theaterleute, die das in Frage stellen, gehen selber ins Kino. Mehr noch: Sie ernähren sich nur noch vom Filmmaterial. Das finde ich trostlos. Aber wahrscheinlich ist diese Generation mit Film aufgewachsen. Ich bin mit Literatur, mit Malerei aufgewachsen, und das Theater hat mich als Kind in wahnsinnige Aufregung versetzt. Es ist bis heute ein Ort, wo ich träumen kann. Ich liebe es, spät im Zuschauerraum zu sitzen und weiterzuträumen. Das lenkt mich von den Mozartkugeln und den Japanern mit Fotoapparaten draußen ab. (...) Das Handwerk ist heute verschütt gegangen oder gilt als spießig und altmodisch. Das ist auch eine Frage der Vermittlung: Der Bildungsstand auf beiden Seiten der Rampe sinkt, und Shakespeare ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Aber das sind Wellen, so hoffe ich. Ich hatte einen jungen Assistenten, der beginnt zu inszenieren und macht das sehr klug und lässt sich nicht verführen. Die jungen Leute werden viel zu früh den großen Aufgaben ausgesetzt. Aber Kunst braucht Zeit, um auszuprobieren und wieder wegzuwerfen. Ich habe von meinen Eltern gelernt: "Wenn du mit Messer und Gabel essen kannst, dann kannst du wieder die Hand nehmen."
Lesen Sie die ganze Story im aktuellen NEWS 29/08!
